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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Büren (10/2013)

Durch die Initiative vets4vieh.de hatte ich das große Glück ein einwöchiges Schnupperpraktikum in der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Büren FGS - Veterinär GmbH zu absolvieren. Also packte ich am 29. September 2013 meine Koffer und fuhr einmal quer durch die Republik von Leipzig nach Büren bei Paderborn, um die Arbeit an den großen Tieren live zu erleben. Dr. Christoph Sudendey empfing mich sehr herzlich und ich fühlte mich sofort gut aufgehoben. Die Gemeinschaftspraxis hat sogar eigene Unterkünfte, in denen ich für die Dauer des Praktikums wohnen konnte.

Das Team der Praxis besteht aus 14 Tierärzten, 5 Tierarzthelferinnen und 2 Bürokräften. Der Schwerpunkt der Praxis liegt im Schweinebereich. Aber auch Rinder und Pferde gehören zu den Fachkompetenzen. An die Praxis ist auch eine Kleintiersprechstunde angeschlossen und es gibt sogar eine praxiseigene Sektionshalle.

Der Tag beginnt in der Gemeinschaftspraxis um 8 Uhr mit der täglichen Besprechung. Da das Team der Praxis verhältnismäßig groß ist, werden die Besprechungen in kleineren Gruppen abgehalten. Die Tierärzte aus der Schweinepraxis, Rinderpraxis und Pferdepraxis besprechen jeweils ihre aktuellen Fälle und Probleme unter sich. An meinem ersten Tag durfte ich mit der TÄ Tanja Fleischer mitfahren. Unser erster Einsatz führte uns zu einem Schweinebetrieb bei dem Binneneber geschnitten werden sollten. Auf dem Weg dorthin erklärte mir Frau Fleischer die verschiedenen Betriebsformen (geschlossenes System, Ferkelerzeuger, usw.) und wie die Abläufe in solchen Betrieben sind. Da ich noch nie zuvor in einem großen Schweinestall gewesen war, warnte mich Frau Fleischer schon mal vor, wie laut es dort zugehen würde. Und in der Tat, Schweine sind sehr laut. Frau Fleischer zeigte mir, wie man Ferkel fängt, anfasst und narkotisiert. Anschließend erklärte sie mir, wie man Binneneber kastriert und ich konnte dabei zuschauen.

Da in dem Bestand ab und zu Schweine mit Husten auftreten, wurde zunächst die Frischluftzufuhr anhand der Ausbreitung von Nebel kontrolliert. Es konnten aber keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Im Rahmen der weiteren Ursachensuche wurde bei zwei Zuchtläufern eine Lungenspülung durchgeführt. Der erste Versuch, dies direkt über die Trachea durchzuführen, war wegen der Größe des Tieres erfolglos, daher wurde der Schlauch über das Maul eingeführt.

Die entnommenen Lungenspülflüssigkeiten schickten wir für mikrobiologische Untersuchungen in das Labor.

Dann ging es zum nächsten Termin, wo wir erfolgreich Binneneber, von denen einige einen Leistenbruch hatten, behandelten.

Am Nachmittag fuhren wir zu einem Betrieb, in dem mehr als 300 Schweine geimpft werden sollten. Als erstes wurde der Impfstoff angesetzt und dann zeigte mir Frau Fleischer, wie man Schweine richtig impft. Mit der Impfpistole bewaffnet, ging es los. Dabei lernte ich auch, auf was man alles achten muss, wenn man eine Bestandskontrolle durchführt. So erkennt man zum Beispiel einen Eisenmangel bei Ferkeln an der Hautfarbe. Der letzte Patient für diesen Tag war ein Eber mit angeschwollenen Gelenken, der auch nicht mehr selbständig stehen konnte und für den eine weitere Behandlung vereinbart werden musste.

Am nächsten Tag standen für mich Rinder auf dem Programm. Dr. Christoph Meis fuhr mit mir zuerst zu zwei Kühen mit entzündeten Klauen. Nachdem das entzündete Gewebe entfernt wurde bekamen die Kühe einen Verband und durften zurück in ihren Stand. Da wir dann schon mal da waren, kastrierten Dr. Meis noch schnell einen Binneneber. Der nächste Patient war ein Kälbchen, das sich in einem schlechten Allgemeinzustand befand, sich aber auf dem Weg der Besserung befand. Ich durfte die Temperatur messen, die schon deutlich gesunken war im Vergleich zum Vortag. Das Kälbchen bekam eine Infusion mit Glukose und Natriumbicarbonat. Beim nächsten Betrieb standen zwei Trächtigkeitsuntersuchungen (TUs) an. Nach positivem Befund wurden die Kühe auch gleich besamt. Während den Fahrten zu den einzelnen Betrieben lernte ich einiges über die verschiedenen Kuhrassen, Betriebe (Milchvieh-, Mastviehhaltung) und Fütterung. Im Laufe des Tages standen noch weitere TUs und Besamungen an. Zwischendurch wurden wir zu einer Kuh gerufen, die Verdacht auf eine Labmagenverlagerung und Ketose hatte. Zunächst wurde der Allgemeinzustand der Kuh untersucht, Fieber gemessen, Herz und Magen-Darmgeräusche abgehört und der Wert von β-Hydroxybutyrat im Blut bestimmt. Der Wert war mit 1,8 deutlich höher als der Normalwert von 0,9, somit bestätigte sich der Verdacht der Ketose. Die Behandlung der Kuh erfolgte mit einer Infusion von Glucose und einer Nährstofflösung, zusätzlich bekam sie noch i.m. Dexamethason.

Mittwochs gibt es in der Praxis regelmäßig ein Seminar zu aktuellen Themen. Da kurz vorher der bpt-Kongress in Mannheim stattfand, wurde der Vortrag von Prof. Dr. K. Jurkat im Rahmen der aktuellen Ereignisse in der Berufspolitik besprochen. Dabei stand auch das viel diskutierte Dispensierrecht der Tierärzte im Fokus. Für mich war es sehr interessant zu erleben, welche Rolle die Politik im Berufsstand Tierarzt einnimmt. Im Studium bekommt man zu diesen Themen eher weniger mit. Nach dem Seminar bin ich mit TÄ Regina Böger zu verschiedenen Schweinebetrieben gefahren. Unterwegs erklärte mir Frau Böger nochmal die verschiedenen Produktionszyklen, die Betriebe je nach Größe haben können. Im ersten Stall sollten Binneneber kastriert werden. Da es an dem Tag verhältnismäßig ruhig zu ging, durfte ich nach genauer Anweisung von Frau Böger zum ersten Mal selbst Binneneber schneiden. Die Mittagspause verbrachten wir in der Praxis. Nachmittags fuhren wir nochmal raus, um in einem Betrieb Schweine zu impfen.

Der nächste Tag war ein Feiertag und ich hatte daher die Gelegenheit, mit TÄ Marina Behling einen Notdienst zu erleben. Als erstes kam ein Hund mit einer Augenentzündung in die Praxis. Er bekam Augensalbe, die das Jucken unterdrücken sollte. Der nächste Patient war ein Pony mit Verdacht auf Kolik. Im Laufe des Notdienstes wurden noch ein Hund mit vermehrtem Speichelfluss und eine Katze mit eitrigem Ausfluss behandelt.
Abends wurden die zweite Praktikantin Katrin und ich von Dr. Christoph Sudendey nach Hause eingeladen, wo wir die von Katrin gesammelten Pilze verspeisten. Die im Übrigen sehr lecker waren.

An meinem letzten Tag fuhr ich wieder mit Dr. Meis mit. Als erstes wurden wir zu einem Notfall gerufen. Laut Aussage des Bauern wäre das Kälbchen fast tot, als wir jedoch am Hof ankamen, stand es schon wieder. Nach Untersuchungen des Allgemeinzustandes war nichts Auffälliges zu finden, außer dass dem Kalb ein Hoden fehlte. Den restlichen Tag wurden hauptsächlich Bestandsuntersuchungen durchgeführt, Gebärmütter gespült und Kühe besamt. Während Dr. Meis die Kühe auf Trächtigkeit untersuchte, versuchte ich irgendetwas auf dem Ultraschallgerät zu erkennen. In einem Bestand fiel noch eine Kuh mit einer riesigen Beule an der Flanke auf. Dr. Meis punktierte die Beule, die mit Flüssigkeit gefüllt war. Die eitrige Flüssigkeit wurde vollständig entfernt und in die Wunde wurde eine mit Iod getränkte Mullbinde getan, damit das Wundwasser ablaufen kann. Zwischendurch waren wir noch bei einem Schäfer, dessen Schafe mit Verdacht auf Lippengrind vorgestellt wurden. Eine endgültige Diagnose konnte jedoch nicht gestellt werden, da einige Tiere zusätzlich einen stark angeschwollenen Kopf und auffällige Mundschleimhäute aufwiesen. Dr. Meis entnahm daraufhin Blut für weitere diagnostische Untersuchungen im Labor. Die letzte Kuh für den Tag wies einen schlechten Allgemeinzustand auf, sie hatte eingefallene Augen und einen dicken Bauch. Nach der Untersuchung konnte auch keine genaue Diagnose gestellt werden, so dass die Kuh erst mal weiter beobachtet werden sollte. Zum Schluss des Praktikums wurden wir zu einem Kater gerufen, der voller Blut war. Die Ursache dafür war wohl ein Kampf mit einem Hund. Nach genauer Untersuchung konnten jedoch keine tiefen Bisswunden gefunden werden, so dass wir davon ausgingen, dass das meiste Blut wohl von dem Hund stammt.

Fazit
Abschließend möchte ich sagen, dass ich eine tolle Zeit in der Gemeinschaftspraxis Büren hatte. Ich möchte mich bei dem gesamten Team für die herzliche Aufnahme bedanken, das Arbeitsklima war super. Alle haben geduldig und freundlich meine Fragen beantwortet. Mir wurde in der Woche viel gezeigt, ich konnte jede Menge an Erfahrungen sammeln. Mein persönliches Highlight war natürlich die Kastration der Binneneber, die ich selbständig durchführen durfte. Obendrein war es sehr interessant, auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten in den Ställen zu treffen und den daraus resultierenden Umgang zwischen Bauer und Tierarzt zu beobachten. Trotz des kurzen Zeitraumes habe ich einen ziemlich lehrreichen und interessanten Einblick in den Alltag einer Nutztierpraxis gewonnen. Nach den gemachten Erfahrungen kann ich mir definitiv vorstellen, eine Laufbahn im Groß- und Nutztierbereich anzustreben. Somit war die Entscheidung, bei diesem Gewinnspiel mitzumachen, genau die richtige und ich kann jedem empfehlen, der die Möglichkeit zu einem solchen Praktikum hat, die Chance zu nutzen. Ich bedanke mich bei der Initiative vets4vieh.de und dem Team der Gemeinschaftspraxis Büren FGS - Veterinär GmbH für dieses tolle Erlebnis.

Stefanie Trojandt

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Praktikant:

Stefanie Trojandt

Uni Leipzig

Praxis:


FGS – Veterinär GmbH
Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
Bruchberg 24
33142 Büren
T: 02951 - 98750
fgs-vet@t-online.de
www.fgs-bueren.de

Pate:


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