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Interzoo erfolgreich zu Ende gegangen

Die Interzoo 2026 in Nürnberg, die am 15. Mai zu Ende ging, hat erneut ihre Bedeutung als weltweit wichtigste Fachmesse der Heimtierbranche unter Beweis gestellt. Mit rund 2.400 Ausstellern aus etwa 70 Ländern sowie rund 39.000 Fachbesuchern aus mehr als 130 Nationen verzeichnete die Messe die höchsten Teilnehmerzahlen ihrer Geschichte. Besonders deutlich zeigte sich dabei die internationale Ausrichtung: Über 87 % der Aussteller und mehr als 70 % der Besucher kamen aus dem Ausland.

Inhaltlich standen insbesondere die Themen Tiergesundheit und Nachhaltigkeit im Fokus. Der globale Heimtiermarkt wächst weiterhin dynamisch und erreichte laut Euromonitor ein Volumen von 189 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelt sich der Bereich präventiver Gesundheitslösungen für Heimtiere. Zahlreiche Aussteller präsentierten Produkte, die Tierhalter dabei unterstützen sollen, die Gesundheit ihrer Tiere aktiv zu überwachen und zu fördern. Dieses Thema spiegelte sich auch im Rahmenprogramm wider, unter anderem mit einer eigenen Academy Session zum Bereich Healthcare.

Ein weiterer Schwerpunkt war die nachhaltige Entwicklung der Heimtierbranche. Bereits vor Messebeginn fand die Interzoo Sustainability Conference mit Teilnehmern aus 30 Ländern statt. Im Mittelpunkt standen praxisorientierte Ansätze zur nachhaltigen Gestaltung von Produktions- und Lieferketten. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung innovativer Inhaltsstoffe und ressourcenschonender Herstellungsverfahren.

Interzoo

agri:change – Wie sieht die Agrar- und Ernährungswirtschaft der Zukunft aus?

Zwischen Ernährungssicherung und Nachhaltigkeitszielen: Zum Auftakt des Verbundprojekts agri:change kamen rund 160 Expert:innen an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) zusammen, um Wege für eine krisenfeste und zukunftsfähige Agrar- und Ernährungswirtschaft zu entwickeln. Wie kann es gelingen, die Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltig in die Zukunft zu führen – gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen, globaler Unsicherheiten und wachsender Anforderungen an die Ernährungssicherheit? Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich die agri:change Auftaktveranstaltung „Zukunft durch Wandel?! – Brauchen wir Nachhaltigkeitstransformation in schweren Zeiten?“ Das Großvorhaben agri:change wird vom Land Niedersachsen mit 24,74 Millionen Euro unterstützt – gefördert durch zukunft.niedersachsen, dem gemeinsamen Wissenschaftsförderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.

Unter dem Leitmotiv „Zukunft durch Wandel“ verfolgt das Projekt agri:change das Ziel, strukturelle Veränderungen in der niedersächsischen Agrar- und Ernährungswirtschaft aktiv mitzugestalten. Eine starke Praxisorientierung und offene Dialogformate ermöglichen eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Praxis und Gesellschaft. 

Beim Auftakt verdeutlichten Forschende die Spannungen zwischen ambitionierten Nachhaltigkeitszielen und der Notwendigkeit einer preiswerten Ernährungssicherung und diskutierten, welche Herausforderungen, Zielkonflikte und neue Handlungsspielräume sich für Forschung und Praxis ergeben. 

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs: „Innovationen aus der Wissenschaft können neue Wege eröffnen und praxistaugliche Lösungen ermöglichen – beispielsweise um die Effizienz der Höfe und Betriebe zu steigern, Ernten zu stabilisieren und zugleich Nachhaltigkeit und Tierwohl voranzubringen. Als Land investieren wir daher rund 68 Millionen Euro in drei große Forschungsverbünde im Agrar- und Ernährungsbereich. Mit agri:change schaffen wir eine starke wissenschaftliche Grundlage, um die niedersächsische Landwirtschaft und damit unsere Ernährungssicherheit zukunftsfest weiterzuentwickeln.“

Für Prof. Dr. Klaus Osterrieder (Präsident der TiHo Hannover) ist eine zentrale Frage, wie sich die Nutztierhaltung der Zukunft entwickeln wird: „Wie können wir dem Tierwohl, der Lebensmittelsicherheit und dem One-Health-Gedanken einen hohen Stellenwert einräumen und gleichzeitig eine Landwirtschaft betreiben, die Landwirtinnen und Landwirten ein gutes Auskommen sichert? In agri:change werden diese Themen von einem großen Kollegium der TiHo umfassend bearbeitet.“

Die Auftaktveranstaltung machte deutlich: Nachhaltigkeit und Ernährungssicherung sind kein Widerspruch. Vielmehr ist eine nachhaltige Transformation die Voraussetzung für resiliente und zukunftsfähige Agrar- und Ernährungssysteme.

Neben der Universität Göttingen als Projektleitung und dem Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) als transdisziplinäre Leitung sind die TiHo Hannover, die Universität Vechta, die Hochschule Osnabrück, die Universität Osnabrück, die TU Braunschweig, die Leibniz Universität Hannover, die ETH Zürich, die Leuphana Universität Lüneburg, die Jade Hochschule, die Hochschule Fulda, das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung, das Johann Heinrich von Thünen-Institut sowie zahlreiche Partner aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft an dem Projekt beteiligt. 

Prävention beeinflusst CO2-Emissionen von Nutztieren positiv

Eine aktuelle Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat den positiven Einfluss einer stabilen Tiergesundheit auf die CO2-Emissionen in der Nutztierhaltung untersucht. Dabei standen exemplarisch ausgewählte bedeutende Erkrankungen bei Schweinen und Masthühnern im Mittelpunkt der Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Visscher.

Die Ergebnisse zeigen, dass durch Impfungen und Präventionsmaßnahmen große Mengen an CO2-Äquivalenten eingespart werden können. Die potenzielle jährliche Gesamtersparnis durch die in der Studie betrachtete Vermeidung von Erkrankungen beträgt bis zu 2,79 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von knapp 2 Millionen Autos.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer umfassenden Krankheitsprävention in der Tierhaltung. Eine gesunde Tierpopulation trägt nicht nur zum Tierwohl, sondern auch maßgeblich zum Klimaschutz bei“, sagte Visscher.

Für die untersuchten Schweineerkrankungen wurde durch die Impfung eine Reduktion des CO2-Fußabdrucks von bis zu 18,1 % pro Tier ermittelt. Auch bei Masthühnern können durch Schutz vor Krankheiten signifikante Einsparungen bei den betrachteten Infektionen von bis zu  599.000 t CO2-Äquivalenten eingespart werden.

Maßgebliche Faktoren für einen besseren CO2-Fußabdruck sind der geringere Futteraufwand, die geringere Mortalität und die höheren Zunahmen bei guter Gesundheit der Tiere.

Zukunft der nachhaltigen Tierhaltung

Ausgehend von den Studienergebnissen diskutierten am 5. November 2024 im Rahmen des Fachgespräches des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. (BfT) in Berlin Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Tiermedizin darüber, wie Landwirte und Tierärzte unterstützt werden können, um die Prävention in der Praxis noch effektiver umzusetzen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Prävention ein Schlüsselfaktor für eine nachhaltige, ressourcenschonende Lebensmittelproduktion ist. Die Tiergesundheitsbranche drängt auf ein innovationsoffenes Klima, um mit Forschung und innovativen Lösungen weiter ihren Beitrag zur zukunftsorientierten Landwirtschaft leisten zu können.

BfT