Genau wie in Deutschland siedeln sich auch in österreichischen Städten immer mehr Igel und Dachse an. Gemäß einer aktuellen Studie unter Beteiligung des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien gehen sich die beiden Wildtierarten aber auch auf kleinem Raum aus dem Weg und besiedeln unterschiedliche Lebensräume.
Mit Unterstützung der Bevölkerung, die an zwei langfristigen Citizen-Science-Projekten zur Zählung von Europäischen Igeln (Erinaceus europaeus und E. roumanicus) und Dachsen (Meles meles) in den Wäldern, Parks und privaten Gärten Wiens teilgenommen haben, konnten die Forschenden eine große Menge an Daten analysieren. Zwischen 2012 und 2023 wurden hier insgesamt 356 Igel- und 918 Dachs-Sichtungen gemeldet.
„Diese Sichtungen von Bürgerinnen und Bürgern sind wichtig, weil herkömmliche Überwachungsmethoden im Stadtgebiet oft nicht ausreichen. Der Grund ist die große Zahl an Privatgrundstücken, die großteils nicht zugänglich sind“, betont Studien-Co-Autor Richard Zink vom KLIVV.
Neben Igeln und Dachsen werden auch vermehrt andere Wildtierarten, darunter Füchse und Marder, in den Städten heimisch. Um potenzielle Konflikte dieser Arten mit Menschen oder deren Haustieren zu vermeiden, ist laut den Forscher:innen ein besseres Verständnis der Präsenz von Wildtieren in Städten erforderlich.
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Vetmeduni Wien
Die alveoläre Echinokokkose ist eine potenziell lebensbedrohliche Infektionserkrankung und Zoonose, die durch den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) verursacht wird. Sie ist zwar in den meisten europäischen Ländern meldepflichtig, wie aber eine aktuelle Studie zeigt, gibt es große Lücken in der Erfassung – entweder weil die Infektionen nicht entdeckt oder nicht offiziell registriert werden. Im Rahmen einer Übersichtsarbeit unter maßgeblicher Beteiligung der MedUni Wien wurden nun erstmals die europaweiten Fallzahlen dieser Erkrankung ermittelt und die Ergebnisse im Fachjournal „The Lancet Infectious Diseases“ publiziert. Alamierend sind hier die steigenden Fallzahlen.
Dazu wertete das internationale Forschungsteam unter Mitwirkung von Herbert Auer (Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, MedUni Wien), Felix Lötsch (Klinisches Institut für Labormedizin, MedUni Wien) und Heimo Lagler (Universitätsklinik für Innere Medizin I, Leiter der österreichweit einzigen Interdisziplinären Spezialambulanz für Echinokokkose, MedUni Wien) die Daten aus 40 europäischen Staaten aus. Wissenschaftliche Publikationen, lokale Krankheitsregister, offiziell gemeldete Fallzahlen und nicht-publizierte Berichte („graue Literatur“) für den Zeitraum 1997 bis 2023 bildeten dabei die Basis. Das Ergebnis: Insgesamt wurden in 28 der untersuchten Länder 4.207 Fälle von alveolärer Echinokokkose erfasst. Basierend auf den in dieser Studie ermittelten Inzidenzraten und Trends, wurden der Alpenraum und das Baltikum als Hotspots identifiziert. So entfielen allein auf Österreich, Frankreich, Deutschland und die Schweiz 2.864 (68,08 Prozent) der Fälle. Explizit in den vergangenen Jahren konnte ein klarer Anstieg an Diagnosen verzeichnet werden. Gründe dafür könnten hohe Fuchspopulation oder der zunehmender Kontakt zwischen Wildtieren, Haustieren und Menschen sein. In Europa gilt die alveoläre Echinokokkose als eine der gefährlichsten parasitären Infektionskrankheiten.
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Mehrzahl der Fälle durch Kontakt mit Boden oder kontaminierten Lebensmitteln. Die Infektion verläuft häufig über Jahre symptomlos und manifestiert sich erst später, insbesondere durch Veränderungen der Leber. Die Therapie umfasst eine operative Entfernung von befallenenem Lebergewebe und/oder antiparasitäre Medikamentengabe.
In den Augen der Forscher ist es sehr wichtig, dass die bestehende Meldepflicht konsequent umgesetzt wird und in bislang wenig erfassten Ländern Surveillance-Systeme zur gezielten Überwachung des Fuchsbandwurms aufgebaut werden. Zudem sei es notwendig, die Sensibilisierung im medizinischen Bereich zu erhöhen und diagnostische Standards europaweit zu vereinheitlichen.
MedUni Wien