09.06.2017: Tierschutzorganisationen stellen Forderungen an die Politik - ZZF-Fachtagung in Berlin


NDR-Fernsehtierarzt Dr. Fabian von Manteuffel hielt einen Impulsvortrag zur Bedeutung von Heimtieren in unserer Gesellschaft


Moderator Volker Wieprecht, Ines Krüger vom Berliner Tierschutzverein, Dr. Cristeta Brause von Tasso, Sandra Altherr von Pro Wildlife, Fehrnsehtierarzt Dr. Fabian von Manteuffel und ZZF-Präsident Norbert Holthenrich (v.l.n.r.) diskutierten ihre Forderungen an die Politik.


Nordert Holthenrich, Präsident des ZZF, sagte man könne ''''nicht alles verkaufen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.''''

Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschland (ZZF) lud am 1. Juni 2017 zur Fachtagung „Wir für’s Tier“ nach Berlin ein. Vertreter großer Tierschutzorganisationen stellten anlässlich der diesjährigen Bundestagswahl ihre Forderungen an die Politik. Bundestagsabgeordnete von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke äußerten sich in einer Podiumsdiskussion anschließend dazu, welche der Forderungen ihre Partei in der kommenden Legislaturperiode umsetzen möchte. Themen waren unter anderem, welchen Stellenwert der Tierschutz in der Politik hat, der Welpen- und Onlinetierhandel, die Qualzuchtproblematik, die mögliche Unterstützung von Tierheimen und arbeitslosen Tierhaltern und gewerbliche Tierbörsen. Heiß diskutiert wurden Positivlisten für die Tierhaltung und Importverbote.

Heimtiere geben Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten einen Halt

Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Impulsvortrag, in dem NDR-Fernsehtierarzt Dr. Fabian von Manteuffel die Bedeutung von Heimtieren in unserer Gesellschaft aufzeigte. Haustiere seinen Tröster, helfen beim Stressabbau, förderten die Zufriedenheit, erfüllten den Alltag von älteren Menschen mit Sinn und schenkten Menschen, „die nicht von der Gesellschaft verwöhnt worden sind“, Halt im Leben.

Allein in Deutschland würden gut 30 Millionen Heimtiere leben, davon fast die Hälfte Katzen und eine steigende Anzahl Reptilien. Gerade bei Letzteren läge die Expertise immer noch im Fachhandel.

Heimtierhaltung darf kein Privileg von Wohlstand sein

Der Präsident des ZZF, Norbert Holthenrich, stellte deshalb die Forderung, die Politik solle diesen hohen gesellschaftlichen Nutzen von Heimtieren fördern. Zusammen mit Tasso fordert der ZZF deshalb, dass Empfänger von Transfereinkommen (etwa Hartz IV-Empfänger), die Tiere halten, zusätzlich zum Regelsatz Gutscheine für Futter, Pflege, Tierarztbesuche und weitere Kosten bekommen sollten. „Unverschuldet in Not geratene Tierbesitzer sollten sich nicht von ihren Tieren trennen müssen“, stellt Holthenrich klar heraus.

Ines Krüger vom Tierschutzverein Berlin und Umgebung, welcher nach eigenen Angaben das größte Tierheim Europas betreibt, wies darauf hin, dass solche Fälle Tiere in die Tierheime befördere. Man sei das „Auffangbecken für eine verfehlte Politik“ und verwies dabei vor allem auf die ungeklärten Kosten, die durch die kommunale Verpflichtung zur Aufbewahrung von Fundtieren den Tierheimen aufgebürdet würden. Mit einer besseren finanziellen Ausstattung der Tierheime könne auch eine Unterstützung bedürftiger Tierhalter erfolgen, so ihr Vorschlag. Krüger sagt, Tierschutz habe derzeit „überhaupt keinen Stellenwert in der Politik“ und werde in der Hauptsache von Ehrenamtlichen getragen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sagte Ute Vogt (SPD), Gutscheine würden die Menschen diskreditieren. Grundsätzlich sei die Forderung aber richtig, denn „Tiere gehören in vielen Familien zu einer normalen Lebensführung dazu“.

Auch Thomas Heilmann (CDU), Berliner Senator a.D. für Justiz und Verbraucherschutz, sprach sich gegen eine Einzelforderung aus. Nicole Maisch (Bündnis 90/Die Grünen) merkte den möglicherweise hohen Verwaltungs- und Kontrollaufwand an, den es zu beachten gelte.

Versandhandel von Tieren und Tierbörsen gehören verboten

Eine weitere Forderung zur Bundestagswahl 2017 vom ZZF, der Bundestierärztekammer, dem Deutschen Tierschutzbund, Pro Wildlife und Tasso lautet zudem, den Verkauf von Tieren über den Versandhandel zu verbieten. Der körperliche und psychische Stress für die ausgestellten Tiere sei nicht haltbar. Außerdem sollen gewerbliche Tierbörsen abgeschafft werden. Letzterer Forderung schließt sich auch der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz (BNA) an.

Begründet werden beide Punkte vorrangig mit der unverzichtbaren persönlichen, ausführlichen und langfristigen Beratung, die nur im Fachhandel und beim Züchter direkt erreicht werden könne. Ein zentraler Kritikpunkt am Versandhandel ist daneben auch das bestehende Recht der Käufer, so erworbene Tiere ohne die Angabe von Gründen und meist ohne die Kenntnis über oder die Möglichkeit für eine tierschutzgerechte Verpackung zurückzusenden. „Man bedenke auch, was in der Zeit des 14-tägigen Rückgaberechtes mit den Tieren geschehen sein könnte“, sagt Holthenrich.

Dr. Cristeta Brause von Tasso warf zudem in den Raum, dass mit einem Verbot des Online-Tierhandels der illegale Welpenhandel eingegrenzt werden könnte, der ein großes Tierschutzproblem sei und zurzeit auf Platz drei des organisierten Verbrechens läge. Online erfolge eine zu schnelle Umschichtung, die sich somit der Regulierung entzieht, sagt auch Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die Verbote zum Onlinehandel und gewerblichen Tierbörsen unterstützen die anwesenden Parteien weitestgehend einstimmig.

Positivlisten und Importverbot für Wildtiere sind sinnvoll

Außerdem standen auch die sogenannten Positivlisten, wie sie in den Niederlanden und Belgien bereits existieren und die vorschreiben, welche Tiere gehalten werden dürfen und welche nicht, zur Diskussion. „Nicht jeder kann alles halten, was die Natur hergibt“, sagte etwa Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Auch Nicole Maisch sprach sich klar gegen den Import von Wildtieren aus. Man müsse überlegen, welche Tiere der Normalbürger nach Ausstattung und Sachkunde zu halten in der Lage ist: „Krokodile und Flughörnchen gehören definitiv nicht dazu“, sagte Maisch. Birgit Menz (Die Linke) war gegen die Einfuhr von nicht-heimischen Tieren, Ute Vogt gegen die Entnahme von Wildtieren.

Die Frage, die sich im Publikum stellte, war daraufhin, ob denn nicht auch Meerschweinchen und Wellensittiche nicht-heimische Tiere seien. Norbert Holthenrich vom ZZF sagte für den Einzelhandel: „Es geht nicht, dass wir alles verkaufen, was nicht schnell genug auf dem Baum ist.“ Dennoch merkte er auch an, dass der Zoofachhandel einen wichtigen Beitrag zum Arterhalt exotischer Tiere liefere, besonders in der Aquaristik brauche man Naturentnahmen, sagte er.

Gesetzliche Regulierung notwendig

Die freiwillige Selbstverpflichtung der ZZF-Mitglieder, niedergeschrieben 1991 in den Heidelberger Beschlüssen, greift bereits viele der zur Tagung gestellten Forderungen auf. Die Mitglieder verzichten etwa auf aggressive Werbung für Tiere, präsentieren keine Heimtiere, die für den jeweiligen Interessenten ungeeignet sind und prüfen im persönlichen Beratungsgespräch die Sachkunde des Ineressenten, lehnen den Versandhandel von lebenden Tieren und den Verkauf von Welpen ab, arbeiten eng mit Tierheimen und Züchtern zusammen. Da jedoch nicht alle Zoofachhändler dem ZZF angeschlossen sind, sei eine gesetzliche Regulierung notwendig, so Altherr.

Norbert Holthenrich fasst zusammen: „Wir haben in Deutschland bereits ein gutes Tierschutzgesetz, nur der Vollzug muss noch besser werden.“

Die Veranstaltung war die dritte ihrer Art und entspringt der ZZF-Kampagne „Wir für’s Tier“, die die Selbstverpflichtung der Einzelhändler zum Tier- und Artenschutz publik machen soll. Die Sprecherin des ZZF, Antje Schreiber, sagte zur Veranstaltung, man wolle eine Diskussionsplattform bieten und dadurch Tendenzen zum Thema Tierschutz in der Gesellschaft aufspüren und sie als Konsens in die Politik hineintragen. Tierärzte, Zoofachhändler, Tierarzneimittelhersteller sowie Tierschutzorganisationen und weitere Interessenverbände im Heimtierbereich nutzen den Branchentreff auch als Gelegenheit zum Netzwerken. Durch das Programm führte Radiomoderator Volker Wieprecht.

Links / Literatur
ZZF

Bearbeitet von:
Sophia Neukirchner
Studierende der Veterinärmedizin an der Universität Leipzig
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