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WOAH: Tiergesundheit als Schlüssel für globale Gesundheits- und Ernährungssicherheit

Im Rahmen der 93. Generalversammlung der World Organisation for Animal Health (WOAH) im Mai 2026 in Paris haben die teilnehmenden Minister:innen und hochrangige Vertreter:innen aus den Bereichen Tiergesundheit, Landwirtschaft und Ernährung eine gemeinsame Erklärung zur globalen Stärkung der Tiergesundheit und des Tierwohls verabschiedet. Darin wird betont, dass Tiergesundheit längst kein rein veterinärmedizinisches Thema mehr ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität, sichere Handelsbeziehungen sowie die Prävention von Gesundheitskrisen im Sinne des One-Health-Ansatzes darstellt.

Es wird betont, dass die Welt zunehmend mit biologischen Risiken, klimabedingten Veränderungen, neuen Handelsdynamiken und einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln tierischer Herkunft konfrontiert ist. Vor diesem Hintergrund werden leistungsfähige Veterinärdienste als essenziell für resiliente Gesundheitssysteme angesehen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (AMR), der Verbesserung von Tierwohlstandards sowie der Prävention grenzüberschreitender Tierseuchen.

Daher sollten Investitionen in Tiergesundheit und Tierwohl als strategische Zukunftsinvestitionen betrachtet werden. Die Verfasser fordern nationale Regierungen, internationale Organisationen, Finanzinstitutionen und den privaten Sektor dazu auf, Tiergesundheit stärker in politische und finanzielle Prioritäten einzubinden. Dabei wird darauf verwiesen, dass Tierseuchen erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursachen und direkte Auswirkungen auf menschliche Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und soziale Stabilität haben können.

Ein weiterer Schwerpunkt der Erklärung ist die Modernisierung des öffentlichen Veterinärwesens. Digitale Technologien, verbesserte Surveillance-Systeme, Datenaustausch und innovative Diagnostik sollen zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Gleichzeitig wird die Bedeutung von gut ausgebildetem veterinärmedizinischem Fachpersonal hervorgehoben, einschließlich der stärkeren Einbindung junger Fachkräfte und Frauen in das Veterinärwesen.

Die WOAH-Mitgliedstaaten sprechen sich zudem für eine intensivere internationale Zusammenarbeit aus. Insbesondere bei zoonotischen Erkrankungen, der hochpathogenen aviären Influenza, der Afrikanischen Schweinepest sowie anderen grenzüberschreitenden Tierseuchen sollten Kooperation, Transparenz und harmonisierte Standards weiter ausgebaut werden. Die WOAH wird in diesem Zusammenhang als zentrale wissenschaftliche und koordinierende Instanz bestätigt.

Für praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte ist die WOAH-Erklärung vor allem deshalb relevant, weil sie die zentrale Rolle des Berufsstandes in der globalen Gesundheitsvorsorge ausdrücklich anerkennt. Die Veterinärmedizin wird als unverzichtbarer Bestandteil der internationalen Gesundheitsarchitektur beschrieben – nicht nur im Hinblick auf Tierseuchenbekämpfung, sondern auch für Pandemievorsorge, Lebensmittelsicherheit, nachhaltige Tierhaltung und die Sicherstellung des internationalen Handels.

WOAH

Nutztierforum 2026: Umbau der Tierhaltung muss planbarer werden

In der vergangenen Woche sind Expert:innen bei dem diesjährigen Nutztierforum am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) zusammengekommen, um über die aktuellen Herausforderungen der tiergerechten Aufzucht von Rindern und Schweinen zu diskutieren.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) eröffnete die Veranstaltung und forderte mehr Investition in die Forschung. „Nutztierhaltung ist ein tragender Pfeiler unserer Landwirtschaft, unserer Ernährungssicherheit und unserer ländlichen Räume. Sie sichert Wertschöpfung, Arbeitsplätze und eine verlässliche regionale Versorgung“, so Backhaus. Der Minister warnte vor einer leichtfertigen Schwächung der Lebensmittelproduktion: „Ernährungssicherheit beginnt im Stall – und sie endet nicht an der Supermarktkasse.“ Bundesweit würden Tiere und tierische Erzeugnisse 39,3 Milliarden Euro erwirtschaften – mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Produktionswertes.

So machte der Minister auch klar, dass das Streben nach mehr Tierwohl, besseren Haltungsbedingungen und resilienten Systeme nicht einhergehe mit Politik, „die Betriebe in die Knie zwingt und Produktion ins Ausland verlagert“. Der Umbau der Tierhaltung müsse planbar, praxisnah und wettbewerbsfähig gestaltet werden. „So bleiben Wertschöpfung und Know-how in der Region – und zugleich werden hohe Standards bei Tierwohl und Umwelt gesichert.“

Der Minister unterstrich zudem die herausragende Rolle des FBN in Dummerstorf: „Ohne wissenschaftlich fundierte Lösungen wird es keine gesellschaftliche Akzeptanz geben. Das FBN forscht vom Tier her – und genau das brauchen wir: Wissen statt Schlagworte.“

„Die tiergerechte Aufzucht von Kälbern und Ferkeln ist ein zentrales, wissenschaftlich belegtes Fundament für gesunde, leistungsfähige und resilientere Tiere. Beim Nutztier-Forum 2026 bündeln wir Erkenntnisse aus vorgeburtlichen Einflüssen, Fütterungsstrategien, Zuchtplanung und tiergerechter Praxis, um gemeinsam praktikable Wege zu entwickeln, die Tierwohl, Gesundheit und nachhaltige Produktion verbinden. Die Forschung am FBN liefert dafür evidenzbasierte Antworten – für eine zukunftsorientierte Nutztierhaltung“, betonte FBN-Vorstand Prof. Klaus Wimmers.

FBN