|
|
 |
Prävalenz von Borna-Krankheit und equiner BDV-Infektion wesentlich höher als gedacht
|
vom 01.08.2007
|
Sowohl die Bornaschen-Krankheit (BK) als auch die ausschließliche Infektion mit Borna-Disease-Virus (BDV) ist in Deutschland bei Pferden weitaus stärker verbreitet als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis einer epidemiologischenUntersuchung. Die dazu durchgeführten serologischen Untersuchungen ergaben eine Infektionsprävalenz von 52 %, wovon die Hälfte entweder typisch oder atypisch erkrankte. Die Untersuchungen wurden mit Hilfe eines dreifachen ELISA-Verfahrens durchgeführt, das BDV-Antigen, -Immunkomplexe und –Antikörper erfasst. So konnte ein kompletter, auf Antigen-Produkten und humoraler Immunabwehr beruhender Überblick über die BDV-Belastung bei erkrankten und gesunden Pferden gewonnen werden. Bisherige Studien haben nur die Verbreitung beim Pferd durch BDV-spezifische-Antikörper im Blut oder Liquor berücksichtigt. Diese ausschließliche und damit unvollständige Betrachtung der Antikörper-Titer ergab dagegen nur eine relative Häufigkeit von 18,6%.
Die Untersuchungen des aus nahezu allen Bundesländern eingeschickt Probenmaterials haben immer weiter verschwimmende Endemiegebietsgrenzen der Bornaschen Krankheit ergeben. Die früheren klassischen endemischen Gebiete in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind kaum noch auszumachen. Nahezu in jedem Bundesland existieren klassisch und atypisch BDV-erkrankte Pferde mit nachweislichen, spezifischen BDV-Titern. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bayern und Hessen wurden - relativ betrachtet - mit jeweils über 10 % die meisten BDV-hochpositiv infizierten kranken Pferde ermittelt. Außerdem konnte eine Prävalenz des Auftretens der Krankheit und auch der Infektion beim Sportpferd gegenüber Ponys und Kaltblütern ausgemacht werden. Weiterhin konnte eine jahreszeitliche Rhythmik beim Auftreten der Infektion und Krankheit erkannt werden. Zwischen Mai und August war die relative Häufigkeit kranker, infizierter Tiere besonders hoch.
Die BDV-Erkrankung konnte durch Gaben von Amantadin in der Regel erfolgreich behandelt werden. Bei mehr als 78 % der behandelten Pferde war eine klinische Besserung festzustellen.
In Deutschland ist die BK immer noch eine meldepflichtige Tierkrankheit, obwohl sie nach Ansicht des Autors mit einer Prävalenz von über 52 % nach dem Tierseuchengesetz kaum noch als eine solche einzustufen ist. Andererseits ist zu beachten, dass jeder Verdacht auf eine Enzephalitis beim Pferd wiederum anzeigepflichtig ist.
Die Bornasche Krankheit (BK) oder auch Borna Disease wird durch das Borna
Disease Virus (BDV) hervorgerufen. Das Virus besitzt nur eine geringe Infektiösität und wird von experimentell infizierten Kaninchen und Pferden über Speicheldrüsen, Nasenschleim, Harn und Milch ausgeschieden. Eine vertikale Übertragung von der Stute auf den Fötus ist möglich. Für die BDV-Infektion wie auch die BK kann keine genaue Infektionszeit angegeben werden, sie kann zwischen 2 Wochen und mehrere Jahr betragen. Dabei ist das Infektionsgeschehen streng in Infektion und Krankheit zu untergliedern.
Der klassische Krankheitsverlauf ist durch die Symptome einer nichteitrigen Panenzephalitis gekennzeichnet. Die Veränderungen sowie die für die Krankheit pathognomonischen intranukleären Joest-Degenschen Einschlusskörperchen finden sich vor allem in der grauen Substanz der Großhirns und des Hirnstammes. Die Krankheit kann allerdings auch mit atypischen Verlaufsformen auftreten, bei der unter anderem chronisch rezidivierende Koliken, Ataxien, Lahmheiten und andere Symptome auftreten können. Beim klassischen Verlauf kann die Mortalitätsrate größer 90% sein.
Natürliche Borna-Virus-Infektionen treten weltweit auf, von Europa über Nordamerika, Asien bis hin in den mittleren Osten bei Haus- und Nutztieren wie Pferden, Schafen, Rindern, Ziegen, Hunden, Katzen, Kaninchen, Ratten und Straußen sowie Zoo- und Wildtieren auf. Nur in Australien konnte bislang keine endemische BDV-Infektion nachgewiesen werden.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Wie bewerten Sie den Artikel
? |
Möchten Sie mehr zu diesem Thema lesen
|
|
|
|
|