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Harnröhrenobstruktion beim Kater - Was tun ? vom 31.03.2003
Vielen Katern sind Obstruktionen der Harnröhre infolge einer zu spät gestellten Diagnose und anschließender falscher Behandlung zum Verhängnis geworden. Das muss nicht sein! Wird dem Folgenden Beachtung geschenkt und systematisch Vorgegangen, ist eine Harnröhreobstruktion in der Regel gut zu therapieren.

Für ein besseres Verständnis ist es wichtig, die Pathogenese von Harnröhrenobstruktionen zu kennen:

Die Erkrankungen der unteren Harnwege bei Katzen werden unter dem Begriff Felines Urogenitales Syndrom (FUS) zusammengefasst. Meist handelt es sich dabei um eine Entzündung durch die Bildung von Kristallen, besonders von Struvitsteinen, die die häufigsten Harnsteine bei Katzen darstellen.
Struvitsteine bestehen aus Magnesium, Ammonium und Phosphat und entstehen in alkalischem Urinmilieu. Einseitige Fütterung und eine zu geringe Trinkmenge können die Harnsteinbildung fördern.

Warum sind besonders häufig Kater betroffen?
Der physiologische Harnröhrendurchmesser verengt sich beim Kater von 2-4 mm im Beckenbereich auf 1 mm in der Penisspitze. Kristalle, Zelldetritus oder kleine solide Konkremente, die aus der Harnblase kommen, können hier hängen bleiben, wodurch die Harnröhrenschleimhaut lokal geschädigt wird, anschwillt und den Harnabfluss behindert.

Dadurch entstehen zwei potentiell lebensgefährliche Zustände:

1. Es kommt durch den nachströmenden Harn zu einer Überdehnung und Druckbelastung der Harnblasenwand und dadurch schließlich zu einer Sauerstoffunterversorgung der entsprechenden Zellen. Dies kann eine Ischämie, die Freisetzung von Toxinen und eine Gewebsnekrose zur Folge haben. Im günstigsten Fall ergibt sich aus der Überdehnung des Gewebes nur eine Lähmung der Harnblase.

2. Die Niere kann die harnpflichtigen Stoffe nicht mehr ausscheiden, wenn der Widerstand für den Harnabfluss zu hoch wird. Durch eine erhöhte Plasmakonzentration von Harnstoff und Kreatinin kommt es zur Urämie. Proportional zur Urämie steigen auch die Plasmakonzentrationen von Phosphor und Kalium. Die Hyperkaliämie zählt aufgrund der Einflüsse auf die Herzaktion als eine sehr schwerwiegende Komplikation, wodurch die meisten Todesfälle bei Harnwegsobstruktionen hervorgerufen werden.
br> Vorgehensweise bei Verdacht auf Harnröhrenobstruktion

1. Verdachtsdiagnose erhärtet sich durch die Palpation einer deutlich fühlbaren, festelastischen und schmerzhaften Blase bei einem Kater mit Störung des Harnabsatzes.

2. Es sollte versucht werden, dem Tier durch das Einführen eines Harnkatheters (Durchmesser 1 mm) in die Blase ohne vorherige Sedation Erleichterung zu verschaffen. Gelingt das Einführen des Katheters nicht, verhärtet sich der Verdacht einer Harnwegsobstruktion.

3. Bleibt das Katheterisieren erfolglos, sollte die Blase vor dem Durchführen anderer Maßnahmen durch Zystozentese entleert werden.

4. Gelingt aufgrund des Wiederstandes des Tieres weder das Einbringen des Katheters noch die Zystozentese, sollte dennoch der Versuch einer Blutentnahme unternommen werden, um eine Urämie auszuschließen.
Eine Sedation oder Anästhesie für die weitere Untersuchung und Behandlung ohne vorherige Korrektur einer Urämie und Hyperkaliämie stellt ein erhebliches Risiko für die Katze dar.

5. Im Fall einer Urämie oder Hyperkaliämie ist eine intravenöse Flüssigkeitstherapie notwendig. Die Harnblase kann dabei gegebenenfalls wiederholt über Punktion entleert werden.

6. Nach Entleerung der Harnblase und Korrektur einer eventuell vorliegenden Urämie und Hyperkaliämie sollte anschließend unter Allgemeinanästhesie eine Spülung der Harnröhre erfolgen.

7. Für das Freispülen der Urethra eignet sich warme, sterile, isotonische Kochsalzlösung und eine Braunüle von 0,6-1 mm. Ein höherer Druck lässt sich durch die Verwendung einer 50 ml Spritze erzeugen.

8. Gelingt das Freispülen der Harnröhre, kann anschließend erneut versucht werden, einen Harnwegskatheter zu schieben, wobei der natürliche Widerstand beim Übergang der Penisharnröhre in die Beckenharnröhre berücksichtigt werden muss. Um die Passage dieses natürlichen Hindernisses zu erleichtern, sollte der Penis während des Einführens des Katheters nach kaudodorsal gezogen werden.

9. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen hängt von verschiedenen Faktoren ab.
br> a) Entscheidung für konservatives Vorgehen:
- Katheter lässt sich einbringen
- Besitzer möchte keine chirurgische Behandlung
- Kater wird zur Zucht eingesetzt
- Harnröhre ist nicht schwer geschädigt
- Ursache der Obstruktion ist geklärt und Rezidivprophylaxe möglich

b) Entscheidung für chirurgisches Vorgehen
- Katheter lässt sich nicht einbringen
- Erhebliche Schädigung der Harnröhre
- Rezidive von Obstruktionen trotz Prophylaxemaßnahmen
- Calciumoxalatsteine in den Harnwegen
- Prophylaxe durch Besitzer nicht durchführbar

Konservative Behandlung

Der eingeführte Harnröhrenkatheter von vorzugsweise 1-1,2 mm Durchmesser und einer Mindestlänge von 11 cm (besser länger) wird am Präputium angenäht, mit einer Infusionsverlängerung verbunden und diese in ein Auffanggefäß oder an einen Urinauffangbeutel angeschlossen. Gleichzeitig ist eine zur Diurese führende Flüssigkeitstherapie (8-12 ml/Stunde) indiziert sowie eine antiobiotische Prophylaxe.
Der Katheter wird nach 3-5 Tagen entfernt und das Tier für mind. 24 Stunden beobachtet. Bei ungestörtem Harnabsatz kann das Tier entlassen werden. Entsprechende fütterungsprophylaktische Maßnahmen (Spezialdiät zum Ansäuern des Urins) müssen mit den Besitzern abgesprochen werden.

Chirurgische Behandlung

Die chirurgische Behandlung besteht in der Amputation der Penisspitze und Erweiterung der Harnröhre mit Schaffung einer künstlichen Scheide.
Links / Literatur
Dr. Rafael Nickel, 4. Frankfurter Tierärztekongress für Kleintiere, 7.-9.02.03

Bearbeitet von:
Dr. Nina Bremermann
Assistentin in einer Kleintierpraxis und freie Mitarbeiterin bei Vetion.de
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