www.tierhalter-wissen.de

www.vets4vieh.de wird unterstützt von:

Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in der Tierarztpraxis Stefan Odenkirchen (04/2014)

Ich habe bei Vets4vieh im Lotto gewonnen. Quasi 6 Richtige mit Zusatzzahl, nur ist der Gewinn unbezahlbar.

Mit gutem Wetter im Gepäck bin ich am Ostermontag nach Unna gereist, wo ich vom Chef persönlich, Dr. Stefan Odenkirchen, an seiner Praxis in Empfang genommen wurde.

Wohnen konnte ich während meines Praktikums direkt vor Ort über der Praxis, wo sich eine sehr geräumige Praktikantenwohnung befindet.

Es folgte sogleich ein Rundgang durch die Praxis.

Das Team hat seinen Schwerpunkt auf die medizinische Versorgung von Pferden auf höchstem Niveau gelegt, aber auch der Kleintierbereich glänzt durch eine moderne Ausstattung. So gibt es für beide Sparten getrennte Räumlichkeiten, sowie einen Stall mit 7 Boxen, um Intensivpatienten, z. B. nach Operationen, rund um die Uhr bewachen zu können.

Anschließend durfte ich die Familie Odenkirchen beim Grillen näher kennenlernen und fühlte mich sofort sehr willkommen und freute mich auf fünf spannende Praktikumstage.

Am Dienstag machte ich dann Bekanntschaft mit dem kompletten Team. Aktuell arbeiten unter der Leitung von Herrn Dr. Odenkirchen noch zwei weitere Tierärzte, sowie eine Auszubildende und eine Tiermedizinische Fachangestellte, welche mich alle sehr herzlich aufgenommen haben.

Durch das weitreichende medizinische Spektrum, welches vom Team geboten wird, war auch meine Woche vor Ort sehr abwechslungsreich.  In den fünf Tagen habe ich Pferde, Hunde, Katzen und Kühe zu Gesicht bekommen. Zwei der für mich interessantesten Fälle möchte ich nachfolgend gern etwas detaillierter erläutern.

Der Dienstag begann zunächst mit einem überwiesenen Herzpatienten (Pferd). Bei einer routinemäßigen Allgemeinuntersuchung vor einer Impfung wurde eine Unregelmäßigkeit des Herzschlages festgestellt. Genau wie beim Menschen muss auch beim Pferd solchen Auffälligkeiten dringend nachgegangen werden, da schwerwiegende Funktionsstörungen nicht nur für das Tier, sondern auch für den Reiter Folgen haben können. Nach einer allgemeinen Untersuchung in Ruhe und unter Belastung erfolgte die Bestimmung der Blutgase aus arteriellem Blut. Hierbei kann der Sauerstoff- und Kohlenstoffdioxidgehalt bestimmt werden. Anschließend folgte die Aufnahme und Auswertung eines EKG sowie ein Herzultraschall. Hier wurde direkt mein im Studium gewonnenes anatomischen Wissen gefordert – ein unheimlich tolles Gefühl, wenn man das theoretisch Gelernte plötzlich in einem Ultraschallbild wieder findet.

Durch die Gesamtheit der Untersuchungen wurden letztendlich ein Vorhofflimmern und eine Arhythmie diagnostiziert. Dies ist ein ernst zu nehmender Befund, da es jederzeit zu einem Herzversagen kommen kann, was natürlich auch für den Reiter ein hohes Risiko mit sich bringt. Somit war auch der Rat der Tierärztin Dr. Trappe eindeutig: man sollte ein Pferd mit diesem Befund nicht mehr reiten. Eine Therapie ist möglich, aber auch risikoreich und kostspielig. Da der Patient bereits 20 Jahre alt ist und sowieso sein Leben als Rentner genießen soll, müssen die Besitzer abwägen, ob sie einen Therapieversuch wagen möchten oder das Pferd mit dieser Herzproblematik seinen Lebensabend genießen lassen wollen.

Patient zwei, ebenfalls ein Pferd, besuchte am Freitagnachmittag die Praxisräume in Unna. Herr Dr. Odenkirchen und ich waren bereits am Vortag vor Ort im Stall gewesen, da die Besitzerin die Abklärung einer Lahmheit ihres Pferdes wollte. Der 17-jährige Wallach ist bereits mehrfach siegreich in Dressuren der Klasse S gewesen und ist somit ein Hochleistungssportler in ansonsten sehr guter Verfassung, wie die Besitzerin uns mitteilte.

Durch Beugeproben und umfangreichen Lahmheitsuntersuchungen auf hartem sowie weichem Boden, wurde das Problem auf den unteren Teil des rechten  Vorderbeines festgelegt und es wurde beschlossen, durch Anästhesien den genauen Grund der Lahmheit herauszufinden, was dann am nächsten Tag in der Praxis erfolgte. Leitungsanästhesien dienen zur Betäubung von bestimmten Abschnitten. Lahmt ein Pferd nach der Anästhesie weiter, so ist diese negativ und die Lahmheitsursache nicht in diesem Bereich lokalisiert. Ist das Pferd lahmfrei, so haben wir ein positives Ergebnis und die Problemstelle ist weiter eingegrenzt.

Bei unserem Wallach ergab bereits die erste Anästhesie eine Besserung, nach der zweiten war das Pferd lahmfrei. Aufgrund einer früheren Hufgelenksproblematik muss diese erneut abgeklärt werden. Dies kann jedoch erst am nächsten Tag erfolgen, wenn das Anästhetikum nicht mehr wirksam ist, welches den kompletten Huf betäubt hat.

Die Hufgelenksanästhesie fiel dann auch positiv aus. Laut dem Chef ist das Hufgelenk das am häufigsten betroffene Gelenk, welches nun mit „IRAP“ behandelt wird. Nach einer kurzen Schonungspause wird der Wallach wieder voll einsatzfähig für die gerade begonnene Turniersaison sein.

Die generelle Arbeitszeit ist von 8:00 – 12:30 und von 14:30 – 18:00. Ehrlich gesagt, diese Zeiten haben wir eher selten einhalten können und dessen sollte man sich absolut bewusst sein. Natürlich gibt es immer mal entspanntere und mal stressigere Tage, aber man sollte nicht erwarten,  dass das Leben als Tierarzt ein 8h/d Job ist. Außerdem gehören natürlich auch Nacht- und Wochenenddienste zum Alltag, welche unter den Tierärzten aufgeteilt werden.

Fazit

Was habe ich sonst noch aus diesem Praktikum mitgenommen: Durch die Offenheit der Tierärzte habe ich vieles erfahren, was man leider eben nicht irgendwo nachlesen kann. Beispielsweise, mit welchem Gehalt ein Anfänger wirklich rechnen kann oder wie schwierig es für einen Chef ist. Neben einem völlig vollen Terminplaner im Tierarztleben ist er nämlich auch Psychologe, wenn er wieder einmal zwischen zwei Fronten in seinem Team vermitteln muss. Außerdem muss er ständig bemüht sein, sein Personal zu fördern und fordern, andersherum aber ein sensibles Gespür dafür haben, wenn jemand gerade sein körperliches Limit übersteigt und diesem entgegen wirken. Als Nebenjob ist man dann auch noch Elternteil und Lebenspartner.

Hier hat mich wirklich fasziniert, wie gut gelaunt, motiviert und unheimlich freundlich das ganze Team ist, obwohl der Job einem absolut alles abverlangt, egal ob als TFA oder als Tierarzt, denn auch die beiden Helferinnen hatten turbulente Arbeitstage und müssen durch viel Organisationstalent und Einfühlungsvermögen Termine planen, Bestellungen und Rechnungen abschicken, für Ordnung in der Praxis sorgen und nebenbei noch die rechte Hand und das zweite Gehirn des Tierarztes sein. Wahrlich keine einfache Aufgabe!

Außerdem habe ich noch viele wertvolle Tipps für die Wahl der noch anstehenden Praktika bekommen, was wirklich sehr hilfreich ist bei der Menge der Möglichkeiten. Und was nicht zu vernachlässigen ist, ich hatte wirklich unglaublich viel Spaß in meinem Praktikum.

Mein Weg in die Pferdemedizin ist mir nun noch klarer als vorher und ich freue mich auf ein weiteres Praktikum in der Tierarztpraxis Odenkirchen, welches für die nächsten Semesterferien in Planung ist!

Ich möchte mich hiermit ganz, ganz herzlich bei Vets4Vieh und meinem Praktikumspaten, der DVG, für diese einmalige Möglichkeit bedanken!

Und natürlich auch ein riesiges Dankeschön an Dr. Odenkirchen, Dr. Appelbaum, Dr. Trappe, Frau Hachen und Frau Nagler für eine tolle Woche in einem sehr sympathischen und kompetenten Team!

Jennifer Bormann



zurück

Praktikant:

Jennifer Bormann

aus 3. Semester

Praxis:


Tierarztpraxis Stefan Odenkirchen
Hertingerstr. 135
59427 Unna
T: 02303-330140
www.tierarzt-odenkirchen.de

Pate:


Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG)
Friedrichstraße 17
35392 Gießen
Telefon: 0641 24466

www.dvg.de