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Praktikumsberichte

Praktikumsbericht

Im Rahmen der Initiative „Vets4vieh“ absolvierte ich im Zeitraum vom 1.10. - 10.10.2007 ein Praktikum in der Tierarztpraxis von Frau Inge Böhne in Melle.
In der Praxis arbeiten neben Frau Böhne eine Assistenztierärztin und zwei Tierarzthelferinnen. Zudem werden die Räumlichkeiten an Frau Dr. Kerstin Greimann vermietet, die ansonsten jedoch unabhängig von der Praxis arbeitet.
Im Großtierbereich dominiert die Betreuung von Schweinebetrieben (Zuchtsauen- und Mastschweinehaltung), nur vereinzelt werden auch Schafe und Pferde versorgt. Außerdem gehört die Fleischkontrolle in mehreren kleineren Fleischereien zu den Arbeitsfeldern. Nachmittags ist Kleintiersprechstunde, in der insbesondere Hunde und Katzen, aber auch Kaninchen, Meerschweinchen und sonstige Heimtiere behandelt werden. Auch Operationen sämtlicher Art werden nach Absprache durchgeführt.
Während meines Praktikums, das mir von den Organisatoren des Quizspiels „Vets4vieh“ zugeteilt wurde, fuhr ich vormittags mit Frau Inge Böhne zu den Betrieben. Dort wurden meist Bestandskontrolle, Impfungen oder Trächtigkeitsuntersuchungen vorgenommen. Bestandskontrolle in Schweinebetrieben läuft normalerweise so ab, dass der Tierarzt von dem Landwirt über bestehende Probleme informiert wird und sich die Tiere in den Ställen betrachtet, um so Ursachen und natürlich Lösungen zu finden. Meist findet dies etwa alle 3 Wochen statt. Dies ist die Frist, in der der Veterinärmediziner die Bestände, an die eine Medikamentenabgabe stattgefunden hat, kontrollieren muss.
Häufige Defizite sind zum Beispiel Fütterung, Stallklima oder Krankheiten. Zu dichter Besatz, häufiges Wechseln der Gruppen oder Einbringen neuer Tiere sind häufige Ursachen für gesundheitliche Mängel, da dadurch nicht nur Stress bei den Tieren hervorgerufen wird, sondern auch immer wieder Krankheitserreger eingeschleppt werden. Neben der Aufklärung des Landwirtes über die Ursachen und somit hoffentlich der Behebung derselben, muss im Falle von Krankheiten der Tierarzt diese medikamentös behandeln bzw. entsprechende Medikamente an den Halter abgeben. Das Stallklima, also Temperatur, Belüftung, Luftbewegung, Luftfeuchtigkeit etc., muss stets an die jeweilige Tiergruppe angepasst sein. So benötigen Ferkel ein anderes Stallklima als Jungsauen. Um dies zu gewährleisten, muss die Regelung von Heizung und Belüftungsanlage stets optimal funktionieren. Der betreuende Tierarzt muss erkennen, ob es beispielsweise zu warm oder zu kalt ist und die Einstellung und Funktionsfähigkeit der Anlagen im Zweifelsfall überprüfen.
Auch über die verwendeten Futtermittel muss nachgedacht und beraten werden, da auch hier Ursachen für suboptimale Erträge liegen können. Hierzu zählte unter anderem die Beratung über Mineralzusätze bei der Fütterung mit Tortenabfällen einer Großbäckerei, da die Tiere seit der Umstellung von Maracuja Buttercreme auf Schwarzwälderkirsch schlechter fraßen. Bemerkenswert ist, dass dieser Betrieb an sich sehr geringe bis gar keine Probleme bei der Fütterung seiner Sauen hatte.
Andererseits mussten wir uns auch mit semiprofessionellen Futtermittelberatern, die ein reines Verkaufsgespräch vergleichbar mit Staubsaugerverkäufern an der Haustür führten, auseinandersetzen. Bei der individuellen Beratung und Betreuung muss der Tierarzt natürlich immer die Rentabilität, die Zusammenhänge sowie die jeweilige Situation der Landwirte berücksichtigen und nicht nur mit Menschen um-, sondern auch auf sie eingehen können.
Des Weiteren erfolgten oft Trächtigkeitsuntersuchungen zur Feststellung, ob Sauen umrauschen, also beim Besamen nicht aufgenommen haben. Dies funktioniert mittels Ultraschalldiagnostik. Hat ein Betrieb eine besonders hohe Umrauscherquote, so sind auch hier wieder Gründe dafür zu suchen und diese nach Möglichkeit zu beheben.
Zudem impften wir Ferkel, Jungsauen, Mastschweine und Eber gegen verschiedenste Krankheiten. Bei einem Sauenhalter stand außerdem noch die Kastration von zwei Binnenebern an. Das sind Ferkel, bei denen der Abstieg der Hoden nicht oder unvollständig abgelaufen ist.
Die Arbeit in den Schlachthöfen besteht sowohl aus der Beschau der lebenden Tiere, also der Beurteilung ihrer Schlachteignung, als auch aus der Fleischbeschau. Das ist die Beurteilung des Schlachtkörpers auf seine Eignung zum Verzehr. Auch Probenentnahmen für BSE-Untersuchungen gehören zu den üblichen Tätigkeiten.
Im Großtierbereich fiel in meiner Praktikumszeit auch die Betreuung eines Hobbyschafhalters an, dessen Tiere eines nach dem anderen lahm wurde. Zunächst bestand der Verdacht auf die zurzeit aktuelle Blauzungenkrankheit, doch als wir die Schafe näher untersuchten, entpuppte sich die „Blauzungenkrankheit“ lediglich als mangelhafte Klauenpflege. Diesen Mangel konnten wir glücklicherweise ohne größeren Aufwand mit Hilfe von Klauenmessern und Iod beheben.
Pferde besuchten wir während meiner Anwesenheit lediglich zum Impfen.
Ich habe während diesem Praktikum insbesondere über Schweine, ihre Haltung und die Aufgaben eines Tierarztes in diesem Bereich sehr viel gelernt. Da wir meist am Tag zu mehren Betrieben fuhren, konnte ich gut Vergleiche ziehen und Probleme des ein oder anderen Betriebes gut erkennen und analysieren. Häufig sind die Mängel leicht zu beheben, wie z. B. eine falsch eingestellte Heizung, oft aber muss man auch Kompromisse eingehen, da z. B. zu dichter Besatz des Stalles oder eine schlechte Bodenqualität nicht von heute auf morgen behoben werden kann. Auch die teils schwierige Situation der Landwirte muss stets im Auge behalten werden- so nicht zuletzt der zurzeit schlecht laufende Markt und die demzufolge momentan niedrigen Preise, die für ein Ferkel erzielt werden. Allerdings können manche Defizite auch allein durch logisches Denken und Handeln behoben werden und somit die Erträge verbessert werden.
Da Frau Böhnes Einzugsbereich eine hohe Konzentration an Schweinebetrieben aufweist, war es auch sehr schön, alle Stationen des Tieres anschauen zu können- also den Ferkelproduzenten, dessen Abnehmer - den Mäster - und zuletzt den Schlachthof.
Ich schaute mir die Höfe gemeinsam mit Frau Böhne an, assistierte bei anfallenden Behandlungen und Untersuchungen und diskutierte und analysierte mit ihr Mängel, Verbesserungsmöglichkeiten oder besonders gute und vorbildhafte Umsetzungen.
Für ihre Geduld beim Beantworten meiner Fragen und die Diskussionen sowie die Einweisung in verschiedene Tätigkeiten möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Genauso gilt mein Dank dem übrigen Praxisteam, die sich mir gegenüber nett, freundlich, geduldig und erklärend zeigten. Außerdem möchte ich mich natürlich auch beim Rest der Familie Böhne bedanken, da sie mich sehr freundlich aufnahmen, mich in die Freizeitgestaltung miteinbezogen und einfach dafür sorgten, dass ich mich wohlfühlte. Ein Praktikum wie in Frau Inge Böhnes Tierarztpraxis kann ich nur empfehlen, da man einerseits sehr viel fachlich lernt, aktiv mithilft und die Situation sowohl des heutigen Großtierarztes als auch des Landwirtes kennen- und einschätzen lernt. Bei Frau Dr. Böhne stimmte auch zusätzlich das „Drumherum“ also das Arbeitsklima, Unterbringung, Verpflegung und der Umgang miteinander.
Abschließend bleibt mir nur, mich in aller Form bei Familie Böhne sowie auch bei den Initiatoren der Aktion „Vets4vieh“ zu bedanken.

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Praktikant:

Irena Czycholl