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Praktikumsberichte

Praktikum in Niedersachsen

Auf die Bitte meines Betreuers vor Ort, reiste ich bereits am Sonntag vor Praktikumsbeginn in Wittingen an. Dort wurde ich sehr freundlich mit Kaffe und Kuchen begrüßt. Auch über das ganze Praktikum hinweg wurde ich sehr herzlich aufgenommen, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal bedanken möchte!

1. Tag
Mein erster Arbeitstag fing 7.30 Uhr am Montag mit der allmorgendlichen Rundfahrt über die betreuten Höfe an.
Bei unserem ersten Patienten mussten wir die Eihäute manuell von den Karunkeln entfernen, da sich die Nachgeburt nicht in dem dafür vorgesehenen Zeitraum selbstständig abgelöst hatte. Somit konnte ich gleich zu Anfang einer der häufigsten Behandlungen in der Nutztierpraxis beiwohnen.
Im Anschluss daran eilten wir zu einem Notfall. Auf einem der Höfe lag eine Kuh mit Milchfieber, deren Calciumhaushalt und Mineralstoffwechsel wir mittels Infusionen wieder stabilisierten.
Des Weiteren behandelten wir eine an Mastitis erkranke Milchkuh medikamentös. Neben diesen Behandlungen nahmen wir auch die zur täglichen Bestandkontrolle dienenden Pflichten, wie zum Beispiel Trächtigkeitsuntersuchungen, künstliche Besamungen und andere Fertilitätskontrollen, wahr.
Zum Abschluss des Vormittags fuhren wir zum örtlichen Schlachter und führten die wöchentliche Fleischbeschau durch, wobei wir zuerst die inneren Organe untersuchten und Trichninenproben zur späteren Untersuchung im Labor nahmen. Zusätzlich kontrollierten wir den Zustand der geschlachteten Tiere im Kühlraum und prüften die hygienischen Gegebenheiten der Schlächterei.

Ich durfte bereits am ersten Tag kräftig mit anpacken und einige vaginale und auch rektale Untersuchungen, selbstverständlich mit vorheriger Kontrolle des Tierarztes, selbst durchführen. Auch intramuskuläre Injektionen, wie den Progesteronhemmer Prostaglandin, konnte ich selbst setzen.

2. Tag
Der Dienstag war ein sehr spannender Tag.
Neben den täglichen Behandlungen, wie Trächtigkeitsuntersuchungen, Besamungen, das Entfernen von Nachgeburten und die Behandlung von einer Mastitis, mussten wir uns an diesem Tag gleich um mehrere Notfälle kümmern.
So hatte bereits unser erster Patient des Tages in fortgeschrittener Trächtigkeit eine Torsio Uteri. Wir gaben ihr zunächst ein krampflösendes Mittel zur Erweiterung des Muttermundes um später am Vormittag dann das Kalb samt Uterus im Mutterleib herum zu drehen. Da dabei jedoch die Fruchtblase platzte, beschlossen wir, das Kalb gleich auf die Welt zu holen. Aufgrund des nicht ausreichend geweiteten Muttermundes gestaltete sich dies als kraftaufwendige Arbeit, die jedoch mit dem Leben von Kalb und Muttertier belohnt wurde. Während der Einwirkzeit des krampflösenden Medikaments fanden wir auf einem anderen Hof eine Milchkuh mit nicht ganz eindeutigen Symptomen vor, die jedoch entweder auf eine Labmagenverlagerung oder eine Verdrehung des Darmspiegels an der Gekrösewurzel hinwiesen. Wir setzten für die Kuh eine OP am frühen Nachmittag an, bei der sich eine Labmagenverlagerung diagnostizieren und korrigieren ließ.
Auf unserer Kontrollfahrt am Nachmittag fanden wir dann eine festliegende Kuh vor, bei der eine zentrale Parese (oder Compressio caudae equinae) diagnostiziert wurde. Die Behandlung setzte sich aus einer epiduralen Injektion von Prednisolon in den betroffenen Intervertebralraum und einer parenterale Antibiotikagabe zusammen.

Auch an diesem Tag durfte ich nicht nur zusehen sondern auch rektale und vaginale Untersuchungen selbst vornehmen.

3.Tag
Am Mittwoch hatten wir auf dem ersten Hof gleich elf Trächtigkeitsuntersuchungen zu bewältigen, wobei ich die eindeutigen der Diagnosen unter Anleitung meines Betreuers nachvollziehen durfte. Natürlich sind auch hier wieder einige Nachbesamungen angefallen. Auf dem nächsten Hof führten wir eine Nachkontrolle einer bereits am Labmagen operierten Kuh durch und behandelten eine weitere Kuh gegen Mastitis.
Unser letzter Patient war die Kuh mit der Uterustorsion vom Vortag diesmal mit einem akuten Milchfieber, dass mit Infusionen behandelt wurde.
Am Nachmittag dieses Tages fanden wir dann einen ungewöhnlichen, weil seltenen Patienten vor. Ein Schaf hatte sich auf der Weide eine Verletzung der Cornea zugezogen. Doch, da sich das Einfangen schwierig gestaltete und der Schaden einen solchen Stress für das Tier nicht rechtfertigte, ließen wir das Schaf unbehandelt.

4.Tag
Der Donnerstag war wiederum ein sehr arbeitsreicher aber auch interessanter Tag. Den Vormittag verbrachten wir größtenteils mit der Nachbehandlung der Mastitis und der Milchfieberkuh.
Auf dem nächsten Hof brauchte wieder eine Kuh Hilfe beim Entfernen der Nachgeburt, wobei ich diese Behandlung zu großem Anteil selbst vornehmen durfte.
Der nächste Patient wies verschiedene Symptome auf, die auf eine Stoffwechselerkrankung des Leberkreislaufes deutete. Wir behandelten mithilfe einer intravenösen Infusion, die ich setzten, sprich: bei der ich die Vene anstechen und die Nadel setzen durfte.
Auf unserem letzten Hof für diesen Tag fanden wir einige Kühe mit Flechten im Gesicht vor, die sie sich vermutlich auf einer Moorweide geholt hatten und ein Kälbchen mit Nabelentzündung, die mit einer Salbe behandelt wurde.

Auch an diesem Tag durfte ich einige vaginale Routineuntersuchungen durchführen.

5.Tag
Der letzte Tag gestaltete sich für mich recht kurz, da mein Betreuer mir für den Nachmittag frei gab, um zu packen und im Hellen die rund 200 Kilometer nach Hause zu fahren.

Der Vormittag verlief recht ruhig und kann in der Durchführung von Nachgeburtenkontrolle, Trächtigkeitsuntersuchungen und Besamungen an verschiedenen Höfen zusammengefasst werden.
Zum Abschluss jedoch wurde bei einem Kälbchen eine Entzündung des Darmtraktes diagnostiziert, dessen Behandlung mit zwei subkutanen Injektionen ich selbstständig (unter Anweisungen) übernehmen durfte.

Kleintiersprechstunde:
Um die Mittagszeit und nach Beendigung unserer Fahrt am Nachmittag war in der Kleintierpraxis am Haus Sprechstundenzeit. Meist waren nicht viele Patienten dort vorstellig oder einige Patientenbesitzer wollten Medikamente abholen.
Am Montag waren ein Wurf Hundewelpen zur Kontrolle und Entwurmung da, sowie ein Hund mit abgebrochener Kralle. Einige weitere Impfungen schlossen sich im Laufe der Woche an aber meist beschränkte sich der Dienst auf die Ausgabe von Wurmkuren oder anderen Parasitenbekämpfungspräparaten.
Ein kleines Labor war in der Praxis ebenfalls eingerichtet, sodass einfache Untersuchungen von zum Beispiel Blut und Kot möglich war.
Des Weiteren hatten wir mehrere Fleischproben aus unserer Beschau der Schlächterei am Montag und einiger Jagdstücke zu untersuchen. Diese Proben zerkleinerten wir mechanisch und versetzten sie mit einer Pepsin- Salzsäurelösung. Nach einer Einwirkzeit von cirka einer halben Stunde wurde dann die Lösung auf einer Rasterpetrischale unter dem Mikroskop untersucht und dabei negativ auf Trichinen getestet.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal betonen, dass ich trotz des kurzen Zeitraums des Praktikums einen wenn auch nicht sehr umfangreichen so doch einen lehrreichen und interessanten Einblick in den Alltag einer Nutztierpraxis gewonnen habe.
Mir wurde es ermöglicht, viele Dinge selbst zu sehen, zu spüren und auch im Rahmen des Möglichen zu praktizieren.
Ich kann nur jedem empfehlen, diese Möglichkeit, wenn sie sich denn anbietet, zu ergreifen.

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Praktikant:

Jana Grollmütz