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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Heeslingen 2007

Ich hatte das große Glück, dieses Jahr ein Schnupperpaket bei vets4vieh.de zu gewinnen. Ich hatte die Hoffnung auf einen Gewinn eigentlich schon aufgegeben, als dann doch noch eine überraschende „Gewinner“-Email kam. So habe ich für mein Schnupperpraktikum vom 17.-21.09.2007 eine Gemeinschaftspraxis in Heeslingen zugeteilt bekommen, das in Niedersachsen zwischen Hamburg und Bremen liegt. Voller Neugier fuhr ich also via Bahn und Bus hoch in den mir bis dahin noch eher unbekannten Norden der Republik.

Sonntag, 16.09.
Ich bin um 18:45 Uhr in Heeslingen Mitte angekommen und wurde von Frau Irma Wilke „eingesammelt“. Ihr Mann, Herr Dr.Helmut Wilke, ist einer der vier Teilhaber der Gemeinschaftspraxis, denen ich nun eine Woche über die Schulter schauen wollte. Wohnen sollte ich die Woche bei der Familie, zu der auch Enten, Hühner, ein Pferd, eine Ziege und eine Katze gehören. Nach einem herzlichen Hallo und einem guten Abendessen haben wir den ersten Abend bei einem Glas Rotwein schwatzend ausklingen lassen.

Montag, 17.09. .
Nach einem schönen Frühstück hab ich meinen ersten Praktikumstag um 7:30 in der Praxis auf der anderen Straßenseite begonnen. Die Vormittagstour bin ich mit Herrn Matthias Murzik mitgefahren. So bekam ich Einblick in die Behandlung von Milchfieberkühen, der Impfung von Kälbern, Trächtigkeitsuntersuchungen und einer Klauenbehandlung. Anschließend haben wir uns einen Melkroboter angeschaut und Herr Murzik hat mir die Geschichte der Entstehung der Gemeinschaftspraxis erzählt. Zum Mittagessen ging es dann wieder nach „Hause“. Um 15:30 war ich wieder in der Praxis, für die Nachmitagstour bin ich mit Herrn Klaus Deden mitgefahren. Wir haben Rektaluntersuchungen gemacht (wobei auch ich mit dem „großen Handschuh“ unterwegs war), Rinder besamt, Prostaglandin gespritzt, eine Kuh mit starken Klauenproblemen behandelt und am Ende der Tour mussten wir noch eine Kuh für eine Notschlachtung untersuchen. Um 20:00 bin ich wieder bei Wilkes angekommen und nach einem leckeren Abendessen voller neuer Eindrücke schlafen gegangen.

Dienstag, 18.09. .
Püntklich um 7:30 ging auch der zweite Tag meines Praktikums wieder los. Zusammen mit Herrn Deden durfte ich Kälber und Kühe gegen „Rindergrippe“ impfen, fleißig rektalisieren, wobei ich endlich den großen Aha-Effekt hatte was ich denn da alles spüre, Rinder besamen (ich dürfe üben, die Besamungspipette einzuführen), zwei Milchfieberkühe behandelt, eine Kuh mit Verdauungsstörungen abhören und zwei Schwarzköpfige Fleischschafe mit Wurmverdacht behandeln. Der Nachmittag startete mit Kälberimpfungen, weiter ging es zu Mastitis-Behandlungen, einer ausführlichen Klauenbehandlung und natürlich Rektalisieren. Auf den Fahrten haben wir uns ausführlich über verschiedene Stallhaltungsformen für Rinder und deren Für und Wider unerhalten. Als wir zur Praxis zurückkamen, lief die Kleinstiersprechstunde, so dass ich noch ein Kaninchen impfen konnte (leider erst im 2.Versuch erfolgreich) und einen Hund mit Flohbefall zu sehen bekam. Anschließend bin ich mit Herrn Jens Brunke, dem hiesigen Pferdespezialisten, zu einer Pferde-Impfung gefahren, wo ich dann auch ein Pony abhöhren durfte. Dieser lange erlebnisreiche Tag, an dem ich unheimlich viel selber machen konnte, ging gegen 20:00 zu Ende.

Mittwoch, 19.09. .
An diesem Vormittag sollte ich nun Einblick in die Schweinepraxis bekommen. Ich bin mit Herrn Michael Kruska erst zu einer Fleischbeschau von vier Lämmern und anschließend zu einer großen 2000-Sauen-Anlage gefahren. Hier durfte ich Sauen impfen.Ich bin mit den Angestellten durch die Anlage gegangen, habe bei Ferkelzählungen geholfen und mir die Sauenbesamung angeschaut. Anschließend bin ich mit Michael Kruska in den Teil der Ferkelaufzucht der Sauenanlage gefahren. Dort haben wir eine allgemeine Kontrolle gemacht, wobei wir ein „Diagnose-Quiz“ gemacht haben. So bekam ich typischen Symptome von Ferkeln mit Innenohrentzündung, einer Querschnittslähmung, Magen-Darm-Problemen und Lungenerkrankungen zu sehen.

Die Nachmittagstour fuhr ich mit Herrn Jens Brunke. Es standen Impfungen von Reitpferden, die Untersuchung eines Ponys mit Kolik, das Anlegen eines Hufverbandes bei einem Haflinger mit Hufrehe, dem Abschleifen von Zähnen bei einem Wallach und der Behandlung eines Pferdes mit (wahrscheinl.) einer Erkrankung von Lymphgefäßen auf dem Rücken mit Cortison auf dem Plan. Als wir wieder in der Praxis ankamen haben wir noch bei einer schwarzen Deutschen Dogge mit Namen Hans die vergößerte Prostata per Ultraschall untersucht. Ich habe also einen ausführlichen Einblick in die Geschehen rund um Schwein und Pferd bekommen.

Donnerstag, 20.09. .
Der Vormittag war wieder primär den Schweinen gewidmet. Ich bin mit Herrn Helmut Wilke zur Bestandskontrolle auf einen Betrieb gefahren. Dort wurden Sauen geimpft und per Ultraschall Trächtigkeitsuntersuchungen durchgeführt. Anschließend sind wir zu zwei Ferkelmastbetrieben gefahren und haben allgemeine Bestandsbetreuungen durchgeführt , wobei ein Ferkel mit langwieriger Lungenerkrankung euthanasiert wurde. Den Nachmittag habe ich dann wieder mit Klaus Deden verbracht. Wir haben mit Hilfe von einem Ultraschallgerät Trächtikgeits- und Brunstuntersuchungen durchgeführt, wobei ich wieder fleißig rektalisieren dürfte und eine Vaginaluntersuchung gemacht habe. Unter anderem sollte ich versuchen, eine Kuh zu katheterisieren, die aber, als ich gerade am Werkeln war, doch lieber freiwillig Urin abgesetzt hat. Am Ende haben wir noch eine Kuh mit einer Caecum-Verdrehung, welche man wohl nur 2-3 mal im Jahr zu sehen bekommt, abgehorcht und behandelt.

Freitag, 21.09. .
Meinen letzten „Arbeitstag“ habe ich bei meinen neuen Lieblingstieren, den Rindern, mit Klaus Deden verbracht. Ich habe wieder viel rekalisiert, wobei es mir auch endlich gelungen ist „ruhige“ Eierstöcke, Eierstockszysten und Gelbkörper zu erfühlen. Ich durfte eine Trächtigskeitsuntersuchung per Ultraschall durchführen und eine Besamungspiette bestücken. Desweiteren haben wir zwei Milchfieberkühe behandelt, die richtig festlagen. Ich durfte, wie schon vorher, subcutan, intramuskulär und intravenös spritzen. Dann bekam ich noch ein Kalb mit einem Nabelbruch zu sehen. Den Rest des Nachmittags haben wir auf einem Hof verbracht, wo ich weiter fleißig Rektalisieren üben durfte.

Samstag, 22.09. .
Ein letztes Mal habe ich mit Familie Wilke um 7:00Uhr gefrühstückt und mich dann auf den Heimweg nach Potsdam begeben.

Insgesamt kann ich sagen, dass das eine aufregende, interessante und eindrucksvolle Woche war. Ich möchte mich herzlichst bei meiner Gastfamilie bedanken, vor allem Frau Irma Wilke, die sich meiner so fürsorglich angenommen hat. Desweiteren geht natürlich ein großer Dank an die praktizierenden Tierärzte und das freundliche Praxisteam in Heeslingen, die mit viel Zeit und Geduld mir das Leben des Großtierpraktikers nahe gebracht haben. Vor allem möchte ich mich bei Klaus Deden bedanken, der mein Interesse für Kühe so enorm gesteigert hat und mir die Chance gegeben hat, unter seiner Aufsicht, so viel selbst an Behandlungen durchzuführen. Ein weiteres Dankeschön geht an die Landwirte, die ohne Probleme ihre Tiere in die aufgeregten Hände einer Praktikantin gegeben haben und mir alle Fragen, waren sie auch noch so grün, so ausführlich beantwortet haben. Nicht zu letzt möchte ich mich auch bei vets4vieh.de bedanken, denen ich diese tolle Woche in der Nutztierpraxis ja schließlich zu verdanken habe!

Mein persönliches Fazit: Ich möchte Nutztierarzt werden!

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Praktikant:

Karina Baumgart