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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Büren (02/2017)

Mitte Februar 2017 bekam ich die Möglichkeit, für eine Woche im Rahmen von vets4vieh.de ein Praktikum bei der FGS Büren zu machen. Ich war sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekam, in einer Praxis dieser Größe mein Praktikum zu absolvieren und so einen tieferen Einblick in das Aufgabenfeld eines Großtierarztes zu erlangen.

Da meine Anreise etwas weiter war, reiste ich schon am Sonntag an. Herr Dr. Sudendey nahm mich sehr freundlich in Empfang und zeigte mir nicht nur mein Zimmer für die nächsten 6 Tage, sondern machte direkt eine kleine Praxisführung mit mir.

Mein erster Tag begann morgens um 8 Uhr mit einer Besprechungsrunde aller Tierärzte – 19 Tierärzte/Tierärztinnen sind es insgesamt. Da die FGS Büren eine Gemischtpraxis ist und fast alle Tierärzte den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs sind, war die tägliche morgendliche Besprechungsrunde die einzige Zeit, in der sich alle einmal gesehen haben, Informationen austauschen und Befunde besprechen konnten. Den Rest des Tages war jeder „auf sich allein gestellt“.

Neben Schweinen, Rindern und Pferden werden auch Kleintiere behandelt – somit konnte ich in alle Bereiche einen Einblick bekommen. Da ich allerdings bereits eine Ausbildung zur TFA habe, habe ich den Kleintierbereich ausgelassen.

Nach der Besprechungsrunde ging es am Montag mit Herrn Dr. Sudendey in verschiedene Schweineställe. Wie es in der Schweinepraxis üblich ist, bestand der größte Teil des Tages aus Bestandsbesuchen, mit Besprechung von möglichen Problemen oder auch, ob die Problemlösungen des letzten Gesprächs geholfen haben.

Herr Dr. Sudendey hat großen Wert darauf gelegt, dass ich erst einmal das Grundprinzip eines Sauenbestandes verstehe – also nachvollziehen kann, worum es sich handelt, wenn man von einem 3-Wochen – Rhythmus spricht, wie genau so ein Stall aufgebaut sein sollte, wie viele Abteile es jeweils geben sollte, von Abferkelung, Deckzentrum, Wartestall, Flatdeck, wenn man x Tiere besitzt. Diese Einführung war sehr gut, man hat so den Tagesablauf eines Landwirtes besser verstanden und konnte sich eine erste Vorstellung davon machen, wie ein Betrieb aussehen sollte.

Am Dienstag ging es nach der Besprechungsrunde für mich vormittags wieder mit in die Schweinepraxis. Heute standen Binnen- und Brucheber operieren und Blutproben ziehen auf dem Plan. Es war für mich das erste Mal, dass ich bei dieser OP dabei sein durfte, da ich bisher nur die „normale“ Kastration von Ferkeln in der ersten Lebenswoche kannte. Beim ersten Mal (es folgten noch zwei weitere Termine mit Binnen- und Bruchebern in den nächsten Tagen) konnte ich zuschauen und erste eigene Diagnosen stellen, wo der Bruch saß und ob das Ferkel ein Kryptorchide ist. Einige Blutproben wurden sogar von mir selbst gezogen – alles unter der Aufsicht einer Tierärztin natürlich.

Am Nachmittag war ich mit einer Pferdetierärztin unterwegs. Neben einer Lahmheitsuntersuchung stand noch ein Esel mit Hautproblemen auf dem Tagesplan. Da alle bisherigen Behandlungen des Tieres nicht angeschlagen hatten, wurden an dem Tag 2 Hautbiopsien genommen und eingesandt. Anschließend durfte ich den Esel noch impfen.

Mittwochmorgen ging es für mich wieder in den Schweinestall. Dieses Mal durfte ich sogar bei der Operation von Binnen- und Bruchebern assistieren. Nachdem wir alle Ferkel versorgt hatten, mussten wir noch 600 Schweine impfen – auch dabei durfte ich tatkräftig unterstützen. Nachmittags entschied ich mich, nochmals in der Pferdepraxis mitzufahren. Dieses Mal stand neben einer Lahmheitsuntersuchung auch eine Zahnkorrektur und eine Ankaufsuntersuchung auf dem Terminplan. Sowohl die Zahnkorrektur als auch die Ankaufsuntersuchung waren für mich Neuland und ich konnte wieder etwas mehr Einblick gewinnen.
Mein vorletzter Tag stand noch einmal ganz im Zeichen der Schweinepraxis. Um 08.30 Uhr ging es los zum ersten Bestand: Binnen- und Brucheber operieren, Sauen impfen und Sauen scannen - es stand uns also ein voller Terminplan bevor bei diesem Landwirt. Auch dieses Mal durfte ich mithelfen beim Operieren und bekam nach den OP ́s meinen eigenen Scanner. Mit dem Scanner wurde kontrolliert, ob die Sauen im Wartestall auch wirklich tragend waren, ansonsten hätten sie zurück ins Deckzentrum gemusst. Mit dem kleinen Handultraschall ging es also durch den Wartestall und der Schallkopf wurde auf den Bauch gehalten, um im besten Falle Fruchthöhlen auf dem Bildschirm zu erkennen.

Nachdem wir bei diesem Bestand fertig waren, ging es noch zu einem weiteren Betrieb zum Sauen scannen und anschließend noch zu einem weiteren Betrieb Blutproben ziehen.

Und da war er schon, mein letzter Tag. Am Freitag bin ich mit in einem Rindertierarzt mitgefahren und dieser Tag hat mir wieder gezeigt, dass meine stille Leidenschaft doch den Rindern gilt. In 3 Betrieben galt es zu untersuchen, ob die Tiere trächtig sind. Durch eine rektale Palpation war dies leider nicht immer festzustellen – bei „unsicheren“ Tieren wurde dann noch ein transrektaler Ultraschall zur sicheren Aussage herangezogen. Bei dem ein oder anderen tragenden Rind konnte man beim Fetus schon einen deutlichen Herzschlag feststellen. Auch ich durfte mich am Rektalisieren probieren und was soll ich sagen: Warm, feucht und dunkel! Wahrscheinlich so, wie es jeden am Anfang ergeht. Doch schnell konnte ich auch noch mehr fühlen: neben dem Beckenknochen war auch die Cervix oft deutlich palpierbar. Bei einem Rind konnte man sogar gut das tragende Uterushorn spüren – eine deutliche Vorwölbung am Beckenboden.

Mein Highlight der ganzen Woche stand dann am Nachmittag an: meine erste Labmagenverlagerung – und dann auch noch eine minimalinvasive Operation. Wieder konnte ich den Tierarzt unterstützen, auch wenn es nur im Anreichen von Besteck und Festhalten vom Endoskop bestand. Aber es war einfach spannend mitanzusehen.

Fazit

Leider war die Woche zu schnell vorüber! Aber es war definitiv eine sehr lehrreiche Woche und wenn man in diese Praxis für ein Praktikum geht, kann man sicher sein, dass man sehr viel mitnimmt, lernt und auch eigenständig machen darf. Es hat mir unendlich viel Spaß gemacht und mir noch einmal deutlich gezeigt, dass mein Wunsch, später im Bereich Großtiere zu arbeiten, genau der richtige ist und mir die verschiedenen Facetten des Großtierarztes gezeigt hat – aber mit Sicherheit auch noch nicht alle, dafür ist eine Woche einfach zu wenig.

Anders als im Kleintierbereich, steht hier viel mehr das Wohl der ganzen Herde im Mittelpunkt (zumindest bei Schweinen und Kühen) und der Tierarzt/die Tierärztin ist nicht allein da, um zu heilen, sondern vor allen Dingen, um vorzubeugen und den Landwirt zu beraten.

Ich kann allen Studierenden der Veterinärmedizin nur raten, in der (wenigen) freien Zeit, die man als Student hat, so viele Praktika wie möglich zu machen – gerade auch im Großtierbereich. Für viele ist dieser Bereich so weit weg und man kann sich nichts richtig darunter vorstellen und ist positiv überrascht, wenn man mal ein Praktikum gemacht hat. Und durch die vielen verschiedenen Praktika kann man für sich selbst besser entscheiden, was man später wirklich machen will.

Vielen Dank, liebes Team von Vetion, für diese einmalige Möglichkeit!



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Praktikant:

Alexa Van Husen

JLU Giessen

Praxis:


FGS – Veterinär GmbH
Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
Bruchberg 24
33142 Büren
T: 02951 - 98750
fgs-vet@t-online.de
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Pate:


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