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Wurfkiste ist nicht gleich Wurfkiste


In den ersten Lebenswochen ist die Sterblichkeit von Welpen besonders hoch. Sie wird mit bis zu 30 % angegeben, wobei die Welpen in der Regel ohne vorangehende klinische Symptome oder mit relativ unspezifischer Symptomatik sterben. Der kritische Zeitraum der ersten Lebenswochen ist in der Umstellung vom intra- zum extrauterinen Leben und durch die Wachstums- und Reifungsprozesse der Tiere begründet. Daher sind für Welpen die Aufzuchtsbedingungen während dieser Zeit entscheidend und die Auswahl der richtigen Wurfkiste scheint für die Welpengesundheit eine entscheidende Bedeutung zu haben.

In einer größeren Beaglezucht haben die Kollegen Weimann und Hoy (2007) die Auswirkungen von unterschiedlichen Wurfkisten auf Morbidität und Mortalität der Welpen unter ansonsten gleichen Haltungsbedingungen untersucht.

Material & Methoden
In die klinische Untersuchung wurden 345 Welpen aus 60 Würfen bis zum 20. Lebenstag einbezogen. Dabei bestanden die Untersuchungen aus täglichen Routineuntersuchungen sowie aus einer einmal wöchentlichen klinischen Allgemeinuntersuchung. Je nach Ausprägung der Symptome, wurden die Welpen in 3 Gesundheitsklassen eingeteilt:
  1. Gesunde Tiere ohne klinische Symptome
  2. Kranke Tiere mit eindeutigen klinischen Symptomen
  3. Tiere mit fragwürdiger Symptomatik bei aber ungestörtem Allgemeinbefinden
Je nach vorherrschender Symptomatik wurden die Erkrankungen den Komplexen Magen-Darm-Trakt, Atmungstrakt und Kümmern zugeordnet. Darüber hinaus wurden Todesfälle bis zum Absetzen der Welpen registriert.

Die Welpen aus 31 der 60 Würfe wurden in Wurfkisten mit Gelkissen (Welpenbett – Typ Solar Ecke) und die Welpen aus 29 Würfen in Wurfkisten mit Kunststoffgitter und handelsüblicher Einstreu aus Holzspänen aufgezogen.
Beide Kistenarten standen in Zwingern, die einen Innen- und einen teilweise überdachten Außenbereich auswiesen. Die Wurfkisten wurden alternierend von Wurf zu Wurf eingesetzt und mit einem 250-Watt-Heizstrahler erwärmt.

Ergebnisse Morbidität
In den ersten 20 Lebenstagen erkrankten 67 (19,4%) der 345 Welpen. 203 (58,8%) blieben gesund und 75 Welpen (21,8%) wurden der Gesundheitsklasse 3 (Tiere mit fragwürdiger Symptomatik bei aber ungestörtem Allgemeinbefinden) zugeordnet.

Nach der Einbeziehung der beiden Wurfkistenarten zeigte sich ein hochsignifikanter Unterschied. Während bei den Würfen, die in Wurfkisten mit Gelkissen aufgezogen wurden, 19 Welpen (10,9%) deutliche Krankheitssymptome aufwiesen, lag der Anteil bei den Welpen in Wurfkisten mit Einstreu und Kunststoffgitter bei 48 Welpen (28,1%). Ihr Anteil war also doppelt so hoch. Fragwürdig war der Gesundheitszustand bei 19% der Welpen in Gelkissenboxen und bei 24,6% der Einstreuboxen. Dabei waren in jeder Lebenswoche deutlich mehr Welpen in den Wurfkisten mit Einstreu als mit Gelkissen erkrankt. Es bestand eine Differenz von 5,4% in der ersten, von 10,5% in der zweiten und von 7,5% in der dritten Lebenswoche.

Am häufigsten konnten bei 30 (8,7%) der 345 Welpen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts beobachtet werden. 25 dieser Tiere stammten aus eingestreuten Wurfkisten und nur 5 aus Wurfkisten mit Gelkissen. Weitere 14,4% der Gelkissen-Welpen und 24% der Einstreu-Welpen wurden im Zusammenhang mit Magen-Darm-Erkrankungen als fragwürdig eingestuft, da bei ihnen zwar Verschmutzungen des Fells mit Kot aber nicht der Absatz von Durchfall beobachtet wurde.

In 8,4% aller Tiere waren die Tiere Kümmerer, wobei die Differenz zwischen Gelkissen- und Einstreutieren bei 3% lag, und in 2,6% der Fälle litten die Tiere an Atemwegserkrankungen. Auch hier konnten mit acht Tieren achtmal so viele in den Wurfkisten mit Einstreu wie mit Gelkissen beobachtet werden.

Ergebnisse Mortalität
Insgesamt starben bis zum Absetzen 30 der 345 Welpen (8,7 %). 17 der verstorbenen Welpen (9,8%) wurden in Wurfkisten mit Gelkissen aufgezogen, die übrigen 13 Welpen (7,6%) in Wurfkisten mit Einstreu.

Die Mehrzahl der Todesfälle (25 Welpen = 83,3%) verstarb bereits in der ersten Lebenswoche mit Häufung in den ersten 3 Lebenstagen (davon jeweils 9 = 30% am 1. und 3. Lebenstag). Es konnte ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen Erkrankung und Sterblichkeit ermittelt werden. Während von den 67 erkrankten Welpen 16 Tiere (23,9%) starben, lag die Mortalitätsrate in der Gruppe der gesunden und fragwürdigen Tiere bei 4,9%. Alle Todesfälle traten in der Gruppe der Kümmerer auf.

Auf Grund des frühen Todeszeitpunktes und der unspezifischen Symptome vieler Welpen vermuten die Autoren einen Zusammenhang mit dem so genannten Fading-Puppy-Syndrom. Darunter werden Welpen zusammengefasst, die zwar mit einem normalen Geburtsgewicht zur Welt kommen, aber ohne erkennbare Ursache sterben. Die Hündinnen sind dabei stets gesund und zeigen ein normales Pflegeverhalten. Als Todesursache ist aber auch eine neonatale Atemdepression denkbar.

Fazit
Die Aufzuchtsbedingungen sind für die Gesundheit von Welpen ausschlaggebend. Werden die Welpen in Wurfkisten mit Gelkisseneinlage anstatt in Wurfkisten mit herkömmlicher Einstreu aufgezogen, wirkt sich dies positiv auf die Gesundheit der Welpen aus, da es den Hündinnen dort möglich ist, den gesamten abgesetzten Kot und Urin aufzunehmen. Dadurch bleiben der Verschmutzungsgrad und der Keimgehalt in der Wurfkiste gering, während er in Wurfkisten mit Einstreu ansteigt. Die schlechtere Hygiene erhöht das Infektionsrisiko der Welpen und führt insbesondere im Bereich der Magen-Darm-Erkrankungen zu einer höheren Morbiditätsrate. Die bei eingestreuten Wurfkisten höhere Zahl der Atemwegserkrankungen könnte auf die Einwirkung von Staub zurückzuführen sein, so die Autoren.

Weinmann M. und Hoy St. (2007). Ursachen für Morbidität und Mortalität von Hundewelpen unter verschiedenen Aufzuchtsbedingungen. Tierärztl. Umschau 62, 632-636