Angststörungen bei Hund & Katze

Der Hundeangst an Sylvester Herr werden
In ein paar Tagen ist es wieder soweit, Sylvester steht vor der Tür. Für viele Menschen ein Grund, explosiv und laut zu feiern. Tiere aber schätzen den Lärm der Böller und das Pfeifen der Raketen am Sylvesterabend eher weniger. Während für viele Haus-, Nutz- und Wildtiere der Sylvesterlärm aufgrund des sehr viel empfindlicheren Gehörs unangenehm ist, reagieren einige Tiere auf das Knallen mit Angst, zum Teil auch mit Panik. Dabei kann es sich entweder um eine erlernte Furchtreaktion handeln, die auf einem schrecklichen Erlebnis in Verbindung mit einem Geräusch beruht, oder um eine diffuse Angst vor Geräuschen, so die Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Dr. Carola Fischer-Tenhagen.

Beim "Verrücktspielen" des Hundes an Sylvester spielt aber häufig auch noch eine weitere erlernte Komponente eine große Rolle. Denn schenken Herrchen oder Frauchen dem Hund bei jeder gezeigten Angstreaktion Aufmerksamkeit und/oder Liebkosungen, fühlt er sich in seinem Verhalten noch bestärkt. Dem Hund wird das Angstverhalten also durch den Tierhalter sogar noch anerzogen. Besser ist es, auf schreckhaftes Verhalten des Tieres auf laute Geräusche nach Möglichkeit bereits im Welpenalter mit Gelassenheit und Ignoranz zu reagieren. So lernt bereits das Jungtier, dass es bei lauten Geräuschen nichts schlimmes zu erwarten hat und wird zunehmend gelassener.

Ebenfalls langfristig erfolgversprechend ist eine Geräusche-Therapie. Hierbei erfolgt eine langsame Gewöhnung der Tiere an die Geräusche, auf die das Tier mit Angst reagiert, durch Tonbandaufnahmen oder ähnliches. Eine solche CD mit typischen Sylvestergeräuschen hat zum Beispiel die Firma Sanofi-Ceva mit dem Titel "Pudelwohl statt Hundeelend" herausgebracht.
Indem der Hund bereits Monate zuvor regelmäßig in Verbindung mit einer angenehmen Situation wie zum Beispiel beim Fressen, Kraueln oder in Verbindung mit Leckereien mit den Geräuschen beschallt wird, bildet er in der Regel positive Assoziationen zu den Geräuschen aus. So kann auch das Feuerwerk zu Ehren der Jahreswende das Tier nicht mehr aus der Ruhe bringt.
Da es sich bei diese Gewöhnung um einen sehr langwierigen Prozess handelt, muss mit der Adaptation bereits Monate vor dem eigentlichen Event begonnen werden, wobei die Lautstärke im Laufe der Zeit langsam gesteigert werden sollte. Wichtig ist dabei, dass die Tiere während der Therapie kein Angstverhalten zeigen, weiß Dr. Fischer-Tenhagen. Sollte dies dennoch der Fall sein, muss das Geräusch wieder so leise vorgespielt werden, bis sich die Angst gelegt hat. "Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die Angst des Tieres vor diesen Geräuschen sich noch vergrößert", so Dr. Fischer-Tenhagen.

Wurden sowohl die frühen erziehungswirksamen Maßnahmen als auch der rechtzeitige Zeitpunkt zum Beginn der Geräusche-Therapie verpasst, gibt es verschiedene, mehr oder weniger kurzfristig wirksame Mittel, die die Angst der Haustiere an Sylvester mindern.

Geläufig ist die Verabreichung eines gut verträglichen Beruhigungsmittels an Sylvester, das ausschließlich nach einer vorangegangenen tierärztlichen Untersuchung des Tieres verwendetet werden sollte. Beim Hund kommen zentralwirksame Tranquilizer wie Diazepam und Acepromacin in Frage.
Allerdings wird in diesem Zusammenhang die Hypothese diskutiert, dass die Geräuschempfindlichkeit von Hunden unter der Wirkung von Tranquilizern noch zunimmt. Die Tiere können dadurch erst recht Panik verspüren, die sie durch die Medikamente aber nicht äußern können, was noch zu einer Steigerung der Angstqualen des Tieres beiträgt, so Dr. Fischer-Tenhagen. Außerdem geben die Kritiker von Tranquilizer zu bedenken, dass die Wirksamkeit von Beruhigungsmitteln, ohne dass sie gesundheitliche Schäden verursachen, nur von kurzer Dauer ist. Die Knallerei dauert dagegen stunden- bzw. tagelang an. In den USA werden solche Geräusche-Phobien auch erfolgreich mit Melatonin behandelt (Aronson 1999), unter dessen Wirkung die Tiere keine oder geringgradigere Angstsymptome zeigten.

In jedem Fall sollte die Wirkung des Mittels vor dem Sylvesterabend bereits ausprobiert werden, da die Gefahr paradoxer Reaktionen besteht. Beruhigungsmittel sind ausschließlich vom Tierarzt zu verschreiben, da unbedingt Gewicht und Gesundheitsstatus des Tieres berücksichtig werden muss.

Eine weitere, relativ kurzfristig durchführbare Therapie ist die Bachblütentherapie, bei der es sich um eine seelische Regulations- und Umstimmungstherapie aus der Humanmedizin handelt, die auch bei Hunden erfolgreich anwendbar ist. Es gibt 37 verschiedene Bachblüten, die alle eine unterschiedliche Wirkung auf die Psyche von Hunden haben. Welche Wirkungen die einzelnen Blüten auf Hunde haben, beschreibt Petra Stein in dem Buch „Bachblüten für Hunde“ (Kosmos Verlag). Kurzfristige anwendbar zur Beruhigung des Tieres an Sylvester ist die Notfallmischung "Rescue Remedy", bestehend aus fünf Bachblüten, unter anderem aus Impatiens gegen Hektik und Erregung und Rock Rose gegen Panikattacken.

Noch nicht lange erprobt, aber vielversprechend, ist die Behandlung von Tieren mit einer Feuerwerksphobie mit Pheromonen. Dies sind Geruchsstoffe, die sich auf die Beziehung von Tieren untereinander auswirken. Während der Säugephase nehmen die Welpen über die Muttermilch sogenannte Beruhigungspheromone auf. Sie sollen den Jungen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Aber auch bei erwachsenen Hunden konnte das Sicherheitsgefühl durch diese Beruhigungspheromone geweckt werden. Angstsymptome wie Speicheln, Umherrennen sowie das Verkriechen waren unter dem Einfluss der Beruhigungspheromone schwächer ausgeprägt. Einige Pharmafirmen empfehlen daher die Verwendung solcher Beruhigungspheromone insbesondere in Stresssituationen wie Sylvester. Das Pheromon wird mit Hilfe eines speziellen Zerstäuber bereits Tage vor dem Stressereignis in der Wohnung verteilt.

Bei einigen Hunden kann sich auch der sogenannte Tellington-Ohren-Touch beruhigend und entspannend auswirken. Dabei streicht man dem Hund in regelmäßigen Zügen mit der Hand von der Ohrbasis bis zur Ohrspitze. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Ohrbasis in kreisenden Bewegungen mit den Fingerspitzen zu massieren. Die Tellington-Touch-Methode (TTouch) basiert auf den Prinzipien der Akupressur.

Welche Methode auch immer angewendet wird, um dem Tier an Sylvester die Angst zu nehmen und es zu beruhigen, am wichtigsten ist, dass das Tier an diesem Tag nicht alleingelassen wird. Die Nähe und das Vertrauen zu Herrchen oder Frauchen ist gerade an solch einem Tag besonders wichtig für das Tier. In keinem Fall sollte man auf die Idee kommen, dem Hund Ohrenstöpsel in die Ohren zu pfropfen. Oft verursachen sie Verletzungen und können nur noch durch eine Operation entfernt werden.

Unter Tipps finden Sie eine entsprechende "Besitzerinformation" zu diesem Thema.



Links / Literatur
Monatsthemen bei Vetion.de
Tierheilpraktiker

Bearbeitet von:
Dr. Julia Henning
Vetion - Team
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Zulassungspflicht für Betäubungsgeräte

Was halten Sie von der geforderten Zulassungspflicht für Betäubungsgeräte?

Ich unterstütze die Forderung uneingeschränkt.
Unglaublich, dass solche Geräte bislang nicht zugelassen werden müssen.
Eine Überprüfung von Seiten des Schlachthofs reicht aus.
Das ist nur wieder eine neue Schikane und ein Wettbewerbsnachteil.