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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Melle

Im Rahmen der Initiative Vets4vieh absolvierte ich im Zeitraum vom 11.08. – 15.08.2008 ein Praktikum in der Tierarztpraxis von Frau Inge Böhne in Melle.
Frau Böhne führt zusammen mit Frau Dr. Greimann eine Gemeinschaftskleintierpraxis und wird zudem noch von einem Assistenztierarzt und zwei Tierarzthelferinnen unterstützt. In den fünf Tagen meiner Praktikumszeit war ich nicht nur im Praxisteam, sondern auch in der Familie integriert. In der Praxis wurden Klein- und Großtiere behandelt, wobei der Schwerpunkt in der Großtierpraxis in der Betreuung von Schweinebetrieben (Zuchtsauen und Mastschweinehaltung) liegt.

An meinem ersten Praktikumstag war der erste Patient ein kleiner Hundewelpe, der mit den Symptomen Erbrechen und Durchfall von seinen Besitzern in die Praxis gebracht wurde. Nach gründlicher Untersuchung durch den Assistenzarzt mit Röntgen des Abdomens wurde die Diagnose Gastritis gestellt. Der Besitzer konnte den Welpen nach Gabe von entsprechenden Medikamenten wieder mit nach Hause nehmen. Weiterhin besuchten wir an diesem Tag verschiedene Landwirte und impften ca. 350 Schweine gegen PRRS und mit dem neuen Impfstoff CIRCOVAC. Bei PRRS handelt es sich um eine Krankheit bei Schweinen, die durch einen Virus verursacht wird und über die Lungen in das Tier dringt. Dort zerstört das Virus die Lungenmakrophagen und schwächt damit die Abwehr der Lunge gegen andere Erreger. Das Porcine Circovirus (PCV2) ist ein Virus, welches bei Schweinen vorkommt. Als Symptome treten Niesen, Husten, Nasen- und Augenausfluss, Fieber bis 41° C und Wachstumsstillstand im Alter von 4 bis 16 Wochen auf. Es kommen 1 bis 2 Wochen nach dem Absetzen häufig Kümmerer hervor, es kann auch Aborte in allen Stadien der Trächtigkeit geben. Weiterhin kann es zu Bindehautentzündungen, sowie Atemwegsprobleme kommen.

Dienstags besuchten Frau Böhne und ich vier Schweinemastbetriebe um die Mastschweine zu scannen, das heißt, die Trächtigkeit per Ultraschall zu erkennen. Bei einem Betrieb führte Frau Böhne auch eine Bestandskontrolle durch, das heißt, man geht mit dem Tierarzt durch die Ställe und schaut sich die Tiere und Räumlichkeiten genau an, um auf Missstände aufmerksam zu machen. In diesem Fall lag das Problem bei den Ferkeln. Diese wuchsen zu stark auseinander, das heißt, dass die Ferkel gleichen Alters unterschiedlich entwickelt waren. Diese Ferkel wurden gegen Circo geimpft, um dieses Problem zu beheben. Zusätzlich wurden vier Ferkel kastriert und gleichzeitig ein Leistenbruch operativ behoben.

Den dritten Tag verbrachte ich vormittags in der Praxis bei der Kleintiersprechstunde. Dort wurden unter anderen ein Hund und ein Kaninchen kastriert und eine Katze mit einer Lungenentzündung behandelt. Am Nachmittag behandelten wir im Außendienst eine Herde, bestehend aus ca. 35 Alpakastuten mit Fohlen. Die Tiere bekamen ein Antibiotikum gegen Weidenkeratitis injiziert. Bei der Weidekeratitis handelt es sich um eine Krankheit, die vor allem Weiderinder befällt. Als Haupterreger gilt Moraxella bovis, ein während der warmen Jahreszeit auch bei gesunden Rindern im Augen- und Nasenbereich vorkommendes Bakterium. Die Übertragung des Erregers erfolgt über Augensekrete, dass heißt, durch unmittelbaren Kontakt sowie über Fliegen oder verkeimtes Futter und Tränke oder Hände behandelnder Personen. Die Krankheit äußert sich zunächst mit Lidschluss und Tränenfluß, zum Teil auch mit Fieber verbundener Lichtscheu. Später dann kommt es zur Pupillenenge, Rötung und ödematösen Schwellung. Alpakas sind Sohlengänger und eine Stute hatte eine Sohle komplett wund. Dies begann aber an den Außenrändern schon zu verheilen und Frau Böhne gab den Rat, die Wunde offen zu lassen und an der Luft zu trocknen und sauber zu halten.

Der Donnerstag begann mit Außendienst. 5 Pferde wurden mit Insol Dermatophyton und Dectomax behandelt. Beides sind Injektionen gegen Pilzbefall und Endo- sowie Ektoparasiten. Bei einem Landwirt wurde eine Bestandskontrolle durchgeführt, wobei bei einigen Ferkel Husten, Kümmerlingswachstum, sowie Kannibalismus festgestellt wurde. Frau Böhne hatte gegenüber ihrem letzten Besuch eine Besserung festgestellt. Am Nachmittag in der Kleintiersprechstunde wurden u.a. Hunde und Kaninchen geimpft.

Auch mein letzter Praktikumstag, der Freitag begann mit Außendienst. Wir fuhren zu einem Mastbetrieb und scannten rund 80 Sauen. 200 Sauen wurden gegen PRRS geimpft und 20 Ferkeln wurde Blut zur weiteren Untersuchung abgenommen. In diesem Betrieb stellten wir fest, dass bei einigen Sauen die Klauen viel zu lang gewachsen waren und es sogar schon zu Entzündungen gekommen war, da die Sauen mit ihren langen Klauen im Spaltboden hängen geblieben waren und es somit zum Abriss der Klaue kam. Vor Beginn der Kleintiersprechstunde wurden noch 10 Kühe aus dem Rinderbestand von Familie Böhne gegen die Blauzungenkrankheit geimpft. Die Blauzungenkrankheit ist eine durch Insekten übertragene Virusinfektion der Haus- und Wildwiederkäuer. Hierbei kommt es zu einer zyanotisch-blauen Verfärbung und ödematösen Schwellung von Lippen und Zunge. Ähnliche Veränderungen zeigen sich auch an anderen Kopfschleimhäuten sowie an der Haut von Rücken, Kronsaum und Zitzen.

Während der Sprechstunde behandelten wir als erstes einen Hund mit einer Pilzinfektion an Auge und Thorax. Ihm wurde Insol Dermatophyton injiziert (ein Mittel gegen Pilzbefall) und die Besitzer bekamen Salbe, Tabletten sowie Shampoo mit nach Hause. Zwei ca. 8 Wochen alten Katzen bekamen gegen den Katzenschnupfen das Antibiotikum Convenia gespritzt. Convenia ist ein Antibiotikum, das 2 Wochen im Organismus bleibt und vorher noch nicht ausgeschieden oder abgebaut wird. Eine 20 Jahre alte Katze wurde ebenfalls mit Convenia behandelt, da sie unter einer Kehlkopfentzündung litt. Die Symptome waren trüber und eitriger Speichel. Ein Hund kam mit der Verdachtdiagnose Fremdkörper im Ohr in die Praxis. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Fremdkörper aus Dreck bestand. Der Hund bekam nach Reinigung der Ohres Salbe in die Ohren verabreicht. Da die Besitzerin sich nicht in der Lage sah dem Hund die Salbe weiterhin zu verabreichen, muss sie in den nächsten Tagen in der Praxis vorstellig werden.

Bei Frau Böhne möchte ich mich abschließend ganz besonders bedanken. Mir wurde jede Frage geduldig und immer freundlich beantwortet. Ich habe in dieser Woche sehr viel gelernt, vor allem weil sich Frau Böhne auch immer sehr viel Zeit genommen hat, um mir alles zu erklären und auch zu zeigen. Außerdem möchte ich mich auch bei dem gesamten Praxisteam bedanken, dass mir gegenüber immer nett und freundlich waren und mir auch alles zeigte und erklärten Mein Dank gilt auch dem Rest der Familie Böhne , die mich die gesamte Woche wunderbar beköstigten und auch noch nach der Sprechstunde dafür sorgten, dass ich mich bei ihnen ganz wie zu Hause fühlte.

Abschließend möchte ich mich auch bei den Initiatoren der Aktion Vets4vieh bedanken, die den Studenten mit diesem Schnupperpraktikum schon frühzeitig die Chance gibt, sich mit der Großtierpraxis zu befassen.
Diese Woche hat mich in meinem Berufswunsch, in später einer Großtierpraxis zu arbeiten, bestärkt und ich weiß auch nun, worauf man das ganze lange Studium hinarbeitet.

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Praktikant:

Jana Kindermann