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Geschichten aus der Praxis

Kein langweiliger Job: Anfangsassistentin in einer Gemischtpraxis

Frühes Aufstehen, knurrige Bauern, wilde Rinder, beißende Hunde, schlagende Pferde, strömender Regen. Wenn man Pech hat die normalen Arbeitsbedingungen in der Großtierpraxis. Aber dafür ist es ein ehrlicher und befriedigender Job, der zumindest niemals langweilig wird!

Als die Doktorarbeit sich dem Ende neigte, begann ich, mich nach einem Job in einer Praxis in Norddeutschland umzusehen. Eingestellt wurde ich dann in einer Gemischtpraxis im westlichen Niedersachsen mit insgesamt 3,5 Tierärzten. Die Bezeichnung Gemischt kann wörtlich genommen werden, denn zur Klientel zählen Rinder, Pferde, Klein- und Heimtiere genauso wie kleine Wiederkäuer.

In den ersten Wochen lernte ich den Praxisalltag und einen großen Teil der Kunden kennen. Angefangen wird um 8 Uhr früh. Zwischendurch gibt es eine Mittagspause und ab 14:30 Uhr geht es dann weiter.

Die Kleintierpraxis läuft mit Ausnahme von Notfällen, ausschließlich termingebunden. Die Großtierpraxis ist zu einem kleineren Teil ebenso über feste Termine, z.B. für Impfaktionen oder Blutproben organisiert. Üblicherweise rufen die Besitzer, wie überall anders auch, bei Bedarf jedoch an. Je nach Dringlichkeitsgrad werden sie im Laufe des Vor- oder Nachmittags dann besucht und versorgt.

Nachdem ich am Anfang nur mit den 3 anderen Tierärzten mitgefahren bin und Land und Leute kennen gelernt habe, durfte ich dann irgendwann alleine los, meine ersten Besuche machen und Kleintierpatienten bestellen. Ab und an war ich dabei schon gespannt, ob mich die Wegbeschreibungen meiner Chefs wirklich zu den richtigen Höfen führen würden. Bisher hat es aber immer geklappt und mit der Zeit lernt man die Gegend immer besser kennen.

Was die Arbeitsabläufe und Behandlungsschemata betrifft, so kommt man bei machen Dingen schnell hinein. Bei anderen dauert es dafür etwas länger. Egal ob Groß- oder Kleintierpraxis, man muss sich erstmal mit den verwendeten Medikamenten und Routinetherapiemethoden bekannt machen, bevor es einem wie von selber von der Hand geht. Gerade am Anfang stellt man des Öfteren Diagnosen, ohne sich über die Therapie im Klaren zu sein. Also Handy gezückt, Chef vom Fall berichtet und erläutert, was man machen will oder machen sollte. Und wenn es mal gar nicht anders geht, muss der Chef sogar kommen. Wichtig für mich ist und bleibt, dass ich jederzeit einen der beiden Chefs anrufen kann, wenn ich mir nicht sicher bin oder nicht weiter weiß und ich nicht mit Dingen alleine gelassen werde, die mich überfordern.

In der Rinderpraxis begegnet einem jeden Tag aufs Neue eine bunte Mischung aus Kälberkrankheiten, Stoffwechselproblemen, Eutererkrankungen, Lahmheiten, Impfungen, Blutproben und Erkrankungen rund um den Abkalbezeitpunkt, sei es nun eine Geburtsstörung, Milchfieber oder eine Nachgeburtsverhaltung.

Ähnlich gemischt geht es auch in der Pferdepraxis zu, wo sich Stutengynäkologie, Lahmheiten, Verdauungsstörungen und Ankaufsuntersuchungen mit Hautproblemen und Ähnlichem abwechseln. Bei den Kleintieren wechseln sich alltägliche Probleme gerne mal mit skurrilen Vorberichten ab, die sich aber meist dann doch als ganz normale Erkrankungen herausstellen. Man muss nur erstmal lernen, den Besitzer mit den richtigen Fragen die gewünschten informativen Aussagen zu entlocken. Aber auch das ist alles eine Sache der Übung und mit der Zeit lernt man, was eine ''''''''gute'''''''' und nützliche Fragetechnik ist und auf welche Fragen man besser verzichten sollte.

Ein typischer Arbeitstag beginnt um 8 Uhr morgens, entweder mit ein paar Kleintierterminen oder Operationen, bevor man dann raus in die Großtierpraxis fährt. Vor der Mittagspause stehen dann wieder Kleintiere an und je nach Arbeitspensum kann man nach hause in die Mittagspause fahren. Ab und an fällt diese aber auch aus, wenn es einfach zu viel zu tun gibt. Ab 14:30 Uhr geht es dann meist zunächst wieder mit Kleintierterminen oder Operationen los und danach wieder weiter mit der Großtierpraxis. Am Abend warten meist noch mal ein paar Kleintiertermine. Feierabend ist erst, wenn alles erledigt ist.

Wer sich so wie ich für einen Job in der Gemischtpraxis entscheidet, der sollte sich keinen falschen Illusionen hingeben. Es ist eine anstrengende Arbeit. Bei jedem Wetter, blaue Flecke inklusive. Wirklich feste und geregelte Arbeitszeiten gibt es auch nicht und hinzu kommen die Nacht- und Wochenenddienste. Dafür ist es aber auf der anderen Seite auch eine ehrliche und abwechslungsreiche Arbeit mit kurzen Entscheidungswegen und größtenteils netten menschlichen und tierischen Kontakten. Und wen kümmert schon Kälte und Regen, wenn eine Therapie anschlägt und man helfen konnte? So oder so, ich fahre noch jeden morgen gespannt in die Praxis, was mich den Tag über erwarten wird. Denn eines wird es sicherlich nie beim Arbeiten in der Praxis: Langweilig!

Autor: Dr. Maike Mahlstedt

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