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Praktikumsberichte

Mein Nutztierpraktikum: Spannend, vielseitig und nur zu empfehlen!

Sonntag: Anreise im Moorexpress
Mit dem Regionalexpress gelangte ich am Sonntagnachmittag nach Bremen, wo ich dann in den Moorexpress umstieg. Nach einer abenteuerlichen 1 ½-stündigen Fahrt mit schnapstrinkenden und singenden Kegelvereinsfrauen kam ich schließlich im niedersächsischen Gnarrenburg an. Hier musste ich mich erstmal orientieren. Nach einem Telefonat und dank GoogleEarth fand ich jedoch den rechten Weg und wurde nach etwa 1-2 Kilometern von Christian Vogel, einem der Tierärzte der Gemeinschaftspraxis, in der ich die nächsten sechs Tage Erfahrungen in der Nutztierpraxis sammeln wollte, in Empfang genommen. Bei ihm kam ich dann auch in der folgenden Woche unter, sehr zur Freude seiner vier Kinder, von denen ich nach kurzem Beschnuppern sofort adoptiert wurde.

Montag: Und los geht’s mit Mastitis, Labmagen und Festliegern
Nach einer viel zu kurzen Nacht, in der ich vor Aufregung kaum schlafen konnte, ging es dann pünktlich um 7 Uhr los. Während noch die Aufgabenverteilung und die Routenplanung stattfanden, konnte ich meine Pakete von Vets4Vieh auspacken, in denen ich neben drei Büchern zur Nutztierpraxis und einem Fieberthermometer für Großtiere noch zwei schöne Overalls fand, die ich auch zur sofortigen Nutzung gebrauchen konnte. Nachdem ich dann den Rest der Gemeinschaftspraxis und auch Eike, die im Jahr vor mir das Praktikum gewonnen hatte, kennen gelernt hatte, fuhr ich mit Herrn Vogel zu den ersten Patienten. Den gesamten Vormittag und frühen Nachmittag hatten wir zwei Euterentzündungen, zwei Labmagenverlagerungen und drei festliegende Kühe zu behandeln, außerdem führten wir diverse Trächtigkeitsprüfungen und Besamungen durch. In der Kleintiersprechstunde am Nachmittag verlief es mit zwei Hunde- und zwei Katzenimpfungen dann recht ruhig.

Dienstag: TUs, KBs, Blutproben und Blauzungenkrankheit
Nachdem wir Dienstagmorgen eine festliegende Kuh behandelt hatten und wieder einige Trächtigkeitsprüfungen sowie Besamungen durchgeführt hatten, machte mich Herr Vogel mit dem Spekulum vertraut, womit wir die Gebärmutter nach dem Abkalben beurteilten. Mittags erhielten wir dann die Information, dass die Blauzungenkrankheit ausgebrochen war, die zwar Gnarrenburg selbst nicht betraf, aber eine Bestellung an Butox (Insektizid für Schafe und Rinder) zur Folge hatte. Dabei erfuhr ich, dass die Blauzungenkrankheit durch Stechinsekten übertragen wird und meist nur bei Schafen zu einer bläulichen Verfärbung der Zunge führt und bei Rindern häufig am Euter und an den Schleimhäuten erkennbar ist. Nachmittags hatten wir dann neben einigen Besamungen noch Blutproben von 24 Kühen zu nehmen, wobei sich der Bürokram als am langwierigsten herausstellte, da jede Kuh mit Nummer und Alter vermerkt werden musste. Als das geschafft war, fuhren wir in die Praxis in Beverstedt, um dort die Kleintiersprechstunde zu halten. Neben drei Impfungen, bei denen ich die Spritzen aufziehen durfte (denn das will ja auch gelernt sein), hatten wir ein Meerschweinchen mit einem entzündeten Auge, einen Hund mit einem Zeckenbiss und eine 12-jährige Katze, die seit vier Tagen nichts mehr trank und fraß, zu behandeln. Außerdem nahmen wir noch eine Blutprobe von einem Hund, der jeden Tag etwa 2 ½ Liter trank und schickten diese ein, Das Ergebnis: Der T4-Wert war zu hoch und der Hund musste abnehmen. Aber auch nach Dienstende sollte keine Ruhe einkehren: Da Herr Vogel Bereitschaftsdienst hatte, wurden wir um 23 Uhr zu einer Geburt mit Hinterendlage gerufen. Schließlich holte Herr Vogel ein Kuhkalb und ein Bullenkalb aus der Kuh, wobei beide leider bereits tot waren. Auf der Rückfahrt erfuhr ich dann, dass bei einer Zwillingsgeburt häufig ein Kuhkalb und ein Bullenkalb zur Welt kommen, wobei das Kuhkalb meist unfruchtbar ist.

Mittwoch: Milchbeurteilung, Infusionen und Nachgeburtsverhaltung vor laufender Kamera
Am Mittwochvormittag fuhr ich diesmal mit Herrn Dr. Oetjen raus zu den Höfen, im Schlepptau Benjamin Großkopf, ein Reporter des NDR. Er arbeitete gerade an einem Bericht über den Mangel an Landtierärzten und begleitete uns somit auf unserer Tour. Als erstes kamen wir zu einer festliegenden Kuh, die ich abhörte und bei der ich die Temperatur messen durfte und anschließend die Milch beurteilen sollte. Allein die Tatsache, dass ich Milch aus dem Euter bekam, war für mich ein Erfolgserlebnis! Und so war es am Ende nicht ganz so schlimm, dass ich die Milch völlig falsch beurteilte, obwohl alles auf Band festgehalten war. Nachdem ich die Kuh dann spritzen durfte, bekam sie noch eine Infusion und wir fuhren zum nächsten Hof, wo zwei Besamungen stattfinden sollten. Dort durfte ich dann auch zum ersten Mal rektalisieren und von den vielen Eindrücken überwältigt, konnte ich auf die Frage des Reporters, was ich denn fühlen würde, nur antworten, dass es warm und dunkel wäre. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und so konnte ich bei der darauf folgenden Bestandsbetreuung auf einem anderen Hof von Kuh zu Kuh mehr fühlen und erkennen. Nach der 30sten Kuh konnte ich dann schließlich das linke und das rechte Horn der Gebärmutter sowie die beiden Eierstöcke ausmachen. Als Belohnung bekamen wir dann alle von dem Landwirt eine Vanillemilch spendiert. Mittags gab ich dann ein Einzelinterview und am Nachmittag ging es gleich weiter mit Besamungen und Trächtigkeitsuntersuchungen, wobei bei den Trächtigkeitsuntersuchungen bereits die Frucht gut zu spüren war, da die betroffenen Kühe schon im 8ten Monat tragend waren. Außerdem hatten wir eine Kuh zu behandeln, bei der die Nachgeburt nicht kam und ein Pferd, das eine eitrige Verletzung am Auge hatte. Der Bereitschaftsdienst brachte dann noch ein neugeborenes Kalb mit Nabelbluten mit sich, was sich aber durch eine einfache Haushaltsklammer beheben ließ, sowie eine Kuh, welcher zur Prophylaxe ein Mittel gegen Milchfieber verabreicht wurde.

Donnerstag: Abenteuer auf der Mutterkuhweide, Nabelentzündung und Nachgeburtsabnahme
Donnerstagvormittag war ich mit Mario unterwegs und wir mussten als erstes eine festliegende Kuh auf einer Mutterkuhweide behandeln, auf der sich auch ein Bulle befand. Trotz unserer Bemühungen, unauffällig zu bleiben, wurde im Laufe der Behandlung die gesamte Herde auf uns aufmerksam, da die festliegende Kuh nach erfolgreicher Behandlung bei ihrem Aufstehversuch dummerweise im Zaun hängenblieb und sich entsprechend beschwerte. So fiel mir die nicht ungefährliche Aufgabe zu, die Herde und vor allem den Bullen mit Hilfe eines Stockes von uns fernzuhalten. Nachdem die Kuh dann versorgt und befreit war, fuhren wir zu einem lahmenden Kalb, dessen Mutter bereits kurz nach der Geburt gestorben war und das deshalb von Hand aufgezogen wurde. Es stellte sich heraus, dass es eine Lungen- und eine streuende Nabelentzündung hatte und ich durfte schließlich die Spritze in die Halsvene und in die Muskulatur setzen. Anschließend mussten wir Blutproben von 128 Kühen nehmen, was etwa 1 ½ Stunden in Anspruch nahm, um dann in die wohlverdiente Mittagspause zu gehen. Nachmittags war ich dann mit Herrn Oetjen unterwegs und wir mussten neben einigen Besamungen auch eine Nachgeburt aus einer Kuh holen, wobei ich vaginal die Pilzkörper fühlen durfte. Aber damit nicht genug, auch in der Kleintiersprechstunde gab es an diesem Tag viel zu tun. Neben verschiedenen Impfungen musste eine Maus mit Nabelbruch, eine Ratte mit Hautveränderungen und Haarausfall und eine Katze mit Nasenausfluss behandelt werden. Weiterhin gab es einen Hund mit geschwollenen Lymphknoten und Fieber, einen Hund mit einem Herzfehler, Zahnstein und einer Warze. Am Ende kam auch noch ein Autounfall mit gebrochener Tibia und Fibula rein. Die Operation wurde auf den nächsten Tag festgelegt.

Freitag: Von allem etwas
Noch vor dem eigentlichen Dienst mussten wir aufgrund des Bereitschaftsdienstes zu zwei festliegenden Kühen aufbrechen, bei denen wir Blut entnahmen und zur Analyse ins Labor schickten. Danach fuhren Herr Vogel und ich los, um eine Kuh mit Euterentzündung und mehrere festliegende Kühe zu behandeln. Da diese Runde relativ schnell beendet war, konnte ich bei der Operation des Unfallhundes dabei sein und zusehen, wie die Tibia mit Schrauben und Platten fixiert wurde. Danach kamen noch eine Katze mit Harnwegsentzündung und ein Hund, der ohne erkennbare Ursache röchelte. Außerdem versuchten Eike und ich ein Kümmerer-Kalb zu vermitteln, was uns leider nicht gelang, da weder die Uni Berlin noch die Uni Hannover das Kalb nehmen konnten. Am Nachmittag folgten dann eine Nachinfusion bei einer festliegenden Kuh, eine Besamung und die Medikamentenverteilung sowie die Zahnpflege eines Pferdes, die sich etwas schwierig gestaltete, da das Ganze auf der Weide stattfand und der Stromfluss nur über ein Verlängerungskabel gesichert war. Die Kleintiersprechstunde wurde dann von Hunden dominiert: Drei Hundeimpfungen, wovon eine ich durchführen durfte und ein humpelnder Hund, der nichts Besseres zu tun hatte, als dreimal in die Praxis zu pinkeln.

Samstag: Zum Abschied noch eine Labmagen-OP
Mit Mario fuhr ich am Vormittag zu einer festliegenden Kuh, einer Milchfieberkuh, einer Labmagenkuh und zu einer Kuh mit einer Lungenentzündung, der wir eine Infusion gaben und einen Magneten einführten. Außerdem mussten wir das Kalb einschläfern, das Eike und ich am Tag zuvor versucht hatten zu vermitteln. Am Nachmittag hatten wir dann neben einigen Besamungen und der gewohnten Medikamentenabgabe auch noch die Labmagenkuh vom Vormittag zu operieren und ich konnte durch das Abhören das typische metallische Geräusch, das durch die Verlagerung des Labmagens zustande kommt (Stealband-Effekt), gut hören. Die Operation selber ging erstaunlich schnell von statten: Kuh sedieren und auf den Rücken legen, abklopfen, Labmagen suchen, Mandrin in die Bauchwand stechen, Gas entweichen lassen, Plastikstäbchen mit Faden einführen und den Labmagen fixieren.

Sonntag: Von wegen Nutztierärzte arbeiten immer
Am Sonntag fuhr ich mit Familie Vogel an die Nordsee, um dort noch ein paar entspannende Stunden zu verbringen, bevor ich die Heimreise antrat.

Fazit
Das Schnupperpraktikum hat mir gezeigt, dass meine Studienwahl genau die richtige war. Auch eine Zukunft in der Nutztierpraxis kann ich mir jetzt durchaus vorstellen. Durch das wirklich tolle Schnupperpraktikumhabe habe ich außerdem sehr an Selbstvertrauen gewonnen, dadurch dass ich so viele Dinge selbst machen durfte. Deshalb auch noch ein ganz großes Dankeschön an die Belegschaft der Gemeinschaftspraxis in Gnarrenburg, die mich immer sehr unterstützt und mir bei allen Fragen weitergeholfen hat. Ebenso an die Familie Vogel, die mich so herzlich und nett aufgenommen hat. Ich hatte wirklich eine wunderschöne, lehrreiche Woche, die für mich viel zu schnell vorbei war, aber ich werde bestimmt wiederkommen. Ein großes Danke schön aber auch an alle, die die Aktion Vets4vieh ins Leben gerufen und mir dadurch diese lehrreiche und spannende Erfahrung ermöglicht haben.

Kerstin Sauerbrey

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Praktikant:

Kerstin Sauerbrey