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Forschende machen Fortschritte bei Entschlüsselung von Tierkommunikation

Hausmäuse kommunizieren über komplexe Ultraschallvokalisationen, die für Menschen nicht hörbar sind. Wie diese akustischen Signale soziales und sexuelles Verhalten steuern, wird bislang nur unzureichend verstanden. Eine kürzlich veröffentlichte Publikation des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Vetmeduni in Zusammenarbeit mit Forschenden am Institut für Schallforschung (ISF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bietet nun einen umfassenden Überblick über die neuesten bioakustischen Methoden und Verfahren des maschinellen Lernens zur Erforschung der akustischen Kommunikation von Nagern.

Die Analyse tierischer Lautäußerungen ist eine äußerst anspruchsvolle und zeitintensive Aufgabe in der Verhaltensbiologie. In bioakustischen Analysen wird häufig mit enormen Datenmengen gearbeitet, die nun mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und dem Machine Learning (ML) einfacher und schneller ausgewertet werden können. „Lange Zeit war die Forschung zur Tierkommunikation durch den Aufwand bei der Aufbereitung und Analyse von Audiodaten begrenzt. Heute ermöglichen neue KI-gestützte Methoden wesentlich effizientere und präzisere Analysen“, erklärt Sarah M. Zala (KLIVV), Letztautorin der Studie.

Auf Basis bestehender Studien geben die Wissenschaftler:innen einen umfassenden Überblick über aktuell verfügbare Werkzeuge zur Verarbeitung und Analyse von Mäusevokalisationen. Besonderes Augenmerk legte das Team auf die einzelnen Schritte der Datenverarbeitung – von der Aufzeichnung und der Signalvorverarbeitung über die automatische Erkennung von Ultraschallvokalisationen bis hin zu deren Klassifikation und Auswertung. Ziel zukünftiger Studien sei es, so Zala, „Fehler in jedem Verarbeitungsschritt zu minimieren und ihre Fortsetzung entlang der Analyse-Pipeline zu verhindern“. Der Vergleich etablierter signalverarbeitender Verfahren mit Methoden des maschinellen Lernens zeigt, dass die automatisierte Erkennung von Vokalisationen in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen – etwa bei der Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen, der verlässlichen Verfolgung von Frequenzverläufen und der Extraktion biologisch relevanter Merkmale. Aber auch die klare Abgrenzung einiger Rufe bzw. Rufarten voneinander, stellt weiterhin eine Herausforderung dar. Die Forschenden betonen daher die Bedeutung hochwertiger, manuell kuratierter Datensätze als Referenz für das Training und die Validierung automatisierter Verfahren.

Vetmeduni

Vetmeduni Wien bekommt neues Multifunktionsgebäude

Am Standort Wilhelminenberg in Wien wird bis voraussichtlich Ende 2027 auf rund 2.000 Quadratmetern ein modernes Mehrzweckgebäude errichtet, was dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) und dem Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) mehr Raum für Wissenschaft und Lehre bieten soll. Der symbolische Spatenstich für das multifunktionale Holzgebäude der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) erfolgte am vergangenen Freitag (26.9.2025). Der Bund investiert rund 22,1 Mio. Euro, wobei davon 20 Mio. Euro für die Errichtung und 2,1 Mio. Euro für die Ausstattung vorgesehen sind. Finanziert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF). Es wird gemeinsam mit der Bundesimmobiliengesellschaft umgesetzt.

Die Energieversorgung für Heizung und Kühlung des Gebäudes erfolgt mittels Geothermiesonden, eine kompakte Bauweise sorgt für einen geringen Energieverbrauch. Die Decken und Wände der Obergeschoße bestehen aus Holz und durch eine Holzfassade fügt sich das Gebäude optisch in die Umgebung des Wienerwalds ein. Der Nachhaltigkeitsgedanke steht im Einklang mit der erfolgreichen EMAS-Rezertifizierung, die am 23.9.2025 offiziell beurkundet wurde. Dies bestätigt das kontinuierliche Engagement der Universität für Umwelt- und Klimaschutz.

Vetmeduni Wien

Myxomatoseausbruch rund um Wien

In Österreich grassiert im Raum Wien die Myxomatose. Die auch als Kaninchenpest bezeichnete Infektionskrankheit verläuft für Wild- und Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus) meist tödlich und wird durch das zur Familie der Pockenviren gehörende Myxomavirus hervorgerufen. Das Virus wird durch direkten Kontakt aber auch durch blutsaugende Insekten wie Stechmücken, Zecken oder Flöhe übertragen.

Wenige Tage nach der Infektion entwickeln infizierte Kaninchen und Hasen Schwellungen in Kopf- und Genitalbereich. Häufig sind die Augen betroffen und nicht selten führen Schwellungen und Entzündungen zur Orientierungslosigkeit und Erblindung. Fressunlust, fortschreitende Schwäche und häufig auftretende Sekundärinfektionen führen rasch zum Tod.

Der aus Südamerika stammende Erreger aus der Familie der Pockenviren wurde in den 1950er-Jahren in Europa und auch in Australien freigesetzt, um Kaninchenpopulationen gezielt einzudämmen. Das Virus kommt seither in vielen Ländern der Erde vor. Im Jahr 2018 tauchte eine neue Virusrekombinante (ha-MYXV) auf der Iberischen Halbinsel auf und führte nicht nur zu vermehrten Krankheitsfällen bei Kaninchen, sondern auch zu erheblichen Rückgängen in den Populationen des Iberischen Hasen (Lepus granatensis). Vor einigen Wochen ist dieses mutierte Virus nun auch in Österreich angekommen. So wurde in den vergangenen Wochen in und rund um Wien sowie in mehreren Bezirken Niederösterreichs eine ungewöhnlich hohe Anzahl toter Feldhasen (Lepus europaeus) und in letzter Zeit auch (Wild-)Kaninchen gefunden.

Im Bereich des Wiener Handelskais haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Kaninchen-Kolonien etabliert. Laut Federica Cappa vom Verein Kaninchen-Helpline werden in diesem Gebiet immer wieder Heimkaninchen ausgesetzt, die sich mit Wildkaninchen kreuzen und unkontrolliert vermehren. Seit Anfang Juni 2025 werden auch hier kranke Tiere beobachtet und täglich bis zu 20 Tierkadaver entsorgt. Innerhalb von fünf Wochen gab es im Bereich Handelskai/Brigittenauer Brücke über 100 dokumentierte Todesfälle.

Bei den pathologischen Untersuchungen am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (kurz FIWI, Pathologisches Labor) an der Vetmeduni Wien konnte dann die Myxomatose, verursacht durch die genetische Variante bestätigt werden.

Für Haus- und Zuchtkaninchen wird dringend eine Impfung gegen die Myxomatose empfohlen. Sie ist gut verträglich und bietet auch gegen die neue Virusvariante einen zuverlässigen Schutz.

Vetmeduni Wien