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Massive Bejagung von Wildtieren ist ineffizient

Das massive Bejagen heimischer Wildtiere wie Füchse, Marder oder Rabenvögel ist als Mittel der Bestandsregulierung und zur Vermeidung von Schäden wirkungslos und ökonomisch ineffizient. Nicht zuletzt, weil solch eine intensive Bajagung meist sehr kostspielig ist. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Pariser Universität Sorbonne. Demnach scheinen die Tötungen sogar zerstörerisch in wichtige Öko-Prozesse einzugreifen.

Der Deutsche Tierschutzbund bewertet die französische Studie als wegweisende Analyse, die der Argumentation der Jägerschaft auch hierzulande ihre Grundlage entzieht. Der Verband ruft zum Umdenken im Umgang mit Wildtieren auf: Statt pauschaler Bejagung brauche es ein umfassendes evidenzbasiertes Wildtiermanagement unter Einbezug ökologischer, finanzieller und ethischer Aspekte, das auf Prävention und Vergrämung setze.

„Wer Tier- und Naturschutz ernst meint, muss bei diesen Ergebnissen aufhorchen. Statt weiter Geld für veraltete Jagdtraditionen und das Vergnügen einer kleinen gesellschaftlichen Gruppe zu verschwenden, brauchen wir endlich einen tierschutzgerechten Umgang mit Wildtieren, der den komplexen Vorgängen in Ökosystemen angemessen ist”, kommentiert James Brückner, Leiter des Fachreferats für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Für ihre Untersuchung werteten die französischen Wissenschaftler Daten aus sieben Jahren aus ganz Frankreich aus. Bei den meisten Tierarten hatten die Tötungen längerfristig keine Verringerung der Populationszahlen zur Folge. Auch die gemeldeten Wildtierschäden – unter anderem Ernteausfälle, gerissenes Geflügel, – verringerten sich demzufolge nicht – selbst dann nicht, wenn in einer Region die Bejagung gestoppt oder reduziert wurde.

Gleichzeitig weist der Tierschutzbund darauf hin, dass die Jagd auf Fuchs und Co. durch den Aufwand für Zeit, Transport, Material und Munition geschätzt über hundert Millionen Euro jährlich koste. Das entspräche knapp 64 Euro pro getötetem Tier. Die Kosten für Schäden hingegen beliefen sich nur auf 8-23 Millionen Euro.

In Deutschland würden jedes Jahr rund 450.000 Füchse, mehr als 70.000 Marder und mehrere Hunderttausend Rabenvögel durch Jäger getötet. Die aktuelle Studie legt nahe, dass dadurch wichtige Prozesse im Ökosystem gestört werden würden.

Deutscher Tierschutzbund

CDU fordert Abschussprämie für Waschbären

In Deutschland wird die Waschbärpopulation zunehmend zu einem Problem. Die invasive Art hat hierzulande kaum natürliche Feinde, weshalb sich die Tiere ungestört vermehren. Dies gefährdet auch zunehmend unsere heimische Flora, da die Waschbären als Allesfresser auch Nester plündern oder Amphibien und Reptilien fressen. Außerdem dringen sie häufig in Gebäude ein, beschädigen Dächer oder durchwühlen Mülltonnen.

Die CDU-Fraktion argumentiert deshalb, dass die Jagd auf Waschbären stärker gefördert werden sollte. Als mögliches Vorbild wird eine Prämie für Nutria genannt: Jäger könnten für jedes erlegte Tier Geld bekommen, um die Bejagung effektiver zu machen und die Population zu begrenzen.

Der Vorschlag ist umstritten. Kritiker bezweifeln, dass Abschüsse die Population langfristig verringern, weil sich die Tiere schnell wieder vermehren können. Zudem gibt es auch Ansätze, die ohne Töten auskommen, etwa Programme zum Einfangen und Sterilisieren der Tiere. Die Debatte zeigt mal wieder, wie schwierig der Umgang mit invasiven Arten ist: Auf der einen Seite steht der Schutz der heimischen Ökosysteme, auf der anderen Seite gibt es Bedenken aus Tierschutzsicht gegen eine intensivere Jagd.

Unter anderem um Waschbären und ihre Entnahme aus der Natur geht es auch in dem Kurs Rechtliche Grundlagen zum Umgang mit Wildtieren mit Anwendungsbeispielen (Jagdbares Wild, invasive Arten) auf Myvetlearn.de. Dieser richtet sich an Tierärzt:innen und Tiermedizinische Fachangestellte.

Spiegel

Zahl illegaler Wolfsabschüsse nimmt zu

Die Zahl illegal getöteter Wölfe in Deutschland nimmt weiter zu – allein 2024 wurden bereits mehrere Fälle dokumentiert, zuletzt erstmals auch in Thüringen. Eine Untersuchung bestätigte, dass ein tot aufgefundener Wolf bei Bad Salzungen nicht, wie zunächst angenommen, durch einen Unfall starb, sondern gezielt erschossen wurde. Naturschutzverbände fordern nun verschärfte Maßnahmen gegen Wilderei und setzen Belohnungen für Hinweise auf Täter aus – bislang allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Die Dunkelziffer wird laut Experten noch erheblich höher geschätzt.

Seit der Rückkehr des Wolfs im Jahr 2000 wächst seine Population – und damit auch die Zahl der Nutztierrisse. Im Jahr 2023 wurden bundesweit über 5.500 verletzte oder getötete Nutztiere registriert, meist Schafe oder Ziegen. Die Situation führt zunehmend zu Spannungen zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Jagdverbänden.

Während sich die Forderungen nach einer kontrollierten Bejagung mehren – unterstützt durch die jüngste EU-Entscheidung zur Absenkung des Schutzstatus – warnen Naturschutzverbände vor einer Legalisierung gezielter Abschüsse. Sie fürchten langfristig sogar eine erneute lokale Ausrottung der Tiere.

mdr