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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Naundorf (02/2015)

Als ich erfahren habe, dass ich eine der Gewinnerinnen der Schnupperpraktika von vets4vieh.de war, habe ich mich riesig gefreut. Ich hatte für dieses Frühjahr auch mein kleines kuratives Praktikum eingeplant und wollte es ursprünglich in einer Großtierpraxis machen, um mir davon mal einen ersten Eindruck zu verschaffen. Leider gelang es mir nicht einen Praktikumsplatz zu bekommen. Umso größer war die Freude über den Gewinn!

Los ging es an einem Sonntag Vormittag. Da ich von München bis Naundorf mehr als den halben Tag unterwegs sein würde, hatten wir abgesprochen, dass ich breits einen Tag vor dem eigentlichen Praktikum anreisen sollte. War auch gut so, denn nach so einem Bahnreisetag ist man doch recht müde und froh, wenn man früh ins Bett kommt.

Am Montag Früh ging es dann also los zum ersten Betrieb. Etwa 50 Trächtigkeitsuntersuchungen standen auf dem Programm. Für mich war es das erste Mal, dass ich meinen Arm „in einer Kuh“ hatte. Vermutlich beschreiben alle Leute dieses erste Erlebnis gleich: Warm, weich und dunkel! =) Das Becken lies sich aber schon beim ersten Versuch leicht ertasten und nach einiger Zeit findet man dann auch tatsächlich mal eine Cervix bzw. eine Gebärmutter. Am Ende des Praktikums konnte ich dann ganz stolz von mir sagen, dass ich tatsächlich den ein oder anderen Eierstock ertastet hatte! Es stimmt also mal wieder: üben, üben, üben!

Ein paar Besamungen später war dann unsere Arbeit in der Großtierpraxis für diesen Tag auch schon erledigt und es ging zurück zur Praxis für eine schöne heiße Dusche und eine kleine Pause bevor am späteren Nachmittag die Kleintiersprechstunde begann. Viel gab es allerdings nicht zu tun, ein bisschen Impfen, Nachkontrolle von Kastrationen – das übliche eben.

In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde ich dann um Mitternacht geweckt. Eine hauseigene Ziege kam in die Praxis zum Kaiserschnitt. Im Vergleich zu einem Kaiserschnitt im Stall hatten wir in der Praxis wirklich ideale Bedingungen – hell und warm. Die OP an sich ging flott, erstaunlich undramatisch und problemlos. Leider war das Lämmchen bereits tot. Es war allerdings so groß, dass die Ziege es vermutlich nie allein raus bekommen hätte. Etwas positives gibt es allerdings doch noch zu berichten: Die Ziege hat am nächsten Tag ein „Flaschenkind“, das von der eigenen Mutter nicht angenommen wurde, adoptiert! =)

Am Dienstag waren wir ebenfalls gut beschäftigt – mit Blutproben nehmen und Impfen. Bei etwa 20 Kühen hatte ich die Gelegenheit mich im Blutproben nehmen zu üben – wie vieles, gar nicht so schwer wenn man erst mal weis wie. Danach waren noch 98 Färsen dran, bei denen ebenfalls Proben genommen wurden und die ich mit dem Impfpistole impfen durfte. Erst gegen frühen Nachmittag waren wir fertig. Nach so einem Vormittag weis man, was man getan hat. Nach einer kleinen Entspannungspause ging es dann noch zu einem Privathalter zu einer Besamung und dann war der Tag auch schon wieder vorbei.

Am Mittwoch in der Früh waren eine Katze und ein Kater zur Kastration in der Praxis. Von der Katze habe ich leider nicht mehr viel mitbekommen, aber bei der Kastration des Katers durfte ich helfen. Obwohl ich schon seit einiger Zeit regelmäßig in einer Kleintierpraxis daheim aushelfe, war das meine erste Kastration und von daher auch sehr spannend.

Danach hatte ich die Gelegenheit einen der wenigen Schweinebestände, die die Praxis betreut, zu sehen. Zu machen gab es dort nichts, da es, wie man mir sagte, generell nur sehr selten Probleme in diesem Bestand gibt. Danach ging es wieder weiter zu einem Rinderbestand. Dort haben wir einige Trächtigkeitsuntersuchungen gemacht, bei einigen Kühen Nachgeburt kontrolliert und ein paar besamt. Eine der Kühe hatte in der Früh erst gekalbt, allerdings war es eine Totgeburt gewesen und das Kalb war bereits total aufgegast gewesen, also schon länger tot. Bei der Kontrolle der Kuh stellte sich heraus, dass sie noch ein weiteres Kalb in sich trug. Obwohl das Kalb in Hinterendlage lag, konnten wir es relativ leicht heraus ziehen. Nach diesem Vormittag hoffte ich doch sehr darauf, dass ich, nachdem ich bisher nur tote Neugeborene zu Gesicht bekommen hatte, doch bald mal ein lebendes neugeborenes Kalb zu sehen.

Am Nachmittag war wieder Kleintiersprechstunde, doch wie bereits am Montag war auch diesmal nicht viel los. Der kastrierte Kater vom Vormittag wurde abgeholt, eine Katze war zum impfen da und bei einem Hund mussten wir zwei Milchzähne ziehen, weil die neuen bereits neben den Milchzähnen raus gewachsen waren.

Der Donnerstag Vormittag begann ganz gemächlich mit einer Besprechung der Standardbehandlungen mit der neuen Zuständigen in einem der Betriebe. Da wir damit erst um 11 Uhr fertig waren, ging es erst gegen Mittag in den Stall. Dort punktierten wir zunächst eine Zyste bei einer Kuh. Danach stand noch die Untersuchung von drei weiteren Kühen auf dem Programm. Eine Kuh mit einer schweren Mastitis und zwei mit Verdacht auf Labmagenverlagerung. Bei diesen beiden bestätigte sich der Verdacht, aber sie sollten direkt zum Schlachter gehen, weshalb wir den Labmagen nicht mehr operierten. Dafür hatten wir noch zwei Kühe mit Schwanzverletzungen. Da sich diese in letzter Zeit in diesem Betrieb häuften, kam der Mistschieber in Verdacht und jemand wurde beauftragt das zu kontrollieren. Die Schwänze der beiden Kühe wurden einen Wirbel über der eigentlichen Verletzung amputiert und verödet. Die Amputation an sich ist relativ einfach, problematischer war es die Blutgefäße abzubinden, denn andernfalls blutete der frische Schnitt heftig. Aber zum Glück ist ein Kuhschwanz sehr lang und bietet viel Platz zum Abbinden!

Der Freitag Morgen begann mit einer weiteren Runde Trächtigkeitsuntersuchungen. Außerdem wurde uns in diesem Betrieb auch noch eine tragende Kuh mit einem auffallend dicken Bauch vorgestellt. Da bei diesem Tier der Verdacht auf eine Eihautwassersucht bestand, riet die behandelnde Tierärztin dazu sofort die Geburt einzuleiten, was dann auch geschah.

Für uns ging es dann mit einer Besprechung aller Tierärztinnen der Praxis weiter, die immer freitags stattfindet um die Termine für die nächste Woche abzustimmen. Erst gegen kurz vor Mittag ging es dann wieder raus. Einige weitere Trächtigkeitsuntersuchungen und Besamungen standen an und einer Kuh nahmen wir Blut zur weiteren Untersuchung, da sie zwar gut fraß, sonst keine Probleme hatte, aber sehr abgenommen hatte. Und dann ging tatsächlich noch ein kleiner Wunsch von mir in Erfüllung und ich traf auf ein neugeborenes Kälbchen! =)

Anschließend versorgen wir im gleichen Betrieb wie am Vortag noch zwei weitere Schwanzverletzungen (ebenfalls durch Amputation) und hatten dann tatsächlich noch eine Operation einer Labmagenverlagerung. In dieser Praxis wird eine Labmagenverlagerung endoskopisch operiert. Für mich sehr interessant, da ich so etwas noch nie gesehen habe. Die OP an sich ist, finde ich, sehr spektakulär, da man in Grunde genommen mit 3 kleinen Einstichen in die Haut auskommt, und erstaunlich unblutig. Nach erstaunlich kurzer Zeit saß der Labmagen wieder an der richtigen Stelle und die Kuh fing sofort wieder an zu fressen. Hundemüde kam ich nach diesem doch ziemlich langen und anstrengenden Tag zurück und packte noch meine Sachen für die Heimfahrt am nächsten Tag.

Als Fazit lässt sich zusammenfassen, dass es für jeden Tiermedizinstudenten, der sich in der Wahl seines Fachgebiets noch nicht ganz sicher ist, mehr als empfehlenswert ist, die Nase auch mal in die Groß- & Nutztierpraxis zu stecken. Ich habe viel neues gesehen und erlebt und – für die kurze Zeit – doch schon einen sehr guten Überblick über die Aufgaben und Tätigkeiten in diesem Bereich bekommen. Für mich ist die Nutztierpraxis nach diesem Praktikum definitiv eine Option geworden und ich werde versuchen weitere Praktika in diesem Bereich zu bekommen. Eine Entscheidungshilfe war es auf jeden Fall und vielleicht ist das ja wirklich meine Zukunft =)

Zum Schluss möchte ich mich nochmal bei der Tierarztpraxis Naundorf (& bei allen dort arbeitenden Tierärztinnen!), bei vets4vieh.de und bei allen anderen, die dieses Praktikum möglich gemacht haben, ganz herzlich für diese großartige Chance bedanken. Ich hoffe, dass es noch vielen andern Studenten ermöglicht wird diese Eindrücke zu sammeln!

DANKE!

Elisabeth Maier



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Praktikant:

Elisabeth Maier

aus 5. Semester

Praxis:


Tierärztliche Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. med. vet. Thomas Leidel und TÄ Ines Leidel
Straße der Einheit 47a 

04769 Naundorf/ Sachsen
T: 03435 66 60 50
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