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Praktikumsberichte

Praktikumsbericht 24. – 30. Oktober 2007, Tierklinik Teisendorf

Montag
Kaum zu glauben, aber ich kam tatsächlich am ersten Tag pünktlich um halb 8 wohlbehalten und vorher in der bayrischen Wildnis nur zweimal falsch abgebogen in der Tierklinik Teisendorf an.
Draußen erwischte ich gleich ein paar Ärzte beim „Autopacken“, wurde sehr freundlich in Empfang genommen und von Frau Dr. Kerstin Reuber erst einmal in der Klinik herumgeführt.
Um 8 Uhr fanden sich dann alle Ärzte zur allmorgendlichen Beratung und Aufteilung der Besuche in einem Besprechungszimmer ein. Zugegeben herrschte dort eine von mir in Tierkliniken noch nie so beobachtete Lockerheit und Sympathie, sodass ich mich gleich, zumal ich auch alle duzen durfte, sehr wohl gefühlt habe.
Nachdem alle Aufgaben verteilt und alle Neuigkeiten berichtet waren, machte ich mich mit Frau Dr. Kerstin Reuber endlich auf den Weg zu großen Taten.
Um diesen ganzen Bericht nicht unnötig in die Länge zu ziehen, werde ich nur von den spannenden Fällen berichten…
Spannend war für mich als absoluten Großtierlaien zum Beispiel das „Pansengrummeln“ dass ich gleich bei unserem ersten Besuch hören durfte. Hierbei möchte ich anmerken, dass mir von Kerstin sämtliche Geräusche, die ich in dieser Woche aus dem Inneren irgendwelcher Tiere hörte, stets eindrucksvoll und präzise vorgemacht wurden. ;) Ein wahres Talent.

Dienstag
Den heutigen Tag verbrachte ich wieder mit Frau Dr. Reuber, die mir auf unseren Fahrten durch das wirklich schöne Berchtesgadener Land nicht nur allerlei über Kuhrassen und Pferdedressur erklärte, sondern mir nebenbei auch noch die Landschaft erläuterte… die schlafende Hexe, der Watzmann und wie sie alle heißen.
Hier möchte ich kurz anmerken, dass sie mir mit Engelsgeduld immer alle meine Fragen beantwortete, und zwar so, dass ich (die ich ja gerade erst im Oktober ins 3. Semester gekommen bin) sie auch verstand.
Allzu spektakuläre Dinge ereigneten sich an diesem Tag allerdings nicht, weswegen ich dann mal eben zum Mittwoch vorspringe…

Mittwoch
Mittwoch war nämlich Kastrationstag, und ich glaube jedem Mädchen macht es insgeheim gaaanz tief drinnen Spaß zu kastrieren. ;-)
Wie auch immer, um halb 11 trafen wir uns mit Herrn Dr. Busse beim Patienten. Während sich Frau Dr. Reuber vorne am Kopf um die Narkose kümmerte, machte sich Herr Dr. Busse an der Manneskraft des Hengstes zu schaffen. Der Proc. vaginalis wurde eröffnet, alles schön abgebunden und dann entfernt. Nachdem der Processus und die Wunde vernäht waren, stand der nunmehr Wallach fast genauso schnell wieder auf wie er gelegen hatte.
Nach der Mittagspause hatten wir noch einen spannenden Besuch, und zwar beim chilenischen Botschafter. Der hatte nämlich auf seinem Anwesen (irgendwo auf einem Berg versteckt) einen kranken Esel sowie einen lahmenden Ziegenbock. Die Behandlung war zugegeben allerdings weniger spektakulär als das Anwesen an sich. Der Ziegenbock jedenfalls bekam ein Schmerzmittel gespritzt und der Esel nach einer Infusion einen Termin zum Röntgen.

Donnerstag
An diesem Tag fuhr ich mit Herrn Ansgar Busch mit, damit ich nach 3 Tagen überwiegender Pferdebesuche mehr Kuhställe von innen sah.
Dies war wohl mein aktivster Tag, denn ich durfte so allerlei tolle Sachen machen…
Zu Beginn ging es zu einem durchfallkranken Kälbchen, dass ich mehr schlecht als recht subcutan spritzen durfte (natürlich habe ich erstmal durchgestochen und die Hälfte ist wieder rausgelaufen…). In der Klinik habe ich es bei einem stationären Kalb dann noch einmal versucht und die Mission erfolgreich abgeschlossen.
Im Verlaufe des Vormittages erfolgten noch zwei künstliche Befruchtungen.
Mein persönliches High-Light der Woche war allerdings, als ich einer Kuh ein Stäbchen in die Gebärmutter legen durfte, was sogar beim ersten Anlauf gleich funktionierte.
Nach der Mittagspause erfolgte dann meine „Rektalpremiere“ im Zuge einer Trächtigkeitsuntersuchung. Obgleich die Kuh leider nicht tragend war, konnte ich immerhin den Uterus ertasten. Bei zwei anderen Kühen konnte man jedoch die Trächtigkeit per Ultraschall feststellen, und zwar als weißen Fleck im schwarzen Fruchtwasser.

Freitag:
Und da war es auch schon Freitag. An diesem Tag fuhr ich mit dem angehenden Dr. Andreas Parge mit.
Als erstes standen zwei künstliche Befruchtungen auf dem Programm, wobei die Kühe an diesem Tag besonders, wie soll ich sagen, „stuhlfreudig“ zu sein schienen.
Dieser Eindruck bestätigte sich dann, als ich bei der zweiten Rektalisierung meines Lebens von einer Kuh, die 5 min vorher bereits zweimal gekotet hatte, sehr elegant im Strahl mit Rühmlichkeiten bekleckert wurde… Das große Finale meiner Woche!
Wenigstens hatten wir einen Ersatzkittel im Auto.
Im Verlaufe des Vormittages wurden dann noch diverse Klauenentzündungen sowie drei Kälbchen mit Durchfall behandelt.
Der Nachmittag gestaltete sich eher ruhig.
Es gab zwei Mastitis-Fälle und eine Impfaktion bei Mutterkühen, die aber reibungslos von statten ging.

So endete denn meine erste Großtierwoche, und ich muss sagen, dass sich das Praktikum voll und ganz gelohnt hat. Ich habe erleichtert festgestellt, dass mir der Arbeitsalltag trotz Kuhstallgestank und diverser anderer kleinerer Unannehmlichkeiten sehr zugesagt hat, sodass ich nun eine echte Alternative zur Kleintierpraxis sehe. Vielen lieben Dank an die Tierklinik Teisendorf, die mir den Beruf des Nutztierarztes so sympathisch übermittelt hat.

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Praktikant:

Alice Lehner