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Praktikumsberichte

Praktikumsbericht - Gemeinschaftspraxis Pöhlmann, Roth, Havemann in Owschlag

Sonntag, den 07.10.2007
Überstandenes Vorphysikum, Erholungsurlaub und jetzt eine Woche Praktikum in der Großtierpraxis von Dr. Klaus Pöhlmann, Dr.Thomas Roth und TA Armin Havemann in Owschlag, Schleswig-Holstein. Kann es etwas Besseres geben? Glaube kaum, zumal ich das Praktikum beim Vets4Vieh Online-Quiz gewonnen hatte und es Arbeitskleidung, Fachliteratur und ein Praktikumsgeld dazu gab.
Freunde aus Kiel brachten mich abends nach Owschlag, wo ich im Haus der Familie Pöhlmann ankam und mich gleich irgendwie als Teil der Familie fühlte, so selbstverständlich und freundlich wurde ich aufgenommen. Kaum hatte man mir mein gemütliches Zimmer gezeigt und kurz durch die Praxis geführt, ging es auch schon los zu einer kalbenden Kuh, einer Frühgeburt. Das von uns herausgezogene Kalb war leider schon eine Weile tot, so dass uns nur noch die intrauterinale Versorgung der Kuh mit Antibiotikastäbchen übrig blieb. Ein ebenfalls vorhandener, großer mit braunem Eiter gefüllter Abszess am linken Hinterschenkel wurde gespalten und eine Penicillinspritze intramuskulär gegeben. Nach dem wunderbaren von Frau Pöhlmann zubereiteten Abendessen ging es nochmals raus zu einem kolikenden Kalb, welches eine krampflösende Spritze erhielt. So erlebte ich gleich an meinem ersten Abend einen typischen Großtierpraktikerabend, man ist immer mit vollem Einsatz zu jeder Zeit dabei.

Montag, den 08.10.2007
Nach dem Frühstück und der allmorgendlichen Einsatzbesprechung um 08:00 Uhr ging es los zum ersten Termin: TU’s (Trächtigkeitsuntersuchungen). Hier wurden auch Kühe, die nach dem Kalben einen Ausfluss zeigten, sowie eine Kuh mit einer Zyste entsprechend behandelt. Obwohl ich bei mehreren Kühen selbst rektalisieren durfte, fehlt mir wohl wie jedem Anfänger noch das Gespür. Für mich stellte sich alles ziemlich homogen dar (späteres Literaturstudium verdeutlichte mir zumindest die theoretische Lage der Organe und entsprechende Grifftechniken). Bei einer nachfolgenden KB (künstliche Besamung), konnte ich zumindest anhand der Seminette die Lage der Organe ertasten. Der nächste Programmpunkt war eine Fleischbeschau von Schweine-, Rinder- und Dammwildschlachtkörpern. Dr. Pöhlmann konnte mir spezifische Veränderungen von Lunge und Leber zeigen und erklärte mir deren Ursachen bzw. veranschaulichte mir diese anhand von lebendem Beweismaterial in Form eines Leberegels. Auch nahmen wir entsprechend vorgeschriebene Proben zur Laboruntersuchung. Nebenbei konnte ich den gesamten Ablauf vom Schlachten bis zum Zerlegen beobachten. Es folgte die Behandlung einer Kuh, die ihre Nachgeburt verhalten hatte, welche abgelöst werden musste und antibiotisch versorgt wurde. Eine weitere Kuh bekam aufgrund einer Acetonämie ein den Stoffwechsel anregendes Medikament verabreicht. Nach weiteren Besamungen und der Behandlung eines Kalbes gegen Durchfall endete der Vormittag wieder mit einer Fleischbeschau und uns erwartete ein leckeres Mittagessen im Hause Pöhlmann. Der Nachmittag fing wieder mit Besamungen und einem Kalb mit Durchfall an, dann wurde ein Schaf mit starker Ohrenentzündung behandelt. Als Abschluss meines ersten Tages stand eine Pferdeankaufsuntersuchung und Impfung an. Hiernach ging es zum Abendbrot nach Hause.

Dienstag, den 09.10.2007

Nach der Einsatzbesprechung ging’s gleich los um in einem Betrieb Blutproben von 61 Tieren zu nehmen und sie auf IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis) untersuchen zulassen. Nach ein paar Mal Zuschauen drückte mir Herr Havemann die Spritze in die Hand und ich durfte selbst den Schwanz hochwuchten und die Kanüle platzieren. Mal klappte es beim ersten Mal, dann brauchte ich wieder ein paar Anläufe. Auf jeden Fall war ich mächtig stolz richtige Tierarztarbeit verrichtet zu haben. Da sich vieles im Tagesablauf wiederholt, werde ich diese Dinge im Folgenden nur Stichwortartig erwähnen und nur die für mich neuen Dinge näher anführen. Auch habe ich anfallende Medikamentenabgaben meist nicht extra erwähnt.
  • Kuh mit Stoffwechselproblemen intravenös versorgt
  • Nachgeburtentnahme Kuh, antibiotisch versorgt
  • Kalb mit chronischer Bronchitis nachbehandelt
  • Kuh euthanasiert
Am Ende des Vormittags durfte ich selbst ein Kalb, dass seit dem Vorabend an Tetanus litt, euthanasieren. Für mich war es das erste Tier, aber ich war froh es erlösen zu dürfen. Der Nachmittag fing dann sehr erfreulich an, ich durfte zusammen mit Dr. Pöhlmann ein gesundes Kalb auf die Welt holen. Nach vielen weiteren TU’s hatte ich heute dann zum ersten Mal ein Erfolgserlebnis in dem ich einen Foetus spüren konnte.
  • Hund Flohmittel abgegeben
  • Besamungen Kuh
  • Durchfallmittel abgegeben, Kalb
Der letzte Außeneinsatz für diesen Tag war die Versorgung eines verletzten Augenlieds bei einem Tinker. Danach konnte ich noch in der Kleintiersprechstunde bei der Kastration eines Kaninchens beiwohnen, ein Anderes hatte ihm einen Hoden zerfetzt. Nach dem Abendbrot kam noch eine Katze mit einer Ballenverletzung, welche nur antibiotiosch versorgt werden brauchte.

Mittwoch, den 10.10.2007
Heute ging es früh mit dem Mann für die Pferde, Dr. Thomas Roth auf Tour. Als erstes führten wir eine allgemeine Untersuchung und eine Antibiotikabehandlung durch. Es folgte eine Impfung im gleichen Stall. Nächster Programmpunkt war die intrauterine Antibiotikabehandlung, appliziert durch eine Seminette. Nach mehreren Koppelrunden konnten wir einem Esel einen Verbandswechsel zukommen lassen. Der Esel wurde aufgrund einer Hufwandinfektion behandelt. Der Vormittag endete mit einer allg. Untersuchung und einer anschließenden Blut- und Kotprobenentnahme. Am Nachmittag standen außer der Impfung einer Hündin und der Schmerzbehandlung zweier lahmender Bullen keine weiteren Dinge an. Ein normaler Tag ohne Notdienste endet so ungefähr um 19:00 Uhr.

Donnerstag, den 11.10.2007
Nach der Mastitisbehandlung einer Kuh ging es zu einer Hengstkastration. Bisher kannte ich nur die Methode im Stehen, nun lernte ich die liegende Methode kennen, welche für mein Empfinden für alle Beteiligten am angenehmsten zu sein scheint, wenn auch das Aufstehen manchmal etwas wacklig sein kann. Weiter ging’s in Sachen Pferde mit Impfungen, einer Wundbehandlung, einem Tier mit Verdacht auf Dämpfigkeit, der sich aber nicht bestätigte. Wieder Impfungen und dann durfte ich Zahnarzthelfer sein. Dr. Roth zeigte mir alle Haken, die ein Pferdegebiss so haben kann, und wie man sie fachkundig mit den neusten Instrumenten entfernen kann, so dass das Gebiss wieder seiner normalen Tätigkeit nachgehen kann. Nach der Behandlung einer Fesselträgerzerrung bei einem Isländer erfolgte der wahrlich krönende Tagesabschluss, Dr. Roth gab noch einem sehr alten, aber sehr mächtig gehörntem Ungarischen Steppenrindbullen eine Aufbauspritze.

Freitag, den 12.10.2007
Gleich morgens kam ich zu einem Kaiserschnitt dazu, Armin Havemann war schon wieder am Zunähen und ich konnte noch etwas assistieren. Das Braunviehkalb wog gut und gerne 60 kg, wobei ca.35-40 kg die Regel sind. Als nächstes unternahmen wir den Versuch einer Abgasung einer Pansentympanie mittels Sonde, welcher nur teilweise erfolgreich war und medikamentös weiterbehandelt wurde. Einer Kuh mit Mastitis durfte ich eine Vit. E/Selen – Spritze geben. Der Nachmittag verlief ruhig mit einer weiteren Mastitis, einer Nachgeburtentfernung und der Gabe einer Immunstimulans an zwei Isländer Pferde.

Samstag, den 13.10.2007
Da Wochenende ist, gab es heute nur eine Notbesetzung, die aus Dr. Pöhlmann und mir bestand. Bis auf zwei, drei Fälle waren es allerdings keine Notfälle. Trotzdem waren wir aber bis abends gut beschäftigt. Als wichtigstes hatten wir ein Kalb mit einer Labmagentympanie, die punktiert werden musste und anschließend entsprechend medikamentös versorgt wurde. Dann eine Geburt die offensichtlich etwas verschleppt war und wir eigentlich ein totes Kalb erwarteten. Es lebte jedoch, aber trotz unterstützender Mittel reichte sein Blutsauerstoff nicht aus und es verstarb. Auch mussten wir eine völlig reglose Kuh mit Blutvergiftung euthanasieren. Es wurden noch zwei Kälber mit Bronchitis versorgt und je ein Pferd mit Phlegmone und einem Hufabszess. Zwischendurch wurde von uns noch ein Hund mit Ohrenentzündung behandelt. So endete mein letzter Praktikumstag.

Sonntag, den 14.10.2007
Heute ging es nach dem Frühstück für mich leider nicht raus zu den Patienten, sondern nur zum Bahnhof und zurück nach Berlin, wo am Montag die Uni wieder auf mich wartet.
Ich kann mich nur bei allen Beteiligten und insbesondere bei Familie Pöhlmann für ihre herzliche Aufnahme in Ihre Familie und ihre uneingeschränkte Gastfreundschaft bedanken. Bei den Tierärzten, die mir äußerst interessante Einblicke in den Alltag einer Großtierpraxis ermöglichten und versuchten, mir auf jede meiner Fragen auch eine Antwort zu geben. Auch an das „platt schnaken“ gewöhnte ich mich am Ende und musste nicht mehr jeden Satz übersetzt bekommen. Dank gehört nicht zuletzt den Organisatoren von Vets4Vieh, allen voran Prof. Dr. Heuwieser, ohne deren Initiative ich sicher nicht auf diese Weise an die Großtierpraxis herangeführt worden wäre, erst recht nicht schon Ende des zweiten Semesters.

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Praktikant:

Dirk Jörgens