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Angststörungen bei Hund & Katze

Einleitung

Anhaltende Stress- und Angstzustände können Folgen für die Gesundheit haben
Nicht nur Menschen leiden an den Folgen von Stress. Auch an unseren Haustieren geht dieses Phänomen nicht spurlos vorbei. Anhaltende Stress- und Angstzustände führen bei Hund und Katze zu Verhaltensänderungen und langfristig auch zu Verhaltensproblemen, die sogar mit schwerwiegenden Organerkrankungen einhergehen können. Stress und Angst können bei Hund und Katze zahlreiche Ursachen haben. Viele solch möglicher Auslöser werden von den Tierhaltern jedoch gar nicht als solche wahrgenommen, da sie auf sie viel zu unscheinbar wirken.

Verhaltensstörungen sind für Tierhalter schwer zu erkennen
Das gleiche gilt für stress- oder angstbedingte Verhaltensänderungen oder -störungen. Erst wenn Verhaltensstörungen wie z.B. Unsauberkeit oder Aggressionen das Zusammenleben von Mensch und Tier beeinträchtigen und erschweren oder in Folge von anhaltendem Stress bzw. Angst sogar Organerkrankungen auftreten, wird dem Verhalten des Tieres mehr Beachtung geschenkt und sein Leiden erkannt.

Herkömmliche Behandlungen sind langwierig und können Nebenwirkungen haben
Um das Tier von seinem Leiden zu erlösen und sein Wesen zu bewahren, müssen die Ursachen gefunden und beseitigt werden. Dies ist in der Regel eine langfristige Aufgabe, die nicht selten die Veränderung der Umgebung und eine sehr zeitintensive Verhaltenstherapie mit sich bringt. Schnellere Wirkung zeigen dagegen beruhigende und angstlösende Arzneimittel, so genannte Psychopharmaka, die allerdings eine ganze Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen mit sich bringen können. Weiterhin kann eine Behandlung mit Pheromonen und Naturprodukten versucht werden.

α-Casozepin besitzt eine beruhigende Wirkung
MSD Tiergesundheit hat sich diesem Problem mit einem Ergänzungsfuttermittel (Zylkène®) angenommen, das das Caseinhydrolysat α-Casozepin enthält.
α-Casozepin ist ein Extrakt, aus dem Milcheiweiß Kasein, welches durch Hydrolyse von Magermilch gewonnen wird und natürlicherweise von Neugeborenen und Säuglingen während der ersten Lebenswochen aus der Muttermilch gewonnen wird. Mit zunehmendem Alter geht diese Fähigkeit nach und nach verloren. Das α-Casozepin aus der Muttermilch hat nachweislich eine beruhigende Wirkung auf den Organismus.
Zylkène® macht sich diesen natürlichen Effekt zu nutze. Studien und Erfahrungen mit dem Ergänzungsfuttermittel Zylkene zeigen eine nachweisliche Besserung der unterschiedlichsten Verhaltensstörungen von Hund und Katze.

Mehr Informationen über angst- und stressbedingte Verhaltensstörungen und die entspannende Wirkung von α-Casozepin finden Sie in diesem Fokusthema.

Ursachen von Angst und Stress bei Hund und Katze

Die Ursachen von Angst und Stress (unspezifischen Reaktion des Organismus auf jede übermäßige physische oder psychische Belastung des Körpers) bei Hund und Katze sind zahlreich. Häufig erscheinen sie den Tierhalter als viel zu unscheinbar, als dass sie ihnen eine Bedeutung zumessen würden.

Ursachen können sein:
  • Autofahren/Reisen
  • Aufenthalt in Tierpension
  • Besuche beim Tierarzt/Hundefriseur
  • Trennungsangst
  • Gewitter / Lärmbelästigung
  • Sylvester / Feuerwerk / laute Geräusche
  • Zwingerhaltung
  • Geringe Sozialkontakte (zu langes/häufiges Alleinsein)
  • Haltung mehrerer bzw. neuer Haustiere
  • Unklare Rangordnungsverhältnisse
  • Veränderungen in der Wohnung (z.B. neuer Teppich, Möbel, Geräusche usw.)
  • Umzug
  • Kinder/Familienzuwachs
  • Fremde Personen / Partnerwechsel

Die Kombination einzelner Faktoren kann zu noch erheblich größerer Angst oder Stress führen.

Lebenslange Angst kann darüber hinaus auch durch traumatische Erlebnisse wie harte Strafen, Angriffe durch z.B. andere Hunde oder Kinder oder Verkehrsunfälle ausgelöst werden. Dies gilt sowohl für einmalige Erlebnisse als auch für eine Serie.

Verhaltensänderungen und -störungen

Stress-oder angstbedingte Verhaltensänderungen oder -störungen bei Hund und Katze werden von den Tierhaltern trotz des engen Zusammenlebens häufig zuerst gar nicht wahrgenommen. Erst wenn Verhaltensstörungen das Zusammenleben von Mensch und Tier beeinträchtigen und erschweren oder in Folge von anhaltendem Stress bzw. Angst sogar Organerkrankungen auftreten, wird dem Verhalten des Tieres mehr Beachtung geschenkt und sein Leiden erkannt.

Das "Wesen" eines Tieres ist mit seinem Charakter gleich zu setzen, der durch sein "Verhalten" zutage tritt. Verhalten ist wiederum außerordentlich variabel und wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehört die genetische Prädisposition genauso wie Umwelt, Physiologie (bzw. evtl. Pathologie), Sozialisierung, Erfahrung und Erlerntes.
Ein "genormtes" oder "typisches" Verhalten gibt es nicht. Es scheint aber, als sei die Vielfältigkeit der Verhaltensweisen auch in verhaltensbestimmenden Eigenschaften insbesondere bei Hunden, sowohl zwischen den Rassen als auch interindividuell innerhalb einer Rasse begründet. Das würde bedeutet, dass das Verhalten nicht nur durch die Sozialisierung des Tieres in den ersten Lebenswochen, sondern zumindest teilweise auch durch die Zucht zu beeinflussen ist.

Infolge der vielen Faktoren, die zum Auftreten eines bestimmten Verhaltens in einer bestimmten Situation führen, gibt es auch für das Auftreten von Verhaltensproblemen eine Vielzahl von "Risikofaktoren". Als Risikofaktoren zählen bestimmte Umstände während Geburt und Aufzucht, eine unzureichende Sozialisation mit Menschen und/oder Artgenossen, das Verhalten des Besitzers, negative Erfahrungen, die im Laufe des Lebens gemacht wurden, sowie körperliche Erkrankungen.

Die Sozialisierungsphase ist für jedes Tier die für sein späteres Verhalten wichtigste. In dieser Phase lernt es, was in seinem späteren Leben "normal" ist und wovor es sich nicht zu ängstigen hat. Werden in dieser Zeit besonders viele positive Erfahrungen gemacht, wird es dem Welpen bei einer Konfrontation mit neuen Reizen leichter fallen, schon bekannte Elemente zu entdecken und so seine eventuelle Angst zu überwinden. Wächst der Welpe in der Sozialisierungsphase dagegen reizarm auf, nimmt seine Entwicklung Schaden (Deprivationsschäden, Deprivationssyndrom). Solche Tiere lernen zeitlebens schlechter, besitzen ein geringes Repertoire an Konfliktlösungsstrategien, sind häufig hyperaktiv oder gehemmt und entwickeln schneller Stress.

Symptome bei Katzen

Diese Katze versteckt sich aus Angst unter dem Bett.

Insbesondere Katzen leiden für den Tierhalter häufig unscheinbar, da sie sich "nur" vermehrt zurückziehen und lediglich den Kontakt meiden. Vielfach wird dieses Verhalten dann mit "na sie ist eben ein Einzelgänger" oder so ähnlich abgetan. Erst wenn die Tiere aufgrund der anhaltenden Belastung an Tapeten und Möbeln kratzen, anormales Putzverhalten zeigen oder unsauber werden, fangen sie an, nach dem Grund zu fragen. Das Tier leidet jedoch schon vorher und ist in seinem Wohlbefinden stark gestört.

Weitere Stress und Angst bedingte Symptome bei der Katze:
  • Verstecken, Zurückziehen, Meiden von Kontakt zum Menschen und anderen Tieren
  • Unsauberkeit
  • Harnmarkieren
  • Kratzmarkieren
  • Vermindertem Spiel- und Erkundungstrieb
  • Meiden bestimmter Orte/Räume
  • Veränderte Gewohnheiten beim Schlafen (neuer Ort, oft erhöht und zurückgezogen)
  • Vermehrte Lautäußerungen (Miauen, Fauchen, Knurren)
  • Defensive Aggression
  • Veränderte Fressgewohnheiten (gesteigerte Nahrungsaufnahme)
  • Erbrechen
  • Übermäßiges Putzen
  • Flache Ohrhaltung
  • Erweiterte Pupillen

Symptome bei Hunden

Während sich Katzen, die unter Angst und Stress leiden, eher zurückziehen und sich verstecken, reagieren Hunde darauf eher mit mehr Aktion und Präsenz. Dadurch versuchen sie, Angst, Stress und aufgestaute Frustration abzubauen.
Während Unruhe, Nervosität, übertriebene Begrüßungen, das Benagen von Gegenständen oder dauernde Lautäußerungen in diesem Zusammenhang vor allem nervig und ärgerlich sind, bergen sich aus Angst entwickelnde Aggressionen (Angstaggression) auch ein Gefahrenpotential für die Umwelt. Dabei geht von mangelhaft sozialisierten Hunden eine größere Gefahr aus, weil diese Hunde meist ängstlich sind und eine mangelnde Kommunikationsfähigkeit sowie Stress- und Frustrationsintoleranz aufweisen.

Nicht selten verstärken bestimmte Reaktionen des Tierhalters das Problem- oder Aggressionsverhalten noch. So wirkt Trösten und Beruhigen als unbeabsichtigte Belohnung und verschlimmert so das Angstverhalten. Zusätzlich wird dem Hund durch das besorgte Verhalten des Hundebesitzers der Eindruck vermittelt, dass es sich wirklich um eine beängstigende Situation handelt. Zieht sich der Tierhalter von dem Hund zurück, wenn er droht oder knurrt, hat sein Verhalten Erfolg und wird künftig immer häufiger in vergleichbaren Situationen angewendet.

Typische Stress und Angst bedingte Symptome beim Hund sind:
  • Vermindertem Spiel- und Erkundungstrieb
  • Gesteigerte oder herabgesetzte Interaktion mit Menschen und anderen Tieren
  • Zutraulichkeit nimmt ab
  • Unruhe, Nervosität
  • Hecheln
  • Vermehrtes Bellen, Knurren oder Jaulen Schwitzen an den Pfoten
  • Agressionsverhalten
  • Angstbeißen
  • Zerstörungswut
  • Verändertes Fressverhalten (gesteigerte Nahrungsaufnahme oder auch Appetitlosigkeit)
  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Unkontrolliertes Urinieren oder gar Kotabsetzen
  • Schlafstörungen
  • Exzessives Putzverhalten
  • Benagen von Krallen, Pfoten oder Schwanz
  • Geweitete Pupillen
  • Vermehrtes Auftreten von Angst- und Fluchtverhalten sowie Unterwürfigkeitsgesten
  • Hängende Ohren und Rute

Achtung! Ein Hund, der häufig unter Angstzuständen leidet, lernt in diesem überwachsamen, angespannten Zustand schnell, sich durch aggressives Verhalten alles und jeden vom Leib zu halten. Diesen chronisch ängstlichen Hunden fehlt aufgrund ihrer Erkrankung eine vernünftige Selbstkontrolle, daher stellen sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Menschen und andere Tiere dar.

Langzeitfolgen

Aus anhaltenden Stress- und Angstzustände können psychische und gesundheitliche Probleme resultieren. Folgende Organerkrankungen können die Folge sein:

Verdauungsstörungen

Übergeben, Reizdarmsyndrom

Hautprobleme

Wundlecken, Hautjucken verbunden mit einer Entzündung der Haut (Atopische Dermatitis)

Herz-Kreislauf-System

Hyperventilation, Herzrasen, Entzündungen der Herzklappen

Harnwegsinfektionen

 

Erkrankungen des Zentralnervensystems

 

Immunsuppression

 



Daher sind stress- und angstbedingte Verhaltensstörungen unbedingt ernst zu nehmen und müssen behandelt werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn Hunde oder Katzen unter Stress- oder Angstzuständen leiden, ist es wichtig, diese nicht zu ignorieren, sondern den Tieren umgehend zu helfen. Denn Stress und Angstzustände können das Verhalten eines Tieres verändern und langfristig sein Wesen zerstören. Schließlich können sich aus fortgesetzten Verhaltensstörungen aber auch Organerkrankungen entwickeln (siehe Kapitel Langzeitfolgen).

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, stress- und angstbedingte Verhaltensstörungen zu bekämpfen und dem Leiden der Tiere entgegen zu wirken:

  • Konsequentes Verhaltenstraining
  • Veränderung der Umgebung
  • Psychopharmaka
  • Pheromone
  • Naturprodukte
  • α-Casozepin (Zylkène®)


Im Folgenden wird hier auf das Ergänzungsfuttermittel Zylkène® eingegenangen.

α-Casozepin = Zylkène®
Zylkène® ist ein Ergänzungsfuttermittel von MSD Tiergesundheit. Es enthält natürliches α-Casozepin, ein Extrakt, der durch enzymatische Spaltung (Trypsin) aus dem Milcheiweiß Kasein aus Magermilch gewonnen wird und eine beruhigende Wirkung besitzt. Man weiß, dass Neugeborene und Säuglinge auf diese Weise Milchkasein durch enzymatische Spaltung in α-Casozepin umzuwandeln. Diese Fähigkeit zur Umwandlung des Milchkaseins in α-Casozepin geht etwa im Alter von 4 Monaten verloren und mit ihr die beruhigende Wirkung der Milch. Zylkène® enthält durch Hydrolyse von Magermilch gewonnenes α-Casozepin. Nach der Gabe ist ein beruhigender und entspannender Effekt bei ängstlichen Hunden und Katzen zu beobachten , wodurch die Symptomatik bereits nach kurzer Zeit verbessert wird und das Wohlbefinden der Tiere wächst. Die Tiere werden merklich ruhiger, schlafen besser und suchen wieder mehr Kontakt, sowohl zum Menschen, als auch zu anderen Tieren. Auf Angst oder Stress basierendes Harnmarkieren wird entgegen gewirkt

Wirkmechanismus
α-Casozepin bindet an die so genannten γ-Aminobuttersäure A (GABA-A) - Rezeptor im zentralen Nervensystem (ZNS), wodurch ebenso wie bei den häufig als Beruhigungsmittel eingesetzten Benzodiazepinen (Psychopharmaka) die angstlösende Wirkung erklärt wird. Die Wirkung ist daher ähnlich der eines Benzodiazepins, jedoch ist der Wirkmechanismus ein anderer.

GABAA ist ein Botenstoff des zentralen Nervensystems, der eine hemmende und somit beruhigende Wirkung hat, wenn er an die GABAA-Rezeptoren bindet.
GABAA ist wichtig für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Anregung/Erregung und Hemmung/Beruhigung. Bei zu starker Erregung kommt es zu Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit und Aggression. Bei zu schwacher Anregung treten Koma, Depression, Sedation und Schlafsucht auf.

Gute Verträglichkeit, keine Nebenwirkungen Nebenwirkungen von Benzodiazepinen sind Sedation, Aggression, Gedächtnis- und Wiedererkennungsverlust sowie überschießende Reaktionen. Beim α-Casozepin treten diese Nebenwirkungen dagegen nicht auf, da es sich nur an einen Teil der GABAA-Rezeptoren bindet. Untersuchungen zeigen, dass α-Casozepin die Angst in ähnlicher Weise reduziert wie Diazepam (Tranquilizer) und zwar um mehr als die Hälfte auf 44,7 Punkte. α-Casozepin wirkt außerdem nachweislich krampflösend. Auch beim Menschen konnte eine Reduktion des Blutdrucks und der Kortisolkonzentration durch die orale Gabe des Hydrolysats in physischen und psychischen Stresssituationen gemessen werden.

α-Casozepin ist:

  • Gut verträglich (Nebenwirkungen sind nicht bekannt)
  • Sehr Schmackhaft (sehr große Akzeptanz bei Katzen)
  • Hypoallergen
  • Lactosefrei
  • Frei von Konservierungsmitteln


Zylkène® kann alleine angewendet werden oder in Kombination mit einer Verhaltenstherapie. Sollten die Ursachen für die Angst/Stress in der Umgebung des Tieres zu finden sein, ist die Veränderung der Umgebung ein möglicher Ansatz, dem Tier seine Angst zu nehmen.

Verabreichung/ Dosierung
Zylkène® gibt es in der Tierarztpraxis. Das wasserlösliche Pulver befindet sich in Kapseln aus Hartgelatine, die lediglich geöffnet und unter das Futter gemischt werden müssen. Das Pulver von Katzen sehr gut angenommen. Die Kapsel kann jedoch auch als ganzes verabreicht werden.

 

75 mg

225 mg

450 mg

Hunde/Katzen bis 5 kg KGW

1 Kapsel /Tag

 

 

Hunde/Katzen bis 5-10 kg KGW

2 Kapsel /Tag

 

 

Hunde von
10-20 kg KGW

 

1 Kapsel /Tag

 

Hunde von
20-40 kg KWG

 

2 Kapsel /Tag

1 Kapsel /Tag

Hunde über
40 kg KGW

 

 

2 Kapsel /Tag


Bei vorhersehbaren Stress- und Angstsituationen wie Tierpension, Verreisen oder Umzug, empfiehlt es sich, Zylkène® mindestens 1-2 Tage vor dem erwarteten Stress-Ereignis zu geben. Bei langfristigen Stressproblemen sollte Zylkène® zunächst für eine Zeit von 1 - 2 Monaten gegeben werden, wenn nötig aber auch länger. Eine lebenslange Gabe ist möglich.

Erfahrungen

Die Tierärzte, die die Redaktion nach ihren Erfahrungen mit Zylkène® bei Hunden und Katzen mit Verhaltensstörungen aufgrund von Stress und Angst befragt hat, konnten bereits positive Erfahrungen sammeln.
Insbesondere bei Katzen stellt sich schnell und deutlich merklich eine beruhigende und entspannende Wirkung ein. Die Tiere werden merklich zutraulicher und die Probleme mit Unsauberkeit verringern sich.

Tierarten Spezial

Der Hundeangst an Sylvester Herr werden >>>
von Dr. Julia Henning

In ein paar Tagen ist es wieder soweit, Sylvester steht vor der Tür. Für viele Menschen ein Grund, explosiv und laut zu feiern. Tiere aber schätzen den Lärm der Böller und das Pfeifen der Raketen am Sylvesterabend eher weniger. Während für viele Haus-, Nutz- und Wildtiere der Sylvesterlärm aufgrund des sehr viel empfindlicheren Gehörs unangenehm ist, reagieren einige Tiere auf das Knallen mit Angst, zum Teil auch mit Panik. Dabei kann es sich entweder um eine erlernte Furchtreaktion handeln, die auf einem schrecklichen Erlebnis in Verbindung mit einem Geräusch beruht, oder um eine diffuse Angst vor Geräuschen, so die Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Dr. Carola Fischer-Tenhagen.

Beim "Verrücktspielen" des Hundes an Sylvester spielt aber häufig auch noch eine weitere erlernte Komponente eine große Rolle. Denn schenken Herrchen oder Frauchen dem Hund bei jeder gezeigten Angstreaktion Aufmerksamkeit und/oder Liebkosungen, fühlt er sich in seinem Verhalten noch bestärkt. Dem Hund wird das Angstverhalten also durch den Tierhalter sogar noch anerzogen. Besser ist es, auf schreckhaftes Verhalten des Tieres auf laute Geräusche nach Möglichkeit bereits im Welpenalter mit Gelassenheit und Ignoranz zu reagieren. So lernt bereits das Jungtier, dass es bei lauten Geräuschen nichts schlimmes zu erwarten hat und wird zunehmend gelassener.

Ebenfalls langfristig erfolgversprechend ist eine Geräusche-Therapie. Hierbei erfolgt eine langsame Gewöhnung der Tiere an die Geräusche, auf die das Tier mit Angst reagiert, durch Tonbandaufnahmen oder ähnliches. Eine solche CD mit typischen Sylvestergeräuschen hat zum Beispiel die Firma Sanofi-Ceva mit dem Titel "Pudelwohl statt Hundeelend" herausgebracht.
Indem der Hund bereits Monate zuvor regelmäßig in Verbindung mit einer angenehmen Situation wie zum Beispiel beim Fressen, Kraueln oder in Verbindung mit Leckereien mit den Geräuschen beschallt wird, bildet er in der Regel positive Assoziationen zu den Geräuschen aus. So kann auch das Feuerwerk zu Ehren der Jahreswende das Tier nicht mehr aus der Ruhe bringt.
Da es sich bei diese Gewöhnung um einen sehr langwierigen Prozess handelt, muss mit der Adaptation bereits Monate vor dem eigentlichen Event begonnen werden, wobei die Lautstärke im Laufe der Zeit langsam gesteigert werden sollte. Wichtig ist dabei, dass die Tiere während der Therapie kein Angstverhalten zeigen, weiß Dr. Fischer-Tenhagen. Sollte dies dennoch der Fall sein, muss das Geräusch wieder so leise vorgespielt werden, bis sich die Angst gelegt hat. "Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die Angst des Tieres vor diesen Geräuschen sich noch vergrößert", so Dr. Fischer-Tenhagen.

Wurden sowohl die frühen erziehungswirksamen Maßnahmen als auch der rechtzeitige Zeitpunkt zum Beginn der Geräusche-Therapie verpasst, gibt es verschiedene, mehr oder weniger kurzfristig wirksame Mittel, die die Angst der Haustiere an Sylvester mindern.

Geläufig ist die Verabreichung eines gut verträglichen Beruhigungsmittels an Sylvester, das ausschließlich nach einer vorangegangenen tierärztlichen Untersuchung des Tieres verwendetet werden sollte. Beim Hund kommen zentralwirksame Tranquilizer wie Diazepam und Acepromacin in Frage.
Allerdings wird in diesem Zusammenhang die Hypothese diskutiert, dass die Geräuschempfindlichkeit von Hunden unter der Wirkung von Tranquilizern noch zunimmt. Die Tiere können dadurch erst recht Panik verspüren, die sie durch die Medikamente aber nicht äußern können, was noch zu einer Steigerung der Angstqualen des Tieres beiträgt, so Dr. Fischer-Tenhagen. Außerdem geben die Kritiker von Tranquilizer zu bedenken, dass die Wirksamkeit von Beruhigungsmitteln, ohne dass sie gesundheitliche Schäden verursachen, nur von kurzer Dauer ist. Die Knallerei dauert dagegen stunden- bzw. tagelang an. In den USA werden solche Geräusche-Phobien auch erfolgreich mit Melatonin behandelt (Aronson 1999), unter dessen Wirkung die Tiere keine oder geringgradigere Angstsymptome zeigten.

In jedem Fall sollte die Wirkung des Mittels vor dem Sylvesterabend bereits ausprobiert werden, da die Gefahr paradoxer Reaktionen besteht. Beruhigungsmittel sind ausschließlich vom Tierarzt zu verschreiben, da unbedingt Gewicht und Gesundheitsstatus des Tieres berücksichtig werden muss.

Eine weitere, relativ kurzfristig durchführbare Therapie ist die Bachblütentherapie, bei der es sich um eine seelische Regulations- und Umstimmungstherapie aus der Humanmedizin handelt, die auch bei Hunden erfolgreich anwendbar ist. Es gibt 37 verschiedene Bachblüten, die alle eine unterschiedliche Wirkung auf die Psyche von Hunden haben. Welche Wirkungen die einzelnen Blüten auf Hunde haben, beschreibt Petra Stein in dem Buch „Bachblüten für Hunde“ (Kosmos Verlag). Kurzfristige anwendbar zur Beruhigung des Tieres an Sylvester ist die Notfallmischung "Rescue Remedy", bestehend aus fünf Bachblüten, unter anderem aus Impatiens gegen Hektik und Erregung und Rock Rose gegen Panikattacken.

Noch nicht lange erprobt, aber vielversprechend, ist die Behandlung von Tieren mit einer Feuerwerksphobie mit Pheromonen. Dies sind Geruchsstoffe, die sich auf die Beziehung von Tieren untereinander auswirken. Während der Säugephase nehmen die Welpen über die Muttermilch sogenannte Beruhigungspheromone auf. Sie sollen den Jungen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Aber auch bei erwachsenen Hunden konnte das Sicherheitsgefühl durch diese Beruhigungspheromone geweckt werden. Angstsymptome wie Speicheln, Umherrennen sowie das Verkriechen waren unter dem Einfluss der Beruhigungspheromone schwächer ausgeprägt. Einige Pharmafirmen empfehlen daher die Verwendung solcher Beruhigungspheromone insbesondere in Stresssituationen wie Sylvester. Das Pheromon wird mit Hilfe eines speziellen Zerstäuber bereits Tage vor dem Stressereignis in der Wohnung verteilt.

Bei einigen Hunden kann sich auch der sogenannte Tellington-Ohren-Touch beruhigend und entspannend auswirken. Dabei streicht man dem Hund in regelmäßigen Zügen mit der Hand von der Ohrbasis bis zur Ohrspitze. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Ohrbasis in kreisenden Bewegungen mit den Fingerspitzen zu massieren. Die Tellington-Touch-Methode (TTouch) basiert auf den Prinzipien der Akupressur.

Welche Methode auch immer angewendet wird, um dem Tier an Sylvester die Angst zu nehmen und es zu beruhigen, am wichtigsten ist, dass das Tier an diesem Tag nicht alleingelassen wird. Die Nähe und das Vertrauen zu Herrchen oder Frauchen ist gerade an solch einem Tag besonders wichtig für das Tier. In keinem Fall sollte man auf die Idee kommen, dem Hund Ohrenstöpsel in die Ohren zu pfropfen. Oft verursachen sie Verletzungen und können nur noch durch eine Operation entfernt werden.

Unter Tipps finden Sie eine entsprechende "Besitzerinformation" zu diesem Thema.


Links / Literatur

Bearbeitet von:
Dr. Julia Henning
Vetion - Team
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Medien

Verhaltensstörungen bei Hund und Katze
von John Fisher,
Kynos Verlag, 1996

Inhalt & Bestellung


Verhaltensfragen
von Donaldson, Jean,
Kynos Verlag, 2009

Inhalt & Bestellung


Verhaltensmedizin beim Hund
von Schroll, Sabine; Dehasse, Joel,
Enke, 2007

Leitsymptome, Diagnostik, Therapie und Prävention

Inhalt & Bestellung


Katzen in die Seele schauen
von Twardokus, Petra,
Kosmos Verlag, 2009

Erfahrungen einer Katzenpsychologin

Inhalt & Bestellung


Behandlung von Verhaltensproblemen bei Hund und Katze
von Askew, Henry R.,
Parey bei MVS, 2003

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Literatur

1 Effect of alpha-casozepine (Zylkene) on anxiety in cats.

  Beata C, Beaumont-Graff E, Coll V, Cordel J, Marion M, Massal N, Marlois N und Tauzin J
  Jornal of vet. Behaviour 2, 40-46


2 Effects of alpha-casozepine (Zylkene) versus selegiline hydrochloride (Selgian, Anipryl) on anxiety disorders in dogs.

  Beata C, Beaumont-Graff E, Diaz C, Marion M, Massal N, Marlois N, Muller G und Lefranc-Millot C.
  Jornal of vet. Behaviour 2, 175-183


3 A tryptic hydrolysate from bovine milk aS1-casein improves sleep in rats subjected to chronic mild stress.

  Guesdon B, Messaoudi M, Lefranc-Millot C, Fromentin G, Tome D und Even P
  Elsevier
  Website


4 Two-dimensional ''H-NMR and CD structural analysis in a micellar medium of a bovine αs -casein fragment having benzodiazepine-like properties.

  Lecouvey M, Frochot C, Miclo L, Orlewskt P, Driou A, Linden G, Gallar J-L, Marraud M, Cung M-T und Vanderesse R
  Eur. J. Biochem. 248, 872-878


5 Effects of tryptic hydrolysate from milk alphaS1-casein on hemodynamic responses in healthy human volunteers facing successive mental and physical stress situations.

  Messaoudi M, Lefranc-Millot C, Desor D, Demagny B, Bourdon L
  Eur J Nutr, No. 44:124-132


6 Characterization of α-casozepine, a tryptic peptide from bovine αs1-casein with benzodiazepine-like activity.

  Miclo L, Perrin E, Driou A, Papadopoulos V und Boujrad N
  The FASEB Journal express article 10.1096/fj.00-0685fje. Published online June 8, 2001.


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  Intervet Deutschland GmbH
  MSD Tiergesundheit
  Website

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