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Kotwasser - Sind Kraftfuttermangel und sozialer Stress die Ursache?


Bei Kotwasser handelt es sich um vor, während oder auch nach dem Äppeln abgesetztes kotgetränktes Wasser. Dieses kann auch ganz und gar unabhängig vom Kot abgesetzt werden. Durch das Kotwasser verschmutzt der Bereich um After und Hinterbeine sowie der Schweif. Es kann sogar zu Hautirritationen und Hautentzündungen in diesen Bereichen kommen.
Zahnbehandlungen, Entwurmungen und Futterzusatzstoffe haben nur selten Erfolg.

Das Institut für Tierernährung der LMU München hat eine Feldstudie zu den Faktoren durchgeführt, die bei Pferden mit Kotwasserproblematik auffallend häufig auftreten. Dabei wurden den Besitzern u.a. Fragen zur Fütterung, Haltung und dem sozialverhalten der Tiere gestellt. Per Annonce in einer Reiterzeitschrift wurden 50 Besitzer betroffener Pferde ermittelt und interviewt. Der Großteil dieser Pferde wurde in Gruppenhaltung oder in Gruppen mit Auslauf bzw. Weide gehalten und Heu stellte ganzjährig die Rationsgrundlage dar. Nur 7,3% bekamen zusätzlich Silage/Heulage im Winter. Durchschnittlich erhielten die Tiere mit 1,5 kg Kraftfutter pro Tag nur wenig Kraftfutter, doch wiesen alle Tiere einen guten bis sehr guten Ernährungszustand auf.

Bei etwa der Hälfte der betroffenen Pferde trat ständig Kotwasser auf, 30% litt nur im Winter und 10% bei Weidegang auf jungen Weiden im Frühjahr an Kotwasser. Bei etwa 2/3 der Pferde blieben Behandlungsversuche (Entwurmen, Futterwechsel, Futterzusätze) mehr oder weniger erfolglos. Bei den betroffenen Pferden handelte sich überwiegend um freizeitlich genutzte Pferde und nicht um Sportpferde. 78% der Kotwasserpferde waren Wallache.

Neben der Befragung der Besitzer zu Haltung, Fütterung und der sozialen Stellung der Tiere in der Gruppe wurde von jedem Pferd mit Kotwasser eine Kotprobe zur parasitologischen Untersuchung (Larvenanzucht, Flotation) gebracht und Blutproben per Serumelektrophorese entnommen. Zur Kontrolle wurde von einem weiteren Pferd des Betriebes, das nicht an Kotwasser litt, ebenfalls Kot und Blut untersucht.
Bei 2/3 der Pferde mit Kotwasser verlief die durchgeführte parasitologische Kotuntersuchung ohne Ergebnis. Auch die Blutuntersuchung erbrachte weder auffällige Befunde noch Unterschiede gegenüber der Kontrolltiere

Um auch eine Kontrollgruppe bei der Untersuchung der Verhaltenszusammenhänge zu haben, wurden auch die Besitzer eines weiteren Pferdes aus der Gruppe ohne Kotwasserproblematik interviewt. Hier fiel ein auffallend hoher Anteil an Kotwasserpferden auf, die nach Angaben ihrer Besitzer innerhalb der Gruppe, in denen sie gehalten wurden, einen niedrigen Rang inne hatten und als nicht futterneidisch eingeschätzt wurden.

Schlussfolgerung
Aus der Ergebnisse der Studie folgerten die Wissenschaftler, dass zum einen ein erhöhter Kraftfutteranteil in der Ration zu einer Verbesserung der Problematik führen kann, da der Kot durch einen erhöhten Kraftfutteranteil trockener wird. Die an und für sich artgerechte Fütterung mit überwiegend Raufutteranteil scheint das Auftreten von Kotwasser dagegen noch zu unterstützen. Dafür spricht auch, dass vorwiegend freizeitlich genutzte Pferde betroffen sind, die in der Regel deutlich weniger Kraftfutter bekommen als Freizeitpferde.

Außer der Fütterung kann aber auch die soziale Stellung des Tieres in der Gruppe eine Rolle für die Genese von Kotwasser spielen. So scheint das Risiko zur Entwicklung eines Kotwasserproblems bei Tieren, die das "Schlusslicht" der Herde darstellen, um das 17,9-fache größer zu sein. Weiterhin litten 4,4 Mal mehr nicht futterneidische Pferde an Kotwasser als futterneidische.

Diese Ergebnisse weisen auf einen Zusammenhang zwischen Sozialstress und dem Auftreten von Kotwasser. Nicht zu letzt, als dass bei vielen Tieren Kotwasser anamnestisch das erste Mal im zeitlichen Zusammenhang mit Veränderungen im Umfeld des Pferdes auftritt, wie Gruppenwechsel, neuer Boxennachbar, Wechsel des Haltungssystems oder des Stalls.

Kienzle E. (2009). Das Kotwassersyndrom. XVIII. Tagung über Pferdekrankheiten im Rahmen der Equitana in Essen (20.-21-3.2009)