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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Passail (09/2013)

Während des Physikums bewarb ich mich über Vets4Vieh.de für ein Schnupperpraktikum in einer Großtierpraxis, weil ich schon früh wissen wollte, ob diese Arbeit etwas für mich ist. Ich gewann und durfte in der Almenlandpraxis bei Herrn Dr. Elmer vom 30.9. bis 6.10.2013 erste Großtier-Erfahrungen sammeln.

Nach meiner Zugfahrt nach Österreich holte mich Herr Dr. Elmer vom Bahnhof ab und erklärte mir gleich, wo ich wohnte, wer alles in der Praxis arbeitete und wie ein Arbeitstag aussah. In der Wohnung angekommen, zog ich mich sofort um und wir fuhren direkt zum ersten Fall. Ein Kollege war dort aber leider schon fertig, als wir ankamen. So blieb nur noch, mich kurz vorzustellen. Sowohl die Tierärzte als auch die Landwirte empfingen mich sehr freundlich! Im Nachhinein denke ich gerne daran zurück, wie viele Bauern und Bäuerinnen gleich auf mich zukamen und sich für mich interessierten. Ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft vermerke ich definitiv als Argument für die Landtierarzt-Tätigkeit.

Meine Arbeitstage begannen morgens um acht Uhr an der Praxis, wo ich wartete, bis ein Tierarzt mich zu seinem Dienst mitnahm, und endeten abends gegen sieben Uhr.

Dabei muss erwähnt werden, dass die Großtierpraktiker natürlich schon viel früher anfingen, aber diese Zeit ausgemacht wurde, weil sie eben praktikantenfreundlicher war. Morgens ging es meistens mit einigen Besamungen los, bei denen ich Gelegenheit hatte, rektale Untersuchungen zu üben. Dabei diente die Seminette als Orientierungshilfe, da das Wichtigste war, zuerst einmal die Zervix zu finden und sich dann zum Uterus der Kuh vorzutasten. Dies war äußerst schwierig und ich musste oft zugeben, gar nichts zu erkennen. Von den Tierärzten hörte ich aber immer, dass das ganz normal sei am Anfang und dass sie genauso angefangen hätten.

Am ersten Tag wurden wir zu einer Kuh gerufen, die ein dickes Klauengelenk hatte. Die Untersuchung zeigte, dass sie große Schmerzen hatte und die Entzündung größere Bereiche am Fuß umfasste. Der Tierarzt erklärte dem Bauern, dass das vor Ort nicht behandelt werden könne und sie nur in der Wiener Uniklinik adäquat versorgt würde. Der Bauer fürchtete immense Kosten auf sich zu kommen, woraufhin ihm der Tierarzt erklärte, dass die Uniklinik immer sehr günstig behandle und auch selbst die Kuh abhole und zurückbringe, da sie an chronischem Patientenmangel leide. Bei diesem Gespräch wurde mir gleich zu Beginn vor Augen geführt, dass es im Nutztierbereich auch immer um die Wirtschaftlichkeit eines Eingriffs geht. Das muss ich leider als Argument gegen den Beruf vermerken.

In den nächsten Tagen halfen wir unter anderem bei einer Schwergeburt, bei der das Kalb leider nur noch tot herauszuholen war, gaben festliegenden Kühen Calcium-Infusionen und kastrierten Kälber. Bei der unblutigen Kastration nach Burdizzo wurde mir ausführlich erklärt, wie ich vorgehen musste und was man falsch machen konnte. Doch in beiden Fällen habe ich wie gewünscht den Samenstrang gequetscht und nicht die Harnröhre, sodass ich sehr froh über den Erfolg war.

An einem Nachmittag besuchte ich die Kleintiersprechstunde, bei der Hunde geimpft, Geschwüre punktiert und eine Katze als Operationsvorbereitung infundiert wurde. Schließlich wurde uns noch eine 16-jährige Katze vorgestellt, die auf Grund ihres Alters nicht mehr an den Zähnen operiert werden konnte, was nötig gewesen wäre.

Am folgenden Tag wurden wir zu einem an Grippe erkrankten Kalb gerufen. Ich wurde gleich ermutigt die Lunge auszukultieren, wobei mir das verstärkte Atemgeräusch und auch eine erhöhte Atemfrequenz auffielen. Hilfreich war dabei, das gesunde Kalb daneben zu schnappen und ebenfalls auszuhorchen, der Unterschied war riesig! Später stand die blutige Kastration eines Hengstes an, was auch ein sehr eindrückliches Erlebnis war. Es dauerte recht lange, aber nachdem alles erfolgreich verlief, waren Tierärzte und Besitzer erleichtert.

Der nächste Tag begann für mich mit einer Euthanasie einer vermutlich an Pararauschbrand erkrankten Kuh. Sie war apathisch und von der Krankheit gezeichnet. Sicherlich kein optimaler Start in den Arbeitstag, aber das gehört dazu und immerhin konnten wir das abgemagerte Tier von seinem Leiden erlösen. Am gleichen Tag stellten wir noch eine Ovarzyste bei einer zu belegenden Kuh fest, was sich damit erledigte und zunächst eine Behandlung der Zyste erforderte. Später deutete ich beim Rektalisieren das Pressen einer Kuh nicht rechtzeitig als drohendes Unheil und bekam die ganze Ladung ab. Ein für alle Beteiligten lustiger Zwischenfall, aber mit einem neuen Kittel ging es weiter. Wir kamen zu einer Kuh, die sich eine Zitzenverletzung zugezogen hatte und führten sie in den Melkstand, was das Desinfizieren und Nähen der Wunde enorm erleichterte.

Doch es gab auch unerfreuliche Ereignisse: Wir sollten sofort zu einem schwer kranken Kalb kommen. Nachdem der Bauer selbst aber auf sich warten ließ, suchten wir das Kalb und gaben ihm gleich eine Infusion. Neben seinem deutlich sichtbaren Wassermangel, überdrehte es im Liegen den Kopf, was ein Hinweis für eine Cerebrocorticalnekrose (CCN) war. Als der Bauer kam, erklärte er, dass es auch kaum und (wie sich herausstellte) zu spät Kolostrum aufgenommen hatte. Ein fehlender Immunschutz verringerte also zusätzlich die Überlebenschancen des Kalbes. Einen Meter daneben stand ein kleines Kalb - an einen kurzen Strick gebunden. Neben der Tatsache, dass der Bauer zu wenig nach seinen Kälbern schaute, verstieß er also auch noch gegen die Tierschutzhaltunsverordnung bzw. deren österreichischem Pendant. Der Tierarzt machte den Landwirt eindringlich darauf aufmerksam und ließ eine Anzeige anklingen, wenn jener nicht Boxen für die Kälber anfertigte und das Kalb losband. Zum Glück war dieser Fall die Ausnahme von ansonsten vorbildlichen Rinderhaltungen im Passailer Becken, dem Einzugsgebiet der Almenlandpraxis.

In den nächsten Tagen behandelten wir eine Kuh auf Pansenazidose und mit Hilfe eines Magneten auf einen Hauben-Fremdkörper, weil das der Bauer so wünschte. Bei der Gelegenheit erklärte mir Herr Dr. Elmer, dass man in solchen Fällen auf jeden Fall dem Willen des Tierhalters entsprechen solle, so unwahrscheinlich diese Krankheitsursache auch sei. Würde die eigene Therapie nicht anschlagen und hätte man die vom Bauer abgelehnt, bekäme man mit Sicherheit die Schuld dafür in die Schuhe geschoben. Bei der doppelten Therapie könne dagegen gar nichts schief gehen. Auf dem Weg zum nächsten Fall machten wir einen Abstecher zu einer Kuh, bei deren Geburt es lange Zeit nicht voran ging. Also packten wir den Geburtshelfer und zogen das Kalb aus dem Geburtskanal. Es lebte! Kurz noch versorgt und geschaut, dass es Mutter und Kind gut ging und dann sind wir auch schon weitergefahren zum ursprünglichen Ziel. Am Ende traute ich mich dann selbst noch an intramuskuläre Injektionen am Hals, suchte und fand Kokzidien unter dem Mikroskop und freute mich, dass ich bei der Rektaluntersuchung endlich Fortschritte machte.

Fazit
Als Fazit lässt sich sagen, dass die Entscheidung, ein Praktikum in der Großtierpraxis zu machen, genau die richtige war. Ich wollte einfach wissen, wie der Arbeitstag eines Landtierarztes aussah und das weiß ich jetzt. Außerdem hat es mir auch viel Spaß gemacht, was auch der tollen Betreuung der Tierärzte zu verdanken ist! Auszugsweise habe ich hier schon ein Argument für und eins gegen diesen Beruf aufgeführt. Die Liste ist natürlich länger, aber ich kann feststellen, dass ein positiver Eindruck zurück bleibt.

Bis zum Ende des Studiums habe ich noch viel Zeit, die ich nutzen werde, um auch Erfahrungen auf anderen Gebieten zu sammeln. Ob am Ende meine Wahl auf den Großtierarzt fällt, kann ich daher noch nicht sagen. Das Angebot von Vets4Vieh.de, jungen Studenten einen Einblick in die Nutztierpraxis zu geben, ist aber mit Sicherheit eine Bereicherung für beide Seiten, wofür ich mich an dieser Stelle auch bedanken möchte.

Arne Auste

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Praktikant:

Arne Auste

LMU München

Praxis:


Tierärztliche Praxisgemeinschaft
Dr. Elmer - Dipl. Tzt. Wurm
Weizerstr. 132
8162 Passail 132
T: 0043-(0)3179-23120
praxis@almenlandtierarzt.at
www.almenlandtierarzt.at

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