Im April 2010 fand in der Nähe von Lyon (Frankreich) das bereits 3. Europäischen Mastitis Panel (EMP) Treffen statt. Organisiert wurde die Veranstaltung durch das französische EMP-Team, Luc Durel, Francis Sérieys and Nathalie Bareille, allesamt Experten für Eutergesundheit in Frankreich.
Ziel des jährlichen Treffens ist der Austausch von Informationen zwischen den europäischen Ländern. Die größten Veränderungen für die europäische Milchwirtschaft in diesen Zeiten war das Absinken der Milchpreise von bis zu 25% in den vergangenen zwei Jahren, der Wegfall des Milchquotensystems im Jahr 2015 und die Veränderungen in den Strukturen von Milchkuhbetrieben in Zukunft. Deshalb werden in der EU Regierungen, die Organisation der Milchproduzenten, Betriebsgrößen, Land und Klima so unterschiedlich sein, dass voraussichtlich verschiedene ökonomische Lösungen entwickelt werden müssen, um bei diesen Wachstumsproblemen in der Milchwirtschaft zu überleben:
- Intensive Milchproduktion mit mehr Milchleistung pro Arbeitskraft (Dänemark, Niederlande, Belgien, Deutschland)
- Extensive Milchproduktion mit geringen Kosten (England)
- Spezialisierte Milchproduktion mit speziellen Produkten (Frankreich)
- Ökologische Landwirtschaft (EU)
"Es existiert keine einheitliche europäische Antwort auf die Veränderungen in der Milchwirtschaft, aber wir können eine Menge von einander lernen. Das ist der Grund, weshalb wir uns bei diesem Treffen versammelt haben", kommentierte Jantijn Swinkels, DVM und Global Technical Director of Ruminants bei Intervet/ Schering-Plough Animal Health, der dieses Treffen jedes Jahr in verschiedenen europäischen Ländern organisiert.
Hohe Milchpreise für spezialisierte Produktion
Die Vielfalt in der Milchproduktion innerhalb der EU zeigt, dass hier zahlreiche Wege zum überleben existieren. In Frankreich sind z.B. Milchbauern mit durchschnittlich 40 Kühen weit verbreitet, da die Milchquote an die Fläche des Betriebes gekoppelt ist und nicht am Quotenmarkt gehandelt werden kann. Die intensive Landwirtschaft ist in Frankreich in nordwestlichen Regionen Frankreichs ansässig, wo 50 % der Milch des Landes produziert wird. Die kleinsten und traditionellen lokalen Milchproduzenten findet man im Bergland. Der von der EMP-Gruppe besichtigte Milchkuhbetrieb ist spezialisiert auf die Produktion von Milch höchster Qualität (AOC = Appelation d’Origine Controlée), um daraus einen für diese Region (Rhône Alpes) typischen Rohmilchkäse zu produzieren. Bauern erhalten einen höheren Milchpreis (44 Cent versus 28 Cent für herkömmliche Milch), weil Sie Milch mit zusätzlichem Nutzen produzieren. Um höhere Preise zu erhalten müssen Sie strikte Regeln befolgen, diese beinhalten geringe Produktionsmenge (<5000 kg/Jahr), Fütterung der Kühe ausschließlich mit Gras oder Heu, keine Silage und nur eine kleine Menge an Konzentraten.
Der von den Milchkuhhaltern erzielte Preis für die sogenannte AOC-Milch variert in Bezug auf die Qualität, weil bestimmte Inhaltsstoffe (z.B. Gasblasen) die Käseproduktion stören würden. Sie unterscheiden drei verschiedene Klassen in Bezug auf Coliforme Keime, Buttersäure, Koagulase-positive Staphylokokken und die Gesamtzellzahl. Die beiden Hauptprodukte sind die Käsesorten "Tome des Bauges AOC" und "Abondance AOC". Die Käsereien haben sehr hohe Qualitätsstandards für Ihre Produkte und kooperieren daher mit Tierärzten. Ihr Hauptinteresse liegt dabei bei den durch Lebensmittel übertragenen Keimen wie Listeria, Staphylococcus aureus, E. coli und Salmonella gilt.
Nicht nur Milchkuhhalter haben ökonomische Probleme, auch Forscher müssen sich wachsenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Geldern für Forschungsprojekte stellen. In Frankreich beschäftigen sich fünf verschiedene Institute mit der Erforschung von Euterentzündungen, die nicht besonders gut miteinander in Verbindung stehen. Im Gegensatz dazu zeigen Kooperationen zwischen Instituten, die wie vor allem in kleineren Ländern (wie z.B. Niederlande zu finden sind, dass hierdurch Kosten gespart werden können. In Großbritannien melden verschiedene Institute die Finanzierung von Projekten bei einer zentralen Stelle an. So entsteht ein Wettbewerb zwischen den Instituten, welcher den Fortschritt und die Entwicklung fördert. Experten fanden heraus, dass Forschung nicht zwangsläufig teuer sein muss. Man sollte in der Forschung niemals vergessen, wie wichtig der Bezug zur Praxis ist. "Es ist zurzeit in allen Ländern schwierig Geld für Forschungsprojekte zu beschaffen. Wir müssen kreativ sein, weil INNOVATIONEN immer mit neuen Ideen beginnen," sagte Theo Lam aus den Niederlanden.
Neue Ergebnisse in der Trockensteherbehandlung wurden in letzter Zeit von verschiedenen Arbeitsgruppen veröffentlicht. Die Trockenstehperiode ist die optimale Zeit um bestehende Euterentzündungen auszuheilen und neuen Infektionen vorzubeugen. Dennoch ist die antibiotische Behandlung zum Trockenstellen aller Kühe ohne Ausnahme veraltet und zusätzlich dem Konsumenten schwer zu vermitteln. Andrew Bradley, Universität Nottingham (GB), wendet eine Trockenstehertherapie selektiert auf Herden- und Kuhlevel an: In Herden mit einer erhöhten Gesamtzellzahl in der Tankmilch hat die antibiotische Behandlung gram positiver Bakterien Vorrang. In Herden mit einer niedrigen Gesamtzellzahl in der Tankmilch ist der Schutz gegen gram-negative Erreger (Hauptgrund für Neuinfektionen) am wichtigsten.
Die beste und wirtschaftlichste Behandlung ist die, die die Rate der Neuinfektionen während der Trockstehphase durch minimalen Einsatz reduziert. Nathalie Bareille, Veterinary School of Nantes (Frankreich), demonstrierte ein simuliertes Computermodell (Ecomast), welches die Behandlungskosten mit den Neuinfektionsraten und der Gesamtzellzahl in der Tankmilch vergleicht. Das Modell zeigte, dass Landwirte Geld und Antibiotika sparen können, wenn Sie die am höchsten ökonomischen Strategien mit selektivem Antibiotikaeinsatz nutzen. Sie empfiehlt keine Antibiotika bei Kühen zu nutzen, deren Gesamtzellzahl niedrig ist (<150.000 Zellen/ml) und einer erwarteten niedrigen Neuinfektionsrate (<15%) und in einer Herde mit einer niedrigen Gesamtzellzahl in der Tankmilch (<180.000 Zellen/ml).
Das Europäische Mastitis Panel (EMP) hat sich zu einer geeigneten, gut etablierten Gruppe von Mastitis-Experten entwickelt und stellt eine wichtige Plattform für Diskussionen und ein Netzwerk in Europa dar. "Jedes Jahr höre ich, spreche ich und diskutiere ich mit meinen europäischen Kollegen", hob ein EMP-Mitglied hervor, "manche Ideen scheinen sehr traditionell, andere wiederum innovativ. In jedem Fall nehme ich immer etwas Wichtiges mit nach Hause. Dieses Jahr ist das Vorantreiben der Zusammenarbeit in meinem Land."
Die Mitglieder sehen dem vierten Jahrestreffen des EMP, welches für den Mai 2011 in Italien geplant ist, freudig entgegen. Das EMP-Treffen ist eine Initiative und wird unterstützt von Intervet/Schering Plough Animal Health, ein führendes Unternehmen für Lösungen bei der Eutergesundheit.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.EuropeanMastitisPanel.eu.
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