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Hundehaltung in der heutigen Gesellschaft  
Aggression und Gefährlichkeit
Bullterrier
In letzter Zeit ist häufig im Zusammenhang mit Hunden von Aggression die Rede. Aber ist die Aggression auch wirklich mit der Gefährlichkeit des Tieres gleichzusetzen?

Was ist Aggression?
Als Aggression bzw. aggressives Verhalten wird ein offensives Verhalten, das gegen Artgenossen oder Nichtartgenossen gerichtet ist, bezeichnet. Es dient dazu in einer Auseinandersetzung um (lebens-)notwendige Objekte (sogenannte Ressourcen z.B. Futter, Wasser, Territorium, Fortpflanzungspartner) zu gewinnen (1).

Laut Schöning (1) ist aggressives Verhalten beim Hund kein Selbstzweck und es ist auch nicht pauschal Trieb gesteuert. Es gäbe keinen "Aggressionstrieb", der bei verschiedenen Hunden mehr oder weniger unweigerlich durchbreche. In diesem Sinne gäbe es auch keine "bösartigen" oder "hinterhältigen" Tiere. Aggressionsverhalten sei immer ein multifaktorielles Geschehen, dass zum normalen Verhaltensrepertoire des Hundes gehöre und situationsangepasst gezeigt werde.

Allgemein betrachtet lassen sich Verhaltensweisen in Funktionskreise zusammenfassen beispielsweise mütterliches Verhalten, Nahrungsaufnahme und Fortpflanzungsverhalten. Aggressionsverhalten stellt keinen eigenen Funktionskreis dar, es kann vielmehr als Verhaltenselement in allen Funktionskreisen gezeigt werden. Ein Welpe lernt während der Sozialisationsphase (4. bis 12./14. Woche) Variationen und Modulationen des Aggressionsverhaltens. In dieser Phase wird auch die Beißhemmung gelernt. Das Angstempfinden bildet sich ca. ab der 6. Lebenswoche aus, während gleichzeitig das uneingeschränkte Neugierverhalten abnimmt (1).

Verschiedene Formen von Aggression
Es gibt verschiedene Ansätze aggressives Verhalten zu klassifizieren und zu kategorisieren. Eine Möglichkeit der Einteilung basiert auf den Hintergründen und Motiven für ein aggressives Verhalten (1, 2, 5):

  • Pathologisch bedingte Aggression beruht auf Erkrankungen oder Verletzungen mit zentralnervöser Beteiligung.
  • Schmerz- oder schockinduzierte Aggression (Selbstverteidigungs-Aggression) ist eine ererbte Handlung zur Schadensvermeidung (reflexartig).
  • Hormonell bedingte Aggression der Hündin (Selbstverteidigungs-Aggression) tritt beim Muttertier bzw. während der Scheinträchtigkeit oder gegen andere Hündinnen während der Läufigkeit (Konkurrenzaggression) auf.
  • Hormonell bedingte Aggression des Rüden (Intermale Aggression) setzt die soziale Reife voraus und tritt zusammen mit anderen Anzeichen von hormonell gesteuertem Verhalten auf (testosteronabhängig).
  • Territorial bedingte Aggression (Selbstverteidigungs-Aggression) setzt die soziale Reife voraus. Es besteht eine genetische Prädisposition z.B. bei bestimmten Herdeschutzrassen und Hüterassen.
  • Angst bedingte Aggression (Selbstverteidigungs-Aggression) entsteht aus Angst vor einer Reduktion der individuellen Fitness bzw. dem Verlust einer Ressource.
  • Rang bezogene Aggression ("Dominanzaggression") beruht auf Konflikten um Ressourcen innerhalb der eigenen sozialen Gruppe. Sie verläuft situationsgebunden und individuell. Weder Qualität noch Quantität des aggressiven Verhaltens erlauben eine Aussage über die Position in der soziale Hierarchie.
  • Spielerische Aggression im Rahmen des sozialen Spiels dient als Hilfsmittel soziale Konflikte zu lösen.
  • Jagdverhalten gehört eigentlich nicht zum Aggressionsverhalten. Die Folgen können für Mensch oder Tier aber die selben sein. Hunde mit breitem Beutespektrum können auch Artgenossen oder Menschen als Beute attackieren. Die Sozialisierung mit dem Menschen ist der beste Schutz gegen solche Angriffe.

Pillonel (2) unterscheidet physiologische (Selbstverteidigungs-Aggression) und pathologische (krankhafte Angstzustände, psychische Störungen) Aggressionsformen. Fast jede physiologische Aggressionsform zeige eine normale Sequenz von Droh-, Angriffs-, Beruhigungs- und refraktärer Phase.
Die pathologischen Aggressionen sind hauptsächlich die Hyperaggressionen, zu denen auch die vom Menschen gelehrte Aggression gezählt wird. Es handelt sich dabei um Aggressionen, die keine normalen Sequenzen mehr aufweisen. Die Droh- und Beruhigungsphasen werden kürzer bzw. verschwinden ganz, der Angriff erfolgt unkontrolliert, die Beißhemmung nimmt ab. Durch zweifelhaft Methoden kann einem Hund beigebracht werden andere Hunde oder Menschen anzugreifen und einen Biss zu halten, d.h. seine Beißhemmung und Selbstkontrolle zu verlieren. Hunde, die solche Aggressionen zeigen, sind hoch gefährlich (2).

Die Gefährlichkeit eines Hundes
Die Gefährlichkeit eines Hundes lässt sich wie folgt definieren: "Ein Hund ist in einer bestimmten Umgebung als gefährlich zu bezeichnen, wenn er durch sein Verhalten die physische Unversehrtheit oder die Bewegungsfreiheit eines anderen Individuums beeinträchtigt oder zu beeinträchtigen droht. Dabei kann dieses Verhalten sowohl aus normalem (physiologischem), wie auch aus krankhaftem (pathologischem) Aggressionsverhalten bestehen." (2)
Von Bedeutung ist außerdem die Umgebung: die Situation der Begegnung, mögliche Provokationen sowie die Anwesenheit, das Verantwortungsbewusstsein und die Kontrollmöglichkeiten des Besitzers.
Die Gefährlichkeit eines Hundes wird nicht nur durch sein Aggressionspotential bestimmt. Vielmehr spielen auch folgende Faktoren eine Rolle: Größe, Gewicht, Körpermasse (Gewicht x Beschleunigung) oder Impulsivität, Aggressionstyp, Verhaltensentwicklung (Sozialisierung, Beißhemmung, Selbst- und Bewegungskontrolle, erlerntes Verhalten), Stimmung und Stimmungsschwankungen, Verhaltens- und andere Krankheiten, Stress oder Verletzungen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass schlechte Behandlung des Hundes sowie ungenügende Bewegung oder Nahrung die Aggression eines Hundes steigern können.
Bei gefährdeten Personen sind folgende Faktoren von Bedeutung: Größe und Gewicht des Menschen, Art der Bewegung (z.B. ruckartige, heftige Bewegungen), Kenntnisse der Hundesprache und die Vorstellungen, die die Person über den Hund hat (2).

Ist Aggression vererbbar?
In welchem Ausmaß aggressives Verhalten bzw. das Potential dazu ererbt und in welchem Ausmaß es erlernt wird, lässt sich nicht einfach festlegen. Genetische Veranlagungen spielen ebenso eine Rolle wie Umwelteinflüsse (z.B. Haltungsbedingungen, Erziehung, Kommunikationsprobleme) und bedingen sich gegenseitig. Der erbliche Anteil am Aggressionsverhalten könnte nur in der Forschung durch streng standardisierte Zuchtbedingungen nachgewiesen werden (1). Bisher liegen keine wissenschaftlichen Studien vor, die beweisen, dass einige Rassen ein höheres Aggressionspotential als andere zeigen. Allerdings existieren wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass das soziale Potential innerhalb einer Rasse stark variieren kann. Es gibt signifikante wurfspezifische Unterschiede (2). Es existieren bestimmte Zuchtlinien innerhalb verschiedener Rassen, die sich durch ein unangemessenes Aggressionsverhalten bzw. eine niedrige Reizschwelle für Aggressionsverhalten und/oder Angst auszeichnen. Dazu gehören neben Bullterriern auch Rassen wie Berner Sennenhunde, Deutscher Schäferhund und bestimmte Farbschläge des Cocker Spaniels (1).

Sind einige Rassen aggressiver als andere?
Nach einer Untersuchung medizinisch versorgter Hundebissverletzungen in der Schweiz waren folgende Hunderassen unter den Beißern im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Hundepopulation überrepräsentiert: Rottweiler, Collie, Schäferhund sowie die Schweizer Sennenhunderasse (3).

Nach Angaben einer kleinen Anfrage im Abgeordnetenhaus wurden 1998 in Berlin 1.762 Bissverletzungen durch Hunde gemeldet. Als beteiligte Hunderassen wurden folgende angegeben: Mischlinge (631), Schäferhunde (349), Rottweiler (197), Pitbull (135), Staffordshire Terrier (91), Dobermann (64), Terrier (55), Schnauzer (25) und Dackel (25). Diese Angaben berücksichtigen allerdings nicht den Anteil der einzelnen Rassen an der Hundepopulation. An anderer Stelle wird darauf hingewiesen, dass sich z.B. der Rottweiler, obwohl in der Beißstatistik überrepräsentiert, gleichzeitig als zuverlässiger Rettungs-, Dienst- und Begleithund bewährt (4).

Dressler (5) kommt in ihrer Diplomarbeit zu dem Schluss, dass die starke Zunahme der Berichterstattungen über eine erhöhte Gefahr durch sogenannte Kampfhunde sich nicht in der Statistik wiederspiegele.

In welchen Situationen kommt es vermehrt zu Beißattacken?
80% der Bissverletzungen entstehen durch dem Opfer bekannte Hunde (Familie, Nachbarschaft). Mehr als 60% der Opfer sind Kinder. Die innerhalb der Familie und des Freundeskreises entstehenden Unfälle werden aber in der Regel als Kavaliersdelikte verschwiegen (2). Diese liegen nach Schätzungen von Ärzten etwa achtmal so hoch wie die statistisch gemeldeten Vorfälle (4).

Nach einer schweizer Untersuchung wurden Kinder doppelt so häufig gebissen wie Erwachsene. Wobei Kinder überwiegend am Kopf, Erwachsene dagegen überwiegend an den Extremitäten verletzt wurden. Kleine Hunde bis 10 kg Körpergewicht waren unter den unfallverursachenden Hunden unterrepräsentiert. 24% der Bissverletzungen wurden durch den eigenen Hund, 34% durch einen bekannten und 42% durch einen fremden Hund verursacht. Wobei Kinder häufiger als Erwachsene durch bekannte Hunde verletzt wurden. 14% der Unfälle geschahen anlässlich einer Hunderauferei (v.a. Erwachsene), 42% anlässlich einer Interaktion mit dem Hund (v.a. Kinder) und 44% ohne Interaktion mit dem Hund (3).

Vermeidung von Aggression
Wenn Bissverletzungen wirksam vermieden werden sollen, müssen wir die Augen öffnen für das echte Problem, dass heißt für den versteckten Teil des Eisberges (2). Tatsächlich werden die meisten Hunde nicht bewusst "scharf" gemacht. Vielmehr wird durch Unwissenheit fehlerhaftes Verhalten verstärkt, statt für den Hund nachvollziehbar verboten (5). Unerwünschtes Verhalten wird dem Hund häufig geradezu antrainiert (6).

Am bedeutendsten für das Zusammenleben von Mensch und Hund ist vermutlich die Rang bezogene Aggression. Diese kann sich auch gegen den Menschen richten, da dieser vom Hund als Mitglied seiner sozialen Gruppe (Rudel) angesehen wird. Eine der Hauptursachen für Konflikte liegt in Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Kaum ein Hund reagiert sofort und ohne Umschweife offensiv, dazu ist der Risiko-Nutzen-Faktor viel zu hoch. Doch leider bemerken ihre menschlichen Rudelgenossen häufig die feinen Signale ihres Hundes nicht. Erhält der Hund auf seine Signale keine Resonanz, wird er allerdings bald darauf verzichten (angelernt). So entstehen Hunde, die "plötzlich" aggressiv reagieren (1).

Ein Hund lernt mittels positiver Motivation besonders schnell und gut. Konsequenz gibt ihm Übersicht über die Regeln, das Erlernte geht ihm aufgrund von Konditionierung in Fleisch und Blut über, sein Selbstbewusstsein wird dabei gefördert. Wird ein Hund auf diese Weise mit besten Absichten erzogen und beaufsichtigt, wird auch ein schwieriger Hund mit ebenso geringer Wahrscheinlichkeit auffällig werden, wie jeder andere Hund auch (5).

Aber auch Aggression kann gelernt werden! Wenn ein Hund merkt, dass eine bestimmte Verhaltensweise regelmäßig eine bestimmte positive Reaktion hervorruft, wird er diese öfter, schneller und stärker zeigen (z.B. beruhigende Worte bei aggressivem Verhalten). Andererseits können auch Hunde, die grob behandelt werden (falsch verstandenes Dominanzverhalten), entweder aus Angst oder aus Frust aggressiv werden. Besser ist es deshalb, Hunde zu einer erwünschten Handlung zu motivieren statt sie zu zwingen (1).

Auf die Frage, ob viele der sogenannten "Kampfhunde" nicht als Ablassventil menschlicher Aggression missbraucht werden, soll hier nicht näher eingegangen werden. Empfehlenswert als weiterführende Lektüre in diese Richtung und in Bezug auf die Rolle der Presse in der "Kampfhunde-Debatte" und die Geschichte der "Kampfhunde" ist die Diplomarbeit "Medienspektakel um Kampfhunde" von Petra Dressler.

Quellen:
(1) Warum beißt der Hund? ... eine Übersicht zum Aggressionsverhalten von Hunden, B. Schöning, DTB 9/2000 S. 904-913.

(2) Aggression und Gefährlichkeit, C. Pillonel, Vétérinaire-Comportementaliste E.N.V.F., 1892 Lavey Internetadresse??

(3) U. Horisberger (2002): Medizinisch versorgte Hundebissverletzungen in der Schweiz: Opfer - Hunde - Unfallsituation. Veterinärmedizinische Fakultät Bern, Dissertation.

(4) "Der tut nix - der will nur spielen" - "Das hat er noch nie gemacht!" Broschüre von Bündnis 90 / Die Grünen

(5) Dressler, P. (1999): Medienspektakel um Kampfhunde. Fachbereich 2 der Huchschule der Künste in Berlin, Diplomarbeit.

(6) Feddersen-Petersen, D. (1992): Hunde und ihre Menschen. Frankh-Kosmos-Verlag, Stuttgart.





   
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