Bericht 28.7.2006 vom 31.07.2006
Liebe Kollegen,
wieder einmal möchte ich Euch an meinen Erlebnissen in Amerika teilhaben lassen. In zwei Wochen ist das Programm hier auch schon zu Ende und die Zeit ist gerannt. In meinem Projekt komme ich zur Zeit auch ganz gut voran, auch wenn es ein langwieriger Prozess ist. Um Euch einen Überblick zu geben, habe ich noch einmal alles zusammengefasst. Ich arbeite hier im Labor der klinischen Pathologie mit einer sehr netten Professorin. Ihr Interesse gilt dem so genannten Tissue Factor, einem Protein, das normalerweise auf der Zelloberfläche von bestimmten weißen Blutkörperchen vorkommt, aber vor allem in größeren Mengen auf Zellen, die die Außenwand von Blutgefäßen bilden. Das Protein spielt eine entscheidende Rolle in der Blutgerinnung. Wird ein Gefäß verletzt, kommt der Tissue Faktor in Kontakt mit einem anderen Protein, welches ebenfalls im Blut vorkommt. Dadurch wird dieses aktiviert und die Blutgerinnung in Gang gesetzt.
Das interessante ist nun, dass der Tissue Faktor bei bestimmten Krankheiten, wie z.B. Thrombose oder auch Krebs hochreguliert wird. Das Ziel unserer Arbeit ist es, einen Test zu entwickeln, mit dem man diese Hochregulation als diagnostisches Mittel für diese Krankheiten nachweisen kann. Dies funktioniert über Antikörper gegen ein bestimmtes Protein. Es sind Antikörper gegen den humanen Tissue Faktor bekannt, die aber wie wir und andere herausgefunden haben, nicht auf den Tissue Faktor unserer Haustiere reagieren.
Meine Aufgabe besteht nun darin, das Gen des Hundes, Pferdes und evtl. auch der Katze (ist noch nicht bekannt) in Bakterien zu transferieren, die dann den Tissue Faktor für mich produzieren können. Diesen muss ich dann anschließend wieder herausreinigen, um ihn dann Mäusen zu injizieren, die dann wiederum Antikörper produzieren. Aber ich glaube, das alles werde ich nicht mehr schaffen, solange ich hier bin.
Diese Woche habe ich die Sequenzen für den caninen und equinen tissue Faktor zurückbekommen und die Analyse stand auf dem Programm. Ich sage Euch, das ist wirklich kein Spaß beim ersten Mal. Man bekommt zwei Dateien, eine für den Sense- und eine für den Antisense-Strang und muss diese mit Hilfe sehr komplizierter Computerprogramme vergleichen.
Als nächstes hat mir mal wieder John Parker, in meinen Augen der Klonexperte schlechthin, geholfen, neue Primer zu konstruieren, mit denen wir Schnittstellen für zwei bestimmte Restriktionsenzyme an die Enden bauen. Mit deren Hilfe können wir dann mit einer neuen PCR das Gen in einen neuen Vektor transferieren, der dann in der Lage ist, das Protein zu produzieren. Bei dem Pferdegen bin ich noch nicht so weit und das Katzengen muss nächste Woche erst noch gefunden werden. Also, drückt mir die Daumen, damit ich es noch finde, solange ich hier bin.
Das war eine kleine Zusammenfassung dessen, was ich hier mache. Die Arbeit im Labor gefällt mir eigentlich ganz gut, man ist nur zu wenig draußen an der frischen Luft.
Das Wochenende in Toronto war sehr schön. Wir haben einiges von der Stadt gesehen und auf dem Rückweg die Niagarafälle besucht, was sehr beeindruckend war.
Unten könnt ihr ein Bild des CN Towers in Toronto sehen, der über 500 Meter hoch ist. Einfach awesome. Des Weiteren könnt ihr die Niagarafälle bewundern und mich mit meinem neuen in Kanada gekauften Hut.
Ach ja, hier noch die Auflösung der Quizfrage von letzter Woche, die ihr alle sicherlich mit Leichtigkeit gelöst habt. Die Ohrmarke natürlich.
Genießt eure Ferien schön und bis bald,
Euer Onno
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