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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Heeslingen (03/2014)

Mein Praktikum in der tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Heeslingen sollte montags beginnen, weshalb ich nach Absprache mit Familie Deden, bei der ich für die 5 (6) Tage Unterschlupf gefunden habe, schon am Sonntagabend angereist bin.
Ein neuer Angestellter, ebenfalls im Bereich Rinder, holte mich von der Haltestelle ab. Schon während der Fahrt kamen wir gut ins Gespräch und ich fühlte mich direkt willkommen. Bis er in seine neue Wohnung einziehen kann, wohnte auch er mit mir in der Anliegerwohnung der Familie.
Endlich angekommen, hieß mich zunächst Frau Deden mit einer heißen Tasse Tee herzlich willkommen. Herr Deden, später Klaus, hatte noch ein paar Arbeiten zu erledigen, doch bei einem gemeinsamen Abendessen lernte ich nun den Großteil der Familie kennen. Nach so einem positiven Beginn konnte die Woche endlich starten.

1. Praktikumstag

Los ging es immer um 7:15 Uhr mit der 15 minütigen Autofahrt zur Praxis, wo ich auch von den anderen Tierärzten/innen und Mitarbeiterinnen begrüßt wurde.
In der Praxis wurden morgens zunächst die anstehenden Termine des Tages durchgegangen und unter den 4, bald 5, Tierärzten im Bereich Rinder aufgeteilt und danach das Auto bestückt. Da morgens die Tierärzte aller Bereiche anwesend waren (Schweine, Pferde, Kleintiere und Rinder) herrschte immer ein großes Gewusel, bis jeder sich in sein Auto setze und seine Tour startete.

Die Autos erinnern an eine Mischung aus Baumarkt und Apotheke! Für mich schien am ersten Tag die riesige Anzahl an Medikamenten und Utensilien noch unüberblickbar. Am Ende der Woche legte sich dieses Wirrwarr ein Stück weit und ich war nur noch halb so desorientiert wie zu Beginn.

Nun, auf dem Weg zum ersten Patienten, hatte ich zum ersten Mal richtig Gelegenheit, Klaus mit Fragen zu Löchern. Da ich noch keine Erfahrungen mit Nutztieren sammeln konnte und auch von Landwirtschaft keine nennenswerte Ahnung hatte, versuchte ich so viel wie möglich davon aufzunehmen und so war ich schon vor der Ankunft beim ersten Patienten geplättet.

Vor dem Studium der Tiermedizin war Klaus auch schon in der Landwirtschaft tätig und konnte mir zu allem viel erzählen und vor allem einige Zusammenhänge erklären! So nun aber endlich zum ersten Einsatz!

Es standen mehrere Trächtigkeitsuntersuchungen an, so dass Rektalisieren im Akkord angesagt war. Herr Deden startete, überprüfte seine Vermutung mit einem Ultraschallgerät und gab mir Tipps was ich wo fühlen kann bzw. was ich wo fühlen sollte.

Ich muss gestehen, dass ich die ersten zwei Tage froh war, wenn ich überhaupt die Gebärmutter fühlen konnte. Doch im Laufe der Woche und zahlreiche Untersuchungen später klappte es immer besser und ich hatte das Gefühl, nun auch Eierstöcke, Zysten oder Gelbkörper ertasten zu können.

Naja Übung macht den Meister, der Spruch der Woche!

Als nächstes standen einige Besamungen an bei denen ich fasziniert zuschauen durfte.

Ein großes Problem für die Tiere ist der Betonboden in den Ställen, weshalb wir bei den nächsten zwei Landwirten an den Klauen der Tiere Hand anlegen mussten. Hier kam zum ersten Mal, neben der Apothekenabteilung auch die handwerkliche Ausstattung des Autos zum Vorschein. Mit einer Flex wurde die Klaue zunächst abgeschliffen und der Entzündungsherd kam an die Oberfläche. Es wurde gespült, ein Verband angelegt und die Kuh konnte aus dem Klauenstand entlassen werden.

Mittag konnte in der Regel gegen halb eins gemacht werden, damit es meistens gegen 15:15 Uhr weiter gehen konnte.

Ein Highlight der Woche stand direkt am Montagnachmittag an. Ein nach links verschobener Labmagen wurde endoskopisch direkt im Stall behandelt! Die Kuh wurde nur an den Einstichstellen örtlich betäubt, war aber ansonsten bei vollem Bewusstsein. Nach gut einer Stunde war alles vorbei und die Kuh stand wieder sicher auf ihren Beinen, der Wahnsinn.

Total überwältigt konnten wir um 20:00 Feierabend machen und ich bin sofort ins Bett gefallen.

2. Praktikumstag

Am zweiten Tag standen auch wieder viele Trächtigkeitsuntersuchungen an, so dass ich weiter das Rektalisieren üben konnte. Doch der Landwirt hatte noch zwei weitere Sorgenkinder, die Herr Deden sich anschauen sollte. Nach eingehenden Untersuchungen, die Fieber messen, Körpertemperatur fühlen, Herz und Lunge abhören sowie Urinkontrolle durch ein Teststäbchen beinhaltete, wurde klar, dass die eine unter einer Ketose, die andere unter Milchfieber litt. Herr Deden nahm noch Blutproben und nach zahlreichen Infusionen mit Calcium, Glucose, Phosphor und Invertlösung fuhren wir weiter.

Im nächsten Fall litten zwei Kälber unter Durchfall und eines konnte schon nicht mehr aufstehen. Auch hier gingen scheinbar Unmengen an Volumina an Infusionen in den kleinen Tierkörper. Da der Landwirt in geraumer Vorzeit schon zwei Kälber verloren hatte, bat er um eine genaue Untersuchung der Ursache und Herr Deden nahm von beiden Stuhlproben. Unter genauer Anweisung durfte ich dem Kalb eine Spritze subkutan verabreichen. Die Proben sollten zum Teil im eigenen Labor für einen Schnelltest genutzt werden, um den Landwirt möglichst schnell über einen Verdacht informieren zu können, der andere Teil wurde eingeschickt und genauer untersucht.

3. und 4. Praktikumstag

Nach Absprache durfte ich am Mittwochvormittag bei Frau Thies, Fachtierärztin für Schweine mitfahren. Sie erklärte mir, dass wir zu einem Biobauern fahren, der seine Schweine in Freilandhaltung hält. Dort untersuchten wir 80 Säue mit einem Ultraschallgerät auf Trächtigkeit. In jeder Bucht lagen ca. 10-15 Säue.

Ich hatte etwas Bammel dort hinein zu gehen, da sie auch ein lautes Grummeln bis Bellen von sich gaben. Doch als ich erst mal drin war, war es halb so schlimm und ich konzentrierte mich auf das Markieren der Säue.

Nach dem ersten Untersuchungsmarathon stand im selben Betrieb noch ein zweiter an. 21 Bruchferkel mussten kastriert werden. Kerstin erklärte mir sehr viel zum Thema Haltung und Verhalten sowie zu häufigen Krankheitsbildern der Tiere. Es hat richtig viel Spaß gemacht und so habe ich sie am nächsten Tag auch noch zu zwei weiteren Kunden begleiten dürfen. Es mussten Säue geimpft und die Zähne eine Ziege zu einer einheitlichen Fläche abgefräst werden. Diese hatte schon Wickel gekaut und ihr Futter daher wieder ausgespuckt. Die Besitzer vermuteten einen Schlundverschluss, doch es schien wirklich nur an den Zähnen zu liegen.

Nachmittags war ich wieder im Rindersektor unterwegs und ein weiteres Highlight stand an, ein Kaiserschnitt. Herr Deden kam bei der OP richtig ins Schwitzen, ich stand die ganze Zeit wie gespannt daneben und durfte unter Anweisung auch richtig mithelfen.
Die Geburt hätte schon einen Tag früher stattfinden sollen, so dass das Kalb leider nur noch tot geborgen werden konnte. Die Versorgung der Kuh stand also nun im Vordergrund.
In den nächsten Tagen der Nachkontrolle sah auch  weiterhin alles sehr gut aus und ich hoffe, dass es noch so ist.

Beim Drenschen mit einer Nasenschlundsonde konnte ich zunächst zuschauen und später dann auch selbst handanlegen. Dabei wird eine Mischung verschiedener Substanzen gemischt und der Kuh durch die Nase direkt in den Pansen eingeflößt.

5. Praktikumstag

Auch dieser Tag stand wieder im Zeichen der Chirurgie. Diesmal war der Labmagen einer Kuh nach rechts verschoben, weshalb seitlich die Bauchwand eröffnet werden musste. In der Nachbehandlung ging alles gut.

Viel zu schnell kam der letzte Tag und ich musste wieder abreisen.

Fazit

Die Woche in der tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Heeslingen hat mir unglaublich gut gefallen.

Ich hatte vorher keine Ahnung von den Abläufen einer Großtierpraxis und deren Aufgabenfeldern. Für mich war es körperlich schon etwas anstrengend und die Arme wurden allein durch das Rektalisieren von Tag zu Tag schwerer, aber mir wurde gesagt, dass dies normal sei und man im Laufe der Zeit bessere Techniken für sich entwickle und die Arbeit kein Ding der Unmöglichkeit ist. Man ist viel an der frischen Luft, sitzt allerdings auch, je nach Lage der Höfe, viel im Auto und legt am Tag mehrere Kilometer zurück.

Das Handy scheint niemals still zu stehen, da viel zwischen den Kollegen besprochen wird, die Praxis neue Termine, Blutergebnisse oder sonstiges durchgibt oder Kunden sich auch direkt an einen wenden.

Die Woche hat mir einen guten ersten Einblick in den Bereich der Arbeit mit Nutztieren gegeben und mein Fazit ist durchaus positiv. Die Tür in dieser Richtung später zu arbeiten wurde für mich durch das Praktikum daher weiter aufgestoßen.

Darum kann ich es nur jedem empfehlen, diese Möglichkeit wahrzunehmen und für alle Richtungen offen zu sein. Es lohnt sich!

Ich möchte mich vor allem bei der Gemeinschaftspraxis Heeslingen für die Möglichkeit dieses Praktikums sowie den freundlichen Umgang, das offene Ohr und die Geduld mir gegenüber bedanken.
Besonderer Dank geht natürlich an Familie Deden für die gestellte Unterkunft, die freundliche Aufnahme und das hin und her kutschieren. Auch Marek, der mich in der Woche freundlich in der Wohnung aufgenommen hat, gilt besonderer Dank.

Nicht zu vergessen die Vetion.de GmbH, die das alles überhaupt erst möglich gemacht hat und mein Pate, der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG).

Viviane Filor



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Praktikant:

Viviane Filor

TiHo Hannover

Praxis:


Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Heeslingen
Stader Str. 5

27404 Heeslingen
T: 0 42 81 - 24 84
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Pate:


Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG)
Friedrichstraße 17
35392 Gießen
Telefon: 0641 24466

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