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Österreichische Tierärztekammer verlässt Tiergesundheit Österreich

Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) ist aus der Initiative Tiergesundheit Österreich (TGÖ) ausgetreten.

Mag. Kurt Frühwirth, Präsident der Österreichischen Tierärztekammer sagte dazu: „Für Beobachter kommt unser TGÖ-Austritt nicht überraschend: Die wohlüberlegte Entscheidung hat zum Ziel, die Rolle der Tierärztinnen und Tierärzte als unabhängige medizinische Instanz zu stärken und auf strukturelle Herausforderungen innerhalb der TGÖ aufmerksam zu machen.“
War die TGÖ ursprünglich als breit getragenes Kooperationsmodell gedacht, entwickelte sie sich jedoch zunehmend zu einem Konstrukt mit divergierenden Interessen und unklaren Verantwortlichkeiten. Zu lange seien strukturelle Schwächen, Kompetenzkonflikte und mangelnde Transparenz hingenommen worden. Insbesondere das „freiwillig“ verpflichtende Programm „Erweitertes Tiergesundheitsmonitoring“ (ETGM) offenbarte schon beim Start grundlegende Probleme: fehlende Akzeptanz, offene Datenschutzfragen und ein fraglicher Mehrwert für Betriebe und Tierärzteschaft führten zu intensiven Diskussionen. Außerdem dürfe der tierärztliche Tätigkeitsvorbehalt nicht schleichend ausgehöhlt werden, so Frühwirth weiter.
Der Austritt sei mehr als ein formaler Schritt – er sei ein Weckruf. Österreich verliere zunehmend Großtierärztinnen und -tierärzte, Nachbesetzungen bleiben aus. Ohne wirtschaftlich tragfähige Praxisstrukturen gerät nicht nur der Berufsstand unter Druck, sondern auch die Versorgungssicherheit ganzer Regionen.
„Das Veterinärwesen ist systemrelevant – gesundheitspolitisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch, daher fordern wir eine nationale Strategie für die tierärztliche Versorgung, ein klares politisches Bekenntnis und tragfähige Strukturen. Wer die Landtierärztinnen und Landtierärzte verliert, gefährdet langfristig auch die Landwirtschaft und damit die Lebensmittelsicherheit des Landes“, sagt Frühwirth abschließend.

ÖTK

Prävention statt Massenkeulung

Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober hat die Österreichische Tierärztekammer auf die Bedeutung wirksamer Präventionsmaßnahmen im Kampf gegen Tierseuchen aufmerksam gemacht. Fälle wie Maul- und Klauenseuche (MKS), Lumpy Skin Disease oder Geflügelpest zeigen, wie verheerend die Folgen von Seuchenausbrüchen für Tiere, Landwirt:innen und die Gesellschaft sein können.

Bislang ist die Keulung des gesamten betroffenen Tierbestandes immer noch häufig die vorgeschriebene Bekämpfungsmaßnahme bei bestimmten Tierseuchen. Dazu sagt Tierärztekammer-Präsident Mag. Kurt Frühwirth: „Dieses Vorgehen bedeutet unermessliches Tierleid, wirtschaftliche Schäden und ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. Wir müssen endlich konsequent in Vorbeugung investieren – in bessere Biosicherheitsmaßnahmen und eine gut vorbereitete Impfstrategie – dazu gehören auch schnell verfügbare Impfstoffe. Alle wichtigen Vertreter:innen der Politik, von Pharmaunternehmen, der Veterinärbehörden und Tiergesundheitsdienste sowie auch der Landwirtschaft müssen an einem Strang ziehen.“

Eine moderne Tierseuchenpolitik müsse auf Biosicherheit und Hygiene, wie etwa klare Standards für Stallhygiene, Transport und Einfuhr von Tieren und tierischen Produkten beruhen. Weiters müssen eine funktionierende landesweite Impfstrategie sowie eine länderübergreifende Zusammenarbeit etabliert werden. Das oberste Ziel muss eine nachhaltige Früherkennung und ein weitreichendes Monitoring sein, um die schnelle Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern.