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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum bei Dr. Matthias Clausen in Viöl 2007

Sonntag, 16.09.2007
Mein Praktikum in der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis bei Dr. Clausen in Viöl begann mit einer Zugfahrt einmal quer durch Deutschland. Neun Stunden verbrachte ich im Zug auf der Fahrt aus Reutlingen im hügeligen Schwabenland nach Viöl im platten Schleswig-Holstein. Schließlich kam ich in Husum an und wurde dort von Herrn Dr. Clausen abgeholt. Zum Abendessen wurde ich von Herrn Dr. Clausen zum Essen in ein nettes Lokal direkt am Deich mit Blick auf die Nordsee eingeladen. Nachdem mir vorher noch die Gegend Schleswig-Holsteins gezeigt wurde, ließen Herr und Frau Clausen und ich uns das Essen schmecken.

Montag, 17.09.2007
Heute war mein erster Arbeitstag in der Großtierpraxis. Um acht Uhr war Arbeitsbeginn. Nach dem mit den beiden Kollegen besprochen worden war, was heute ansteht und wer zu welchen Kunden fährt ging es dann los. Als erstes hatten wir einen nicht sehr schönen Auftrag zu erfüllen, denn wir mussten eine Kuh einschläfern. Anschließend behandelten wir ein Kalb mit Durchfall. Weiter ging es auf einen Betrieb, auf dem bei 11 Färsen Blutproben genommen werden mussten. Hierbei hatte ich die Aufgabe, die Ohrmarkennummern in das Formular fürs Labor eintragen, damit die richten Blutprobenröhrchen auch den richtigen Tieren zugeordnet werden können.
Nachmittags behandelten wir ein Kalb mit Lungenentzündung, ein Kalb mit Durchfall, sowie ein Kalb, das nicht richtig auf die Beine kam. Das unterstützen wir durch eine Spritze mit einem Vitaminkomplex.
Anschließend schloss sich der Nachtdienst an. Nachdem wir Abendbrot gegessen hatten, klingelte auch prompt das Telefon und wir mussten noch zweimal zu Kuh-Notfällen los.

Dienstag, 18.09.2007
Heute begann der Tag mit einem Besuch bei einem Kalb mit Labmagenverlagerung, das dadurch an Verstopfung litt und somit auch einen schlechten Kreislaufzustand hatte. Es bekam ein Klistir, eine Infusion, Schmerzmittel und wurde gegen Acidose behandelt. Anschließend ging es weiter zu drei lahmen Kühen. Denen konnten wir helfen, indem wir die Klauen ausschnitten und anschließend verbanden. Außerdem wurden sie antibiotisch abgedeckt.
Vor der Mittagspause war noch ein Besuch bei einem lahmen Limousin-Bullen notwendig. Er litt an einer Phlegmone und wurde entsprechend behandelt.
Abends durfte ich mit zu der einberufenen Kreisversammlung des Kreises Nord-Friesland, denn der Entwurf der neuen BVDV-Verordung wurde vorgestellt und diskutiert. Außerdem wurde die Lage zu Bluetongue in Nordfriesland erläutert.

Mittwoch, 19.09.2007
Heute mussten wir als erstes einige Kälber gegen BHV 1 impfen. Danach fuhren wir zu einem Betrieb, bei dem Blutproben genommen werden mussten. Anschließend stand eine Gebärmutterspülung auf dem Programm und die Behandlung eines Kalbes mit Lungenentzündung. Danach musste noch eine Milchfieber-Kuh durch eine Calcium-Infusion wieder auf die Beine gebracht werden.
Am Nachmittag haben wir zwei Trächtigkeitsuntersuchungen vorgenommen. Nachdem Herr Dr. Clausen den Stand der Trächtigkeit fachmännisch beurteilt hatte, durfte ich auch probieren die Fruchthüllen zu ertasten. Anschließend haben wir noch bei einer Kuh vorbeigeschaut, die nach dem Kalben nicht wieder richtig zu fressen begonnen hatte. Auch sie konnte mit einem Drench wieder „in Gang gebracht“ werden. Am Abend fuhren wir noch einmal zu einer Kuh, die sich den Schwanz halb abgerissen hatte. Herr Dr. Clausen musste den Schwanz leider amputieren.

Donnerstag, 20.09.2007
Heute begann der Tag wieder mit der Behandlung einer „Milchfieber-Kuh“. Diesmal mussten wir sie jedoch auf der Weide behandeln. Da ich inzwischen schon einige Behandlung von Kühen mit Milchfieber mitbekommen hatte, ließ mich Herr Dr. Clausen diesmal den Venenkatheder schieben und die Kuh infundieren. Danach mussten 14 Kälber intranasal gegen IBR geimpft werden. Der nächste Besuch war bei einer Kuh mit Fressschwierigkeiten nach dem Kalben, so dass sich Herr Dr. Clausen wieder fürs Drenchen entschied, außerdem musste der Rest der Nachgeburt noch abgelöst werden. Vor dem Mittagessen hatten wir dann noch zwei Minipics zu kastrieren. Obwohl der Eine unter einem Leistenbruch litt, verliefen die OP ohne Komplikationen.
Nachmittags stand dann ein Impfmarathon auf dem Programm, denn 50 Färsen mussten gegen BVD geimpft werden. Anschließend musste noch eine Kuh mit Milchfieber behandelt werden.

Freitag, 21.09.2007
Herr Dr. Clausen nahm mich mit nach Schleswig zu einer Fortbildung der Firma Pfizer zum Thema Rindergrippe. Es war eine sehr informative Veranstaltung.
Anschließend fuhren wir noch einmal zu der Milchfieber-Kuh, die wir am Abend vorher schon behandelt hatten. Da sie immer noch nicht aufgestanden war, beschloss Herr Dr. Clausen ihr nun mechanisch auf die Beine zu helfen. So wurde ihr ein Bügel um die Hüfthöcker gelegt, der am Frontlader befestigt wurde, und somit wurde sie hochgezogen. Sie stand dann auch alleine und ist sogar ein paar Schritte gelaufen.

Samstag, 22.09.2007
Der Tag begann mal wieder mit der Therapie einer an Milchfieber erkrankten Kuh. Anschließend stand eine OP auf dem Programm, einem Bulle musste der Schwanz amputiert werden, da dieser total vereitert war. Weiter ging es zu einer Kuh, die sich das rechte Vorderbein in den Fressgitterstangen eingeklemmt hatte, und nun nicht mehr hoch kam. Außer einer geschwollenen Schulter konnten wir aber nichts feststellen, so wurde sie erst einmal mit Cortison und Schmerzmitteln behandelt. Im Anschluss war noch eine lahme Kuh zu versorgen. Sie hatte sich am Kronsaum verletzt. So wurde die Klaue im Klauenstand etwas ausgeschnitten und mit Blauspray behandelt. Vor der Mittagspause fuhren wir noch einmal bei der Kuh vorbei, die wir gestern mit dem Frontlader aufgestellt hatten, sie lag nun leider wieder fest.
Nachmittags war noch ein Kalb zu behandeln, welches an Durchfall erkrankt war. Außerdem mussten wir zu einer Kuh, die nicht fressen wollte. Anhand der Auskultation war eine Labmagenverlagerung festzustellen. Die „Steelband-Geräusche“ waren sehr deutlich zu hören. Sie wurde mit Erfolg konservativ mit einer Kalzium-Infusion behandelt. Bei schönem Sonnenschein mussten wir noch einer festliegenden Kuh auf der Weide wieder auf die Beine helfen. Vor dem Feierabend fuhren wir dann noch einmal zu unser schon bekannten Patienten. Da sie immer noch nicht fraß und auch alleine nicht hoch kam, musste wieder der Frontlader zum Einsatz kommen und ihr auf die Beine zu helfen. Als sie stand, drenchten wir sie noch. Dann entschied Dr. Clausen die Kuh raus auf die Weide zu bringen, da sie es dort, von der Bodenbeschaffenheit her, leichter hat alleine aufzustehen. Als sie über die Weide lief, knickte sie mit der Hinterhand immer wieder ein. Somit war die Diagnose klar, sie hatte beim Kalben im Kreuz etwas abbekommen.

Sonntag, 23.09.2007
Heute fuhren wir von den nördlichsten Kunden zu den südlichsten Kunden, zu den westlichsten… Das ist sonntags aber normal, dass man viel Auto fährt. Zu behandeln waren: eine Kuh mit Milchfieber, 15 Kälber mussten intranasal gegen BRSV/IP3 geimpft werden, ein paar Trächtigkeitsuntersuchungen wurden gemacht und mehrere Kälber mit Durchfall, erschwerter Atmung und Fieber wurden behandelt.
Der Nachmittag begann mit einem „Fehlalarm“. Wir wurden zu einer Kuh gerufen, die anscheinend festliegt. Als wir jedoch auf dem Hof ankamen, stand die Kuh und fraß, und es war nichts von Milchfieber oder dergleichen festzustellen. Die nächste Patientin lag aber wirklich fest und war stark aufgegast. Nach der Kalzium-Infusion konnte die glatte Muskulatur jedoch wieder arbeiten und sie rülpste das Gas sehr schnell ab. Anschließend haben wir noch einen Schafbock behandeln, der an einer Harnwegsinfektion litt.

Montag, 24.09.2007
Der heutige Tag bestand aus der Behandlung einer Kuh mit Milchfieber, der Impfung von zehn Färsen gegen BVD, fünf Trächtigkeitsuntersuchungen und einem Kontrollbesuch bei der Kuh mit der Labmagenverlagerung. Sie hatte sich erfreulicheweise wieder erholt. Am Abend mussten wir noch zur Lebendbeschau bei dem Schlachter in Viöl.

Dienstag, 25.09.2007
Den Dienstagvormittag verbrachten wir mit der Fleischbeschau von Rindern und Schafen bei dem Schlachter in Viöl. So bekam ich auch einmal einen Einblick in die Arbeit des Tierarztes auf dem Schlachthof.
Nachmittags haben wir das Wildschwein „Schnuffi“ besamt und zehn Trächtigkeitsuntersuchungen durchgeführt.

Fazit
Es war ein sehr interessantes und schönes Praktikum, bei dem ich viel gelernt habe und einen guten Eindruck von der Arbeit eines Nutztierpraktikers sowohl bei der Behandlung der Tiere, dem Umgang mit den Landwirten, und auch der sonstigen Praxisführung bekommen. Hierfür möchte ich mich bei Herr Dr. Clausen ganz herzlich bedanken. Außerdem gilt mein Dank auch Frau Clausen, die mich mit sehr leckeren Mahlzeiten versorgt hat. Insgesamt möchte ich noch sagen, dass ich die Aktion „vets 4 vieh“ super finde und mich sehr gefreut habe, dass ich ein solches Schnupperpraktikum machen durfte.

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Praktikant:

Florian Henning